Neue Regeln für Versandkosten: Ebay vergrault die privaten Verkäufer
zuletzt aktualisiert: 21.10.2009 - 12:34Düsseldorf (RPO). Wer zukünftig bei Ebay gebrauchte Computerspiele, CDs, DVDs oder Bücher ersteigern möchte, kann sich unter Umständen auf ein geringeres Angebot einstellen. Grund: Verkäufer dieser Waren müssen ab sofort für den Versand der Waren aufkommen und tragen damit ein größeres Risiko.
Das Internet-Auktionshaus Ebay erweitert die Verpflichtung der Verkäufer, den Versand für bestimmte Waren in jedem Fall kostenlos anzubieten. Betroffen sind Bücher, DVDs, Computerspiele und CDs. Der Konzern begründet den Schritt mit einem wachsenden Konkurrenzdruck. Andere Handelsplattformen würden die betroffenen Medien grundsätzlich kostenlos versenden.
Maßnahmen nach dem Gewinneinbruch
Der Online-Marktplatz will damit vor allem für Käufer wieder interessanter werden, nachdem die Verkaufszahlen zuletzt massiv eingebrochen waren. "Die Käufer honorieren das", verweist Wolfgang Huber von Ebay Deutschland auf die "guten Erfahrungen", die sein Unternehmen mit einer ähnlichen Regelung für Zubehörkategorien bereits gemacht habe. Huber erkärt: "Überhöhte Versandkosten sind ein regelmäßiges und großes Kunden-Ärgernis." Mit der neuen Maßnahme will Ebay dem entgegenwirken.
Besserer Kunden-Service scheint auch geboten, denn das weltgrößte Online-Auktionshaus war zuletzt heftig ins Schlingern geraten. Im zweiten Quartal vermeldete Ebay einen Gewinneinbruch von 29 Prozent. Der Profit sank um 133 Millionen Dollar auf 327 Millionen Dollar oder 0,25 Dollar je Aktie. Es war bereits das dritte Quartal in Folge, in dem Ebay einen rückläufigen Gewinn auswies. In der deutschen Ebay-Zentrale in Dreilinden bei Berlin wurde kräftig der Rotstift angesetzt: 400 der 1000 Stellen sollen gestrichen werden.
Kostenloser Versand als Kaufanreiz
Mit den versandkostenfreien Auktionen möchte Ebay die Transparenz seines Handels verbessern, der "ein Marktplatz für jeden" sein soll. Das Unternehmen verweist auf ausführliche Tests, die ergeben hätten, dass Käufer in den betroffenen Kategorien häufiger kaufen, wenn die Produkte ohne Versandkosten angeboten werden. Der Markt unterliege hier einem starken Wettbewerb, ein kostenloser Versand würde damit zusätzliche Kaufanreize bringen. Somit würden auch die Verkäufer von den neuen Geschäftsbedingungen profitieren.
Der eigene Profit wird verschwiegen
Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Den eigenen Gewinn verschweigt Ebay in seiner Begründung. Denn zukünftig sind die Verkäufer dazu gezwungen, die Versandkosten auf die Artikelpreise umzulegen. Die höheren Preise für die einzelnen Artikel erhöhen somit auch die Provisionen, die Ebay von den jeweiligen Verkäufern erhält.
Auf den ersten Blick könnten sich die Verkäufer mit einem höheren Startangebot gegen höhere Kosten für Porto und Verpackung absichern. Allerdings gibt es dabei eine Haken: Ersteigert niemand die angebotene Ware, ist der Verkäufer verpflichtet zu zahlen. Denn auf Auktionen, die nicht mit einem Euro Startpreis beginnen, erhebt Ebay eine Gebühr.
Private Verkäufer werden sich zurückziehen
Verbraucherschützer rechnen vor allem damit, dass sich vor allem private Verkäufer von der Online-Verkaufsplattform zurückziehen werden. Zu hoch ist das Risiko, dass man am Ende der Auktion auf seinen Kosten sitzenbleibt oder die Versandkosten den eigentlichen Warenwert des eigenen Angebots übersteigen. Ebay könnte sich damit mehr und mehr zu einem reinen Marktplatz für professionelle Anbieter entwickeln.
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