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Nach ihrem Rauswurf beim ZDF: Elke Heidenreich liest jetzt im Internet

zuletzt aktualisiert: 28.11.2008 - 14:46

Köln (RPO). Elke Heidenreich ist immer für eine Überraschung gut. Nach dem Eklat um ihre Fernsehschelte, ihren anschließenden Rauswurf beim ZDF und das damit verbundene Aus für ihre Sendung "Lesen!" betritt die Moderatorin nun mediales Neuland. "Lesen!" gibt es jetzt im Internet - als Teil des neuen Literaturportals Litcolony.de.

Zufrieden und gut gelaunt zeigte sich die 65-Jährige bei der Vorstellung des Konzepts am Freitag in Köln. Mit der Abrufbarkeit im Internet sei ihre Sendung nun jederzeit verfügbar und an keinen Sendeplatz mehr gebunden. Durch den Wechsel ins Netz rechne sie zudem mit einer ganzen Reihe neuer Zuschauer. Literatursendungen im Fernsehen kämen für sie nicht mehr im Frage: "In meinem Herzen bin ich mit dem Fernsehen durch", sagte Heidenreich.

Gast ihrer ersten Online-Sendung ist Tote-Hosen-Sänger Campino, im Januar will sie mit Ex-"Spiegel"-Chef Stefan Aust plaudern. Künftig will Heidenreich einmal im Monat auf litCOLONY eine neue Sendung ins Netz stellen - mit pro Jahr dann zwölf Sendungen wären das doppelt so viele, als sie zuletzt im ZDF hatte. Trotzdem werde alles jetzt "viel unkomplizierter", schwärmte sie. Die Sendung werde in ihrer Kölner Lieblingskneipe "Backes" aufgenommen und sie könne den Beitrag zu der Zeit produzieren, die ihr gerade passe.

"Lesen!" soll zugleich Zugpferd für das Portal litCOLONY.de sein, das sich als deutschlandweit erste große und unabhängige Website über die Welt der Bücher versteht. Dahinter stehen die Macher des erfolgreichen Kölner Literaturfestivals lit.Cologne, das einmal pro Jahr Autorenlesungen veranstaltet - vor stets ausverkauften Häusern. Die Seite ist privat finanziert und soll sich künftig auch über literaturbezogene Werbung von Verlagen sowie durch Online-Buchverkäufe tragen.

litCOLONY.de sieht sich in erster Linie als ein Vermittler zwischen Verlag und Leser, der mehr Durchblick in die Welt der unüberschaubar gewordenen Zahl von Neuerscheinungen bringen will. Davon sollen vor allem kleinere Verlage profitieren: "Neue Bücher brauchen eine gewisse Wahrnehmungsschwelle, die in den Auslagen der großen Ketten-Buchhandlungen oft nicht mehr gegeben ist", sagt lit.Cologne-Mitgeschäftsführer Edmund Labonté. Auch das Feuilleton bespreche viele erwähnenswerte Bücher nicht. In dem neuen Portal könnten solche Werke nun vorgestellt und von Nutzern entdeckt werden.

Für das Portal konnten die Organisatoren noch weitere Prominenz gewinnen. Regelmäßige Gastkolumnen soll es von Roger Willemsen und Cordula Stratmann geben. Gleich zum Auftakt liefert Willemsen ein Online-Plädoyer für die Kraft der Literatur, die ihm alle möglichen Schauplätze gezeigt und Begegnungen mit den verschiedensten Charakteren ermöglicht habe. "Die Macher, die sich hier finden, lieben Literatur", schwärmt er über das neue Portal.

Unterdessen steht Heidenreich weiter zu ihrer harschen Kritik am ZDF. "Es war zugegeben etwas krass, aber es tut mir nicht leid", sagte sie, und fügte hinzu: "Die Begeisterung, die ich im Positiven habe, habe ich eben auch im Negativen." Sie hatte im Oktober zur Verleihung des deutschen Fernsehpreises, bei der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki die Auszeichnung ablehnte, geschrieben: "Ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein müsse", und später nachgehakt: "Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde."

Das ZDF beendete wenig später die Zusammenarbeit mit Heidenreich, die "Lesen!" seit April 2003 moderiert hatte, und strich die beiden für 2008 noch geplanten Folgen.

Quelle: afp

 
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