Senkrechtstarter Susan Boyle: Die erfolgreichsten Web-Videos aller Zeiten
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 04.05.2009 - 19:02Düsseldorf (RPO). Britische Web-Spezialisten haben eine Methode entwickelt, um die wahre Reichweite von Videos zu messen. Nun liegt ihre Liste der erfolgreichsten Web-Videos aller Zeiten vor. Dass das britische Superstar-Wunder Susan Boyle bereits auf Rang fünf liegt überrascht dabei weniger. Wohl aber, welche Filme noch weit vor ihr liegen.
Für die Ermittlung des Video-Rankings haben die Experten des britischen Unternehmens "Visible Measures" eine eigene Methode entwickelt: True Reach, frei übersetzt die wahre Reichweite. Die Zahl ist vergleichbar mit der Gesamt-Leserzahl von Zeitungen, die in der Regel weit über die Anzahl der verkauften Exemplare hinausgeht. In einer Zeitung lesen schließlich mehr Menschen als nur ihr Käufer.
Ähnlich ist das auch bei den so genannten viralen Videos. Nicht nur die Zahl der Abrufe auf einem Videoportal ist von Interesse, sondern das Ausmaß ihrer Verbreitung. Findige Marketing-Leute haben dafür eigenes das so genannte virale Marketing erschaffen, das gezielt soziale Netzwerke zur Verbreitung von Botschaften nutzt. Der Begriff viral leitet sich dabei von Virus ab. Auch dieses verbreitet sich rasend schnell in immer größeren Kreisen.
Was sind virale Videos?
Die gleiche Eigenschaft kennzeichnet virale Videos. Diese Filme verbreiten sich über Portale, Seeds, Links und E-Mails. Innovative Unternehmen produzieren eigens für solche Zwecke Material. Ihre Vorgabe: Ihr Film muss nicht sofort als Werbung zu identifizieren sein, sollte aber dafür möglichst originelle Inhalte liefern, damit User ihn anschauen – und weiterleiten oder andere darauf hinweisen.
Die Web-Detektive von "Visible Measures" messen den Erfolg solcher Bemühungen. In ihre Bewertung floss neben den nackten Abrufzahlen auch die Resonanz auf die Filme mit ein: Verulkungen, Neudeutungen, Parodien, Kopien, etc. Am Ende steht die wahre Reichweite.
Anlass für die Erstellung des nun vorliegenden Rankings: der gigantische YouTube-Erfolg von Susan Boyle. Bei Visual Measures türmten sich die Anfragen, wie Boyles denn einzuschätzen sei.
Überraschung an der Spitze
Nun die Auswertung. Was die Charts zeigen, ist zunächst überraschend. Auf den Top-Plätzen liegt nicht etwa eines der Pannen-Videos, wie sie so oft im Anhang von Mails zu finden sind. Vielmehr ist die unangefochtene Nummer eins der HipHop-Musiker Soulja Boy, den in Deutschland nur Insider kennen.
Der in den USA ungleich bekanntere Rapper und dessen Plattenfirma Universal aber haben die Gesetzmäßigkeiten der Branche begriffen - und die Verbreitung des Videos angeschoben, wo sie nur konnten. Soulja Boy zählt zum beispiel zu den eifrigsten Twitterern im Lande. Wer bei YouTube als Suchbegriff den Titel seines Videos eingibt, landet bei 68.000 Treffern – die meisten davon Nachahmer, Parodien, Weiterentwicklungen.
356.000.000 Abrufe
Nach den Berechnungen aus England hat die Zahl der Abrufe des Nummer-eins-Videos eine astronomische Größe. Mit 356 Millionen sind es fast doppelt so viele wie bei "Britains next Talent" Susan Boyle. Die aber ist auf der Überholspur. Ihre 186 Millionen Abrufe hat sie in nur drei Wochen gesammelt. Soulja Boy hat 21 Monate benötigt.
Das Ranking offenbart noch ein weiteres Phänomen: Profi-Arbeit zahlt sich im Netz nämlich doch aus. Unter den Top Ten finden sich überwiegend teuer produzierte Musik-Videos und Film-Trailer. Ein echtes Amateur-Video "Charlie bit my finger … again" findet sogar sich erst auf Platz 13: Es zeigt, wie der wohl gerade mal einjährige Charlie seinem älteren Bruder in den Finger beißt und sich anschließend darüber kaputtlacht. Warum dieses zwar durchaus unterhaltsame, aber nicht wirklich herausragende Filmchen im Netz so viel Zuspruch gefunden hat, bleibt wohl eines der ewigen Geheimnisse des WWW.
Das Ranking der erfolgreichsten Videos im Netz finden Sie mitsamt Zahlen, Links und weiteren Infos in unserem Überblick.
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