| 14.08 Uhr

"Bin kurz afk!"
Die geheime Sprache der Nerds

Netzjargon für Anfänger
Netzjargon für Anfänger FOTO: gms
Düsseldorf (RPO). Wenn der werte Lebenspartner zu Hause vorm Computer hockt und über Kopfhörer mit seinen Teamkollegen kommuniziert, heißt es für viele Außenstehende: Was zum Teufel redet der Mensch da? Denn in Online-Spielen und Chatrooms entwickeln die Menschen eine seltsame und eigene Sprache. Von Daniel Hecht

Das Internet ist eine kreative Zone, was den Sprachgebrauch betrifft. Wo Deutsche auf Engländer, Amerikaner, Franzosen, Italiener und Spanier treffen, muss man sich schnell und treffend verständigen können: Die diversen Internet-Slangs sind also nicht mehr als eine Opferung der grammatikalischen Regeln an schnelle Nutzbarkeit und maximalen Verständnis-Effekt. Wieso sollte man auch einem Engländer "Danke" schreiben, oder einem Franzosen mit einem "Merci", wenn für beide auch ein simples "thx!" reicht?

Mit der Aussage "Bin kurz afk!" zeigt man an: "Ich muss kurz weg!", oder "Ich entferne mich von der Tastatur". "Afk" steht für "away from keyboard". Wenn alles schnell gehen muss, zeigen diese Abkürzungen einen praktischen Effekt.

"Epic equip, heal dudu, lfg naxx!"

Wer sich mit aktuellen Spielen, wie dem Online-Rollenspiel "World of Warcraft" beschäftigt, der versteht anfangs nur Bahnhof. Beinahe für jede Phrase gibt es die passende Abkürzung, selbst spielspezifische Gegenstände und Orte werden abgekürzt. Der gigantische Fundus an Abkürzungen ist für Außenstehende nur schwer verständlich. So steht "naxx" beispielsweise für einen der schwierigsten Dungeons im Spiel: "Naxxramas". Ist es bei solchen Namen kein Wunder, dass die Spieler zu Abkürzungen greifen, steht zumindest das immer beliebter werdende "Denglisch" in der Kritik von Sprachwissenschaftlern.

Noch kryptischer offenbart sich der heutige Jugend-Slang in diversen Chatrooms:

De@thbringer: "woll wa dust2 gaymorn?"
R1zeR: "nah, shice mp"
De@thbringer: "LOL?! omfg?!!1"
R1zeR: "Rofl,was ghetn chill mal o.O"


Für "normale" Menschen nur schwer zu dechiffrieren, könnte eine gültige Übersetzung lauten:

Todeslieferant: "Wollen wir die Counterstrike Karte "dust2” spielen?"
Messer: "Nein, diese Karte ist blöd!"
Todeslieferant: "*lacht* Verdammt, bist du bescheuert?"
Messer: *lacht laut* "Entspann dich mal!" *rollt mit den Augen*

Mittlerweile ebenfalls salonfähig ist die sogenannte "Leetspeak". Wer damals im Mathe-Unterricht nicht aufgepasst hat, der kennt diese Form der Sprache vielleicht unter dem Namen "Taschenrechner-Sprache". Man nehme die digitalen Zahlen und drehe sie um: So wird aus einer "7" schnell ein "L", aus einer "1" ein "T" und aus einer "3" ein "E". "7353" steht somit für den alten Mathe-Witz "ESEL", "Leetspeak” lässt sich mit "1337-Speak” umschreiben.

Unter Jugendlichen sehr beliebt: Den eigenen Nickname mit Zahlen und Sonderzeichen aufzuwerten: Sonderbare Namen wie "X$Ganda7f&X”, "Mastah0fD3STRUCT1on” oder "*Dezz4uBr1nga*”gastieren vor allem in Online-Shootern wie "Counterstrike", machen aber auch vor diversen Chatrooms keinen Halt.

Grammatikalische Auswüchse

Noch weiter gehen folgende Neologismen, welche teils auf ihre englische Bedeutung referrieren, teils frei erfundene Wörter sind und einzig den Gesetzen der Lautsprache gehorchen, oder simple Abkürzungen sind: Ein gutes Beispiel ist das Wort "chillen" (ausruhen, entspannen), bzw. seine diversen Auswüchse wie "Geh mal chillen!", "Chill!", "Heute chill ich!".

Wie bei vielen Worten ist auch hier die wörtliche Bedeutung "chillen" = "entspannen" nicht immer ernst zu nehmen. Wenn ein Spieler im wilden Online-Gefecht seinem Kollegen "Chill!" schreibt, dann wird er kaum von ihm verlangen, sich mal zu Hause auf das Sofa zu legen. Hier geht es vielmehr meist um "Zurückhaltung" und "im Hintergrund bleiben".

Die verwirrende Zeichengabe diverser Internetnutzer macht sich seit jeher über sich selbst lustig. Schließlich stehen auch hinter den versiertesten Nutzern ganz normale Menschen, welche den "Internet-Slang" vom gesprochenen Deutsch (meist!) trennen können. Daraus resultieren meist ironisch gemeinte Auswüchse, welche vor allem in wüsten Zeichenwiederholungen enden.

Das Gespräch: "Wann hast du ihn getroffen?" - "Hab ich doch schon gesagt: gestern!" verwandelt sich auf diese Weise zu einem "Wann hast du ihn getroffen?" - "Altaaaaa, gestoooorrrrRrRrRNNNN!!!111einself". Bei ausschweifender Nutzung von Ausrufezeichen, mogeln sich auch einige "1"-er dazwischen. Einige Forenuser parodieren diesen Fehler, indem sie hinter die Einsen das Wort "Einself" hängen.

Gesprochene Abkürzungen

Eine der am häufigsten genutzten Abkürzungen im Internet ist "lol", welches für "laugh out loud", beziehungsweise "herzlich lachen" steht. Hier gibt es einige interessante Entwicklungen zu sehen: Zum einen wird das ursprünglich gutherzige "lol" aktuell vornehmend in sarkastisch gemeinten Sätzen erwähnt ("Er ist vom Skateboard gefallen!" - "lol!"), zum anderen findet "lol" seinen Platz im alltäglichen, ausgesprochenen Gespräch: Wer seinen Kindern im Kaufhaus eine neue Jeans andrehen will, und diese darauf nur mit einem "lol" antworten, der sollte wissen, woran er ist!

Die Wandlung von "lol" ist nur eines von vielen Beispielen, wie sich selbst simpelste Abkürzungen im Internet weiterentwickeln können. Viele dieser Wörter unterliegen dem dynamischen Prozess der Sprachentwicklung. Außerhalb von Abkürzungen und Neologismen, werden Gefühle und Handlungen von diversen Nutzern gerne in Sternchen gesetzt: *Vor Kopf klatsch*, *Brecheisen*, *Zaunpfahl*, *Bauch streichel*. Auch hier wird die ursprüngliche Bedeutung meist verkürzt: *Zaunpfahl* = "Mit dem Zaunpfahl winken".

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