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Clemens Riedl ( StudiVZ ) RP, Bußkamp
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VZ-Chef Clemens Riedl im Interview: "Ein Schutz, der nicht vorhanden ist"

zuletzt aktualisiert: 20.09.2010 - 10:46

(RP). Clemens Riedl, der Chef der in Deutschland führenden sozialen Netzwerkgruppe VZ, spricht im Interview mit unserer Redaktion über weiteres Wachstum, über seine Kritik an US-Wettbewerbern wie Facebook und Google sowie über die Medien der Zukunft. In der Datenschutzdebatte attackiert Riedl Politiker. Es werde den Bürgern ein Schutz suggeriert, der nicht vorhanden sei. 

Die VZ-Gruppe von Clemens Riedl hat 17 Millionen Online-Kunden.  Foto: RP
Die VZ-Gruppe von Clemens Riedl hat 17 Millionen Online-Kunden. Foto: RP

Herr Riedl, wie geht es den VZ-Netzwerken?

Riedl: Uns geht es gut. Sicher wird es auf dem Online-Markt schwieriger, aber der Erfolg ist da. Wir sind gerade zur größten deutschen Plattform für Spiele aufgestiegen und sind auch im Bereich der mobilen Apps die Nummer eins in Deutschland. Unser Erfolg wird enorm unterschätzt.

Was heißt das?

Riedl: Wir haben inzwischen 17 Millionen Mitglieder und wachsen jeden Tag weiter. Kein Netzwerk hierzulande hat mehr Mitglieder.

Immer mehr VZ-Mitglieder wechseln zu dem US-amerikanischen Konkurrenten Facebook. Macht Ihnen das Sorgen?

Riedl: In ein paar Jahren wird alle Welt bei Facebook sein. Aber das ist nicht unser Anspruch. Die Amerikaner sammeln Identitäten, wir kümmern uns hingegen um die Aktivität der Nutzer. Bei uns treten sie miteinander in Kontakt oder tauschen sich in einer der neun Millionen Gruppen über die verschiedensten Themen aus. Schon heute verweilen unsere Mitglieder doppelt so lange bei uns wie bei Facebook.

Info
Konzern und Chef

VZ-Gruppe Das Berliner Internetunternehmen gehört zur Holtzbrinck-Gruppe, einem der größten Verlagshäuser Deutschlands.

Chef Clemens Riedl ist seit Februar Geschäftsführer der VZ-Gruppe. Der promovierte Betriebswirt (Jahrgang 1971) war davor Geschäftsführer der Tageszeitung „Tagesspiegel“ in Berlin.

Wettbewerber Der schnell wachsende US-Konzern „Facebook“ ist wichtigster Konkurrent von VZ.

StudiVZ und SchülerVZ sprechen nur kleine Zielgruppen an.

Riedl: Richtig ist, dass die Nutzer logischerweise älter werden. Aber für uns ist das eine Chance. Darum glaube ich, dass auf Dauer unser 2008 gestartetes Angebot MeinVZ unser wichtigstes Portal wird.

Wie sicher sind die Nutzerdaten?

Riedl: Fakt ist, dass aus den VZ-Netzwerken noch nie Daten geklaut wurden, die von den Nutzern als "Privatsphäre" gesperrt sind. Kopiert wurden Daten, die in der Gemeinschaft von allen Mitgliedern öffentlich eingesehen werden können. Bei anderen Netzwerken sind solche Daten sogar permanent öffentlich. Jedes Facebook-Profil kann über Google gefunden werden, wenn der Nutzer dem nicht aktiv widerspricht– bei uns ist das ausgeschlossen.

Wie können Sie das Kopieren von Daten in Zukunft verhindern?

Riedl: Wir haben wirksame technische Gegenmaßnahmen, aber es bleibt ein Katz und Maus Spiel und die Gesetzeslage macht es uns hier nicht leicht. Denn der deutsche Staat spricht beim Thema Datenschutz nicht mit einer Stimme. Zum einen sollen die Unternehmen die Daten ihrer Nutzer schützen. Zum anderen dürfen sie ihre Nutzer aber nicht langfristig beobachten, also Daten speichern, um Missbrauch zu verhindern. Denn es waren ja Mitglieder, die mit einem Spezialprogramm Daten von anderen Mitgliedern zusammenkopierten.

Was halten Sie vom Streit über Google-Street-View?

Riedl: Die gesamte Datenschutzdebatte suggeriert den Bürgern einen Schutz, der nicht vorhanden ist. Tatsächlich haben gerade amerikanische Internetfirmen über viele Menschen sehr viel mehr Informationen gesammelt als nur die Ansicht von deren Haus. Richtiger Datenschutz bedeutet darum aus unserer Sicht, dass wir unseren Nutzern empfehlen, sehr sorgfältig einzustellen, welche Informationen sie wem zugänglich machen. Deswegen haben wir auch in allen drei Netzwerken absolut restriktive Voreinstellungen.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner wollte aus Datenschutzgründen bei Facebook austreten.

Riedl: Die Ministerin hat das deutsche Staatsversagen erkannt. Aber es gibt keine Instrumente, um das deutsche Datenschutzrecht bei ausländischen Firmen durchzusetzen. Das ist für uns ein Nachteil.

Was sind die betriebswirtschaftlichen Ziele der VZ-Gruppe?

Riedl: Wir wollen keinen Milliardenmarkt beherrschen. Wir wollen uns nur ein bescheidenes Stück aus dem deutschen Werbemarkt herausschneiden, der so nebenbei gesagt der drittgrößte der Welt ist. Uns reichen fürs erste flotte zweistellige Millionenumsätze und gute Renditen.

Wäre es nicht sinnvoller, eine monatliche Gebühr zu erheben? Dann würden sich die Mitglieder nicht mehr an der Werbung stören.

Riedl: Dass Werbung stört, stimmt nicht. Nur sieben Prozent unserer Nutzer sind von Werbung genervt. Viele Nutzer klicken sie an und empfinden die Banner als nützliches Angebot. Außerdem würden unsere Mitglieder sofort in andere Netzwerke abwandern, wenn wir eine Gebühr erheben würden.

Die Zeitungsverlage hoffen, bezahlte digitale Abos für das iPad von Apple verkaufen zu können und so neue Geschäfte zu machen. Wie sehen Sie das?

Riedl: Ich glaube, in Deutschland wurden gerade einmal 80 000 iPads verkauft. Die Zahl ist so gering, dass sie keinesfalls das klassische Zeitungs- oder Zeitschriftenabo ersetzen kann. Sollten die iPad-Zahlen weiter wachsen, kann man immer noch schnell genug auf das Thema aufsatteln.

Viele Internetfans prognostizieren das Ende der gedruckten Tageszeitung.

Riedl: Ich nicht. Der Tod der Zeitung wurde zigmal prognostiziert, tatsächlich sind viele Zeitungen für ihre Leser unverzichtbar als Spiegel ihrer Lebenswelt.

Die VZ-Netzwerke sind eines der wenigen großen deutschen Internetprojekte. Warum gibt es nicht mehr Erfolgsstories?

Riedl: Das Internet ist für Deutschland keine Zukunftsbranche, weil die entsprechenden Kompetenzen fehlen. Die VZ-Gruppe bildet sich deshalb selbst ihre Internet-Ingenieure aus. Deutschland beschränkt sich bei der Ausbildung seiner Fachkräfte zu sehr auf Traditionsbranchen wie die Automobilindustrie.

Wie sieht die Zukunft von VZ aus?

Riedl: Unser Motto ist: Wir springen nicht auf jeden Zukunfts-Hype auf, sondern kümmern uns um die Gegenwart. Der Markt verändert sich extrem schnell. Wer weiß schon, was in ein paar Jahren ist. Wir sind jetzt schon dort, wo viele andere erst noch hinwollen.

Sven Gösmann, Reinhard Kowalewsky, Rainer Kurlemann und Christin Nünemann führten das Gespräch.

Quelle: RP

 
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