| 14.02 Uhr

Diskussion um Marktmacht
Die deutsche Google-Angst

Diskussion um Marktmacht: Die deutsche Google-Angst
Google ist 1998 in den USA gegründet worden. FOTO: dpa, ole rf fpt hpl
Düsseldorf. Wieder steht Google wegen seiner Macht in Deutschland in der Kritik: Der Bundesjustizminister fordert eine Offenlegung der Arbeitsweise der Suchmaschine. Google antwortet und lässt den Minister blass aussehen. Internationale Experten warnen Deutschland vor einer Google-Angst. Das Paradox: In kaum einen Land ist die Kritik an Google so laut, wie in Deutschland - in der weltweiten Statistik nutzen die Deutschen Google aber viel intensiver als ihre Nachbarn. Von Daniel Fiene

Hauseigentümer lassen ihre Wohnungen verpixeln, Medienhäuser sehen ihre Geschäftsmodelle bedroht und die EU will die Marktmacht von Google begrenzen, während gleichzeitig Europäer unliebsame Links aus der Suchmaschine entfernen lassen können. Die Debatte um das omnipräsente Google wird intensiver. Das jüngste Kapitel besteht aus einem öffentlichen Diskurs zwischen Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Google Deutschland.

Wie arbeitet Google?

Mit Forderungen an Google, den Suchalgorithmus komplett offenzulegen, sei er missverstanden worden, sagt Bundesjustizminister Maas. Allerdings müsse der Konzern besser darüber informieren, wie er die Suchergebnisse ordne. Google sagt, das sei bekannt.

Maas  hat angesichts der Marktmacht von Google erneut mehr Transparenz des Internetsuchmaschinen-Betreibers gefordert. Er strebt zwar nicht die Herausgabe des Suchalgorithmus im Detail an, wie er in der "Bild am Sonntag" klarstellte, nachdem frühere Äußerungen von ihm so interpretiert worden waren. Aber: "Google muss die Kriterien, nach denen die Suchergebnisse geordnet werden, offenlegen."

"Die Nutzer von Google sollten nachvollziehen können, wie die Suchergebnisse sortiert werden. Dabei geht es auch darum, inwiefern Suchergebnisse etwa durch wirtschaftliche Interessen manipuliert werden", erklärte Maas. "Alle Informationen, die Suchergebnisse wesentlich beeinflussen, sollten erkennbar sein. Welche Rolle spielen etwa die eigenen Profildaten? Inwiefern sind Daten von Google gelöscht worden? Werden Kunden von Google bevorzugt? Welche Rolle spielt Werbung? Das sollten die Nutzer schon wissen."

"Sehr geehrter Herr Bundesminister Maas..."

Google antwortete noch am Sonntag mit einer ausführlich auf seinem sozialen Netzwerk. Dort hieß es unter anderem, die Reihenfolge der Suchergebnisse werde nicht durch kommerzielle Interessen beeinflusst: "So werden die Ergebnisse angezeigt, die relevant für unsere Nutzer sind." Die Trennung zwischen Werbeanzeigen und strikt nach Relevanz geordneten Suchergebnissen sei "seit jeher ehernes Prinzip bei Google". Dies hätten auch die Prüfungen der Wettbewerbshüter in den USA und der Europäischen Union bestätigt. Google informiere unter anderem im Webmaster Blog über die Kriterien für die Anordnung der Suchergebnisse.

Zu Datenschutz und Profildaten betonte der Konzern, jeder Nutzer könne selbst entscheiden, welche Informationen er bei einer Suche mit Google teilen wolle. So könne man auch die Individualisierung der Suchergebnisse ausschalten.

Die Kommentare unter diesem Text von Google zeigen, dass der Justizminister blass erscheint. Zwar hat Google sachlich auf die Kritik des Minister reagiert, die Antworten weisen aber auf Informationen hin, die schon seit Jahren im Netz veröffentlicht werden. 

"Keine Angst vor Google, Ihr Deutschen!"

Das Verhältnis der Deutschen und Google ist seit Jahren kompliziert. Der erste Höhepunkt war die Einführung von Google Streetview. In keinem anderen Land gab es in dieser Form Proteste, dass Häuserfassaden im Internet abgebildet werden. Hinter vorgehaltener Hand haben Google-Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass aber schon vor der Einführung die Deutschen den Streetview-Dienst wie die Weltmeister nutzen würden. 

Ähnliches lässt sich auch rund um die Google-Suche feststellen: In Deutschland hat Google seit Jahren einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. In den USA liegt der Marktanteil lediglich etwas über 60 Prozent. Die Nutzung von Google deckt sich nicht mit der Kritik, die laut wird.

In einem Interview mit Capital.de warnt der US-Journalistikprofessor Jeff Jarvis (Autor des Buches "Was würde Google tun") die Deutschen davor, Angst vor Google zu haben: "Ich finde die Frage sehr interessant, worum es bei dem Aufstand gegen Google und andere Silicon Valley-Unternehmen eigentlich geht. Wieviel davon ist von althergebrachten Industrien gesteuert und hat wenig mit der Stimmung in der deutschen Bevölkerung zu tun?" Allerdings würde die angespannte Stimmung rund um den Digitalsektor Innovationen aus Deutschland oder Europa erschweren, so Jarvis.

(Mit DPA-Material)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Diskussion um Marktmacht: Die deutsche Google-Angst


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.