Neues Messaging-System vorgestellt: E-Mailadresse "@facebook.com" kommt
VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 15.11.2010 - 21:50Düsseldorf (RPO). Das soziale Netzwerk Facebook hat am Montagabend ein neues Messaging-System vorgestellt. Die neue Anwendung soll als Mischung aus klassischer E-Mail, SMS und Instant-Messaging die Anwender überzeugen. Denn E-Mails allein findet Gründer Mark Zuckerberg inzwischen langweilig.
Mark Zuckerberg begann seine Präsentation mit den Schwächen der herkömmlichen E-Mail. Denn die sei schlicht zu langsam. Zwar würden die Nachrichten rasend schnell übertragen. Wann der Empfänger aber tatsächlich seine E-Mails liest, sei oft unklar. Zudem müsse sich der Nutzer an komplizierte E-Mail-Adressen erinnern und sich eine Betreff-Zeile ausdenken.
Bei Facebook soll die Kommunikation künftig anders laufen. Chef-Entwickler Andrew Bosworth verspricht den Nutzer "nahtlose" Kommunikation in Echtzeit, bei dem die Vorteile von SMS, Chat und E-Mail miteinander verbunden werden. Dabei soll das neue System aber über deutlich weniger Features verfügen als die drei Komponenten für sich genommen.
Nutzer können künftig direkte Nachrichten auf Facebook schicken, Kurznachrichten auf Handys verschicken und klassische E-Mails auch an Nicht-Facebook-Nutzer senden – alles von einer Oberfläche aus. Dafür kann sich jeder Nutzer eine E-Mailadresse "@facebook.com" einrichten.
Alle Nachrichten – auch E-Mails – an einen Freund oder Bekannten sind in einer einzigen History gesammelt, ohne störende Betreffzeilen. So könne man noch in vielen Jahren Gespräche und Chats nachvollziehen, schwärmte Bosworth.
Um sich vor Spam und unerwünschten Nachrichten zu schützen, kann der Nutzer eine "Social Inbox" einrichten. Hier ordnet der Nutzer seine Kontakte in "Enge Freunde", "Bekannte" und "Spam". Nur über E-Mails von engen Freunden wird er sofort informiert. Spam landet direkt im Mülleimer – wo auch sonst.
Facebook will das neue System in den nächsten Wochen und Monaten häppchenweise online stellen. Anfangs soll nur eine kleinere Nutzergruppe damit arbeiten, um Fehler und Schwächen zu identifizieren. Auch ohne E-Mail-Adresse soll man Facebook weiter nutzen können. Interessierte können sich hier schon anmelden.
Das neue Facebook-System gilt als Angriff auf große E-Mail-Anbieter wie Hotmail oder GoogleMail. Genüsslich wies Zuckerberg zu Beginn der Präsentation darauf hin, dass schon heute 350 Millionen Menschen täglich über Facebook Nachrichten verschicken. Facebook hat derzeit deutlich über 500 Millionen Nutzer weltweit.
Experten vermuten, dass Facebook auf einen Schlag zum größten Mail-Anbieter der Welt aufsteigen könnte. Hotmail von Microsoft ist mit derzeit 361,7 Millionen Usern derzeit der größte Dienst, gefolgt von Yahoo mit 273,1 Millionen Nutzern und Gmail mit 193,3 Millionen Kunden.
Die Aktienmärkte reagierten vorerst gelassen. Die Google-Aktie lag um kurz vor 19 Uhr bei 440 Euro – mit einem bisherigen Tagesverlust von überschaubaren 1,50 Euro. Aber Facebook hat ja noch gar nicht richtig losgelegt.
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