Zehn Jahre Internet-Auktionshaus in Deutschland: Ebay hofft auf Profit durch die Krise
zuletzt aktualisiert: 26.02.2009 - 15:22Düsseldorf (RPO). Das Internet-Auktionshaus Ebay hofft auf höheren Umsatz durch die allgemeine Krisenstimmung. Der Geschäftsführer des Online-Portals, Frerk-Malte Feller, gab sich in Berlin zum zehnjährigen Ebay-Bestehen zuversichtlich, dass die Erfolgsgeschichte weitergeht. Zehn Jahre nach der Gründung sieht sich Ebay Deutschland der zunehmenden Konkurrenz eines anderen Internet-Unternehmens ausgesetzt.
"In schwierigen Zeiten schauen die Leute mehr auf jeden Euro und sehen, was sie zu Geld machen können", sagte Frerk-Malte Feller und hofft dadurch von der Krise profitieren zu können. Künftig sollen Marken-"Shops" im Stil der Factory-Outlets integriert werden.
Feller rechnete vor, dass seit 1999, als die Internet-Auktionen mit alando.de in Berlin-Kreuzberg begannen, 4,4 Milliarden Gebote allein in Deutschland abgegeben worden seien und 1,1 Milliarden Artikel im Wert von 42 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt hätten. Er zitierte eine Infratest-Umfrage, derzufolge ein Drittel der Befragten ihre erste Erfahrung mit Internet-Käufen bei Ebay gemacht hätten und jeder Zweite zwischen 18 und 49 Jahren regelmäßig dort kauft oder etwas ersteigert. Tatsächlich gibt es bei Ebay 14,5 Millionen aktive Konten in Deutschland.
Weihnachtsgeschäft brach Rekorde
Ungeachtet der Weltwirtschaftskrise habe das Weihnachtsgeschäft bisherige Rekorde gebrochen, sagte Feller. Insgesamt seien 30 Millionen Artikel in den Wochen vor Weihnachten über den virtuellen Laden- beziehungsweise Auktionstisch gegangen, davon 1,6 Millionen allein am handelsintensivsten Tag, dem 14. Dezember, und rund 270.000 in der geschäftigsten Stunde dieses Tages.
Auch für den Verlauf des Jahres gab sich Feller optimistisch. "Wir sind nicht immun", sagte er. Aber er glaube, dass viele Menschen sich überlegten, ob sie statt eines neuen Artikels lieber einen gebrauchten kaufen oder Dinge zu Geld machen sollten, die sie nicht mehr brauchten. In der deutschen Ebay-Zentrale arbeiteten derzeit mehr als 1000 Beschäftigte. "Ich sehe keinen Grund, dass es am Ende dieses Jahres weniger sein sollten."
Konkurrenz durch Amazon
Der Spagat zwischen privaten und gewerblichen Geschäften geht laut Feller 50:50 aus. Jeweils die Hälfte der verkauften Artikel gingen auf das Konto privater und gewerblicher Anbieter. Zurzeit stünden etwa 30 Millionen Artikel gleichzeitig auf der Plattform. Ein echter Schub erfuhr diese Zahl, nachdem im Herbst private Angebote kostenlos gestellt wurden und nur bei erfolgreichem Abschluss eine Provision fällig wurde. Im Bereich der gewerblichen Anbieter konkurriert Ebay damit zunehmend mit Amazon.
Daher sucht der Konzern nun offenbar nach einer Strategie, sich in diesem Bereich abzugrenzen: Ab sofort bietet Ebay ein "Wow des Tages" an, mit besonders günstigen Artikeln - allerdings "in begrenzter Stückzahl". Am Mittwoch war es eine "Wii"-Spielkonsole für 29,99 Euro, die normalerweise nur für mehr als 200 Euro zu haben ist. Außerdem sollten die Rückgabe-Modalitäten vereinfacht werden.
Ab Frühjahr will Ebay zudem das Outlet-Shopping auch im Internet einführen. Markeninhaber und Hersteller können über das Auktionshaus Verkaufsaktionen von Vorsaisonware und Restposten starten.
Weihnachtsgeschäft in den USA brach ein
In den USA sahen die zuletzt vorgestellten Zahlen des Internet-Auktionshauses und der Ausblick weniger rosig aus: Dort erwartet der Konzern Ende Januar für das erste Quartal 2009 nur einen Umsatz von 1,8 bis zwei Milliarden Dollar, im Vorjahresquartal waren es noch 2,2 Milliarden. Das Weichnachtsgeschäft lief in den USA deutlich schlechter als in Deutschland, dort brach es im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent ein.
Gerade das Kerngeschäft leidet in den USA unter der Krise - und der zunehmender Konkurrenz durch Amazon. Seit Mai 2008 hat sich der Aktienkurs des Unternehmens von rund 20 Euro pro Aktie auf derzeit rund 10 Euro halbiert.
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