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F8-Entwicklerkonferenz in San Francisco
Facebooks Pläne für die nächsten zehn Jahre

F8-Konferenz 2016 - Facebook-Pläne für die nächsten 10 Jahre
Mark Zuckerberg präsentiert Facebooks Roadmap für die nächsten zehn Jahre. FOTO: Facebook
Düsseldorf/San Francisco. Zehn Jahre im Internet sind eine halbe Ewigkeit. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat am ersten der Tag der Entwicklerkonferenz F8 in San Francisco erzählt, was er in der kommenden Dekade mit seinem sozialen Netzwerk vorhat. Ein Überblick. Von Christoph Schroeter

Facebook führt Technologien ein, die seine 1,6 Milliarden Nutzer noch länger auf der Plattform halten sollen. So bekommen Unternehmen die Möglichkeit, mit ihren Kunden über den Nachrichtendienst Messenger zu chatten. Live-Videos können künftig auch direkt von vernetzten Kameras zum Beispiel auf Drohnen übertragen werden.

Das ist Facebook Live FOTO: Facebook

Die wichtigsten Neuerungen, die Facebook in den kommenden zehn Jahren plant:

  • Bots sind für das Netzwerk das nächte große Ding: Sie sollen als Teil der neuen Facebook Messenger Plattform unterschiedliche Informationen bereitstellen. Das können typische Nachrichten-Abonnements wie Wetter- oder Verkehrsupdates sein, aber auch die Übermittlung von Rechnungen, Versandbestätigungen und automatisierten Antworten in Echtzeit. Messenger-Chef David Marcus spielte im Detail durch, wie man im Messenger zum Beispiel Schuhe kauft. Der Chatbot eines Online-Händlers fragte zunächst nach der Art des Schuhs, dann nach der Preisspanne und anschließend wurde eine Galerie von Modellen zur Auswahl angezeigt. Auch bezahlt wird, ohne den Messenger zu verlassen. "Sie werden mehr Geld ausgeben als Ihnen lieb ist", scherzte Marcus.
  • Facebook Live, mit dem Nutzer Livestreams starten können, ist seit kurzem für alle Mitglieder verfügbar. Jetzt öffnet Facebook die Programm-Schnittstelle (API). Damit können Entwickler Produkte rund um Live ins Leben rufen - aber zum Beispiel auch professionellere Technik als nur das Smartphone für Streams verwenden. Künftig sollen "normale" Menschen aber auch professionelle Publisher wie TV-Sender Live-Inhalte in das soziale Netzwerk streamen.Facebook möchte damit wohl dem klassischen Fernsehen Konkurrenz machen. Als Programmzeitschrift dient dann die Live Map, auf der aktuelle Streams auf der ganzen Welt ausfindig gemacht werden können.
  • Facebook Surround 360: Eine weitere Ankündigung war das Konzept einer 360-Grad-Kamera, die mit 17 Objektiven zwei Stunden Rundum-Video in hoher Qualität aufzeichnen kann. Facebook wolle nicht selbst Kamerahersteller werden, sondern werde die Hardware-Pläne und die nötige Software kostenlos veröffentlichen, sagte Produktchef Chris Cox. Außerdem wird eine Schnittstelle geöffnet, über die auch Geräte wie Drohnen oder Webcams Live-Video auf die Facebook-Plattform übertragen können.
  • Profile Expression Kit: Facebook-Mitglieder können ab sofort mit nur wenigen Klicks lustige personalisierte Profil-Videos über Drittanbieter-Apps erstellen. In der Beta-Phase könne dafür folgende sechs Apps genutzt werden: Boomerang von Instagram, Lollicam, BeautyPlus, Cinemagraph Pro von Flixel, MSQRD und Vine.
  • Beitrag speichern: Mit dem "Beitrag speichern"-Button sollen Nutzer für sie interessante Artikel, Produkte, Videos und vieles mehr von beliebigen Seiten direkt im persönlichen "Gespeichert"-Ordner auf Facebook ablegen und diese später von jedem Endgerät aus wieder abrufen können. Das ist eine Funktion, die man bereits seit langem von Apps wie Pocket, Evernote oder Instapaper kennt. Bisher können nur Artikel innerhalb von Facebook auf die Merkliste gesetzt werden.
  • Virtual Reality: Mit Oculus Rift hat Facebook vor ein paar Jahren einen der führenden Entwickler von VR-Brillen aufgekauft. Nun soll die erste Brille auf den Markt kommen. Um die Dimensionen zu erweitern, kündigte Zuckerberg zur Bedienung spezielle Controller an, mit denen man dann im virtuellen Raum Dinge "in die Hand" nehmen und damit arbeiten kann. Das Prinzip nutzt bereits erfolgreich die VR-Brille HTC Vive. Bei Facebook scheinen die Controller jedoch kabellos zu sein. Ziel für die nächsten zehn Jahre sei es, so Zuckerberg, VR-Brillen wie normale Brillen aussehen zu lassen und nicht mehr wie klobige Kästen, die man sich vor das Gesicht schnallen muss.
  • Quote Sharing: Mit diesem Feature sollen Nutzer Textstellen oder Zitate, die sie im Web oder in Apps gefunden haben, einfach mit ihren Facebook-Freunden teilen können.
  • Account Kit: Das Account-Kit ist eine erweiterte Form von Facebook-Log-In. Damit kann man sich nur mit seiner Mobilfunknummer oder E-Mail-Adresse in neuen Apps anmelden. Einfach die Nummer eingeben, dann bekommt man einen Code per SMS zugeschickt, den gibt man in der App ein, fertig. So muss man sich keine neuen User-Namen oder weitere Passwörter merken. Um Account Kit zu nutzen, muss man nicht einmal ein Facebook-Konto haben, sagt Plattform-Chefin Deb Liu. So sollen Anmeldehürden abgebaut und mehr Nutzer für Apps erreicht werden. Und natürlich bekommt Facebook weitere Informationen darüber, welche Apps die User sonst noch nutzen. Facebook experimentiert schon lange mit solchen Funktionen, von denen aber nicht alle auch angenommen werden.

Mark Zuckerberg hat damit einen ambitionierten Plan für die nächsten zehn Jahre vorgestellt. Facebook soll künftig nicht mehr als Produkt, sondern eher als in sich geschlossenes Ökosystem wahrgenommen werden. Die User sollen ihr ganzes Leben innerhalb dieses Systems organisieren können.

So klappt die Abmeldung bei Facebook FOTO: dpa, tsn

Einkaufen, Videos gucken, Instant Articles lesen, Live-Streams schauen, Rechnungen zahlen - damit will der Konzern aus Menlo Park Online-Shop, YouTube, Periscope, Snapchat, Nachrichtenseite und Online-Bank in einem sein - und die Konkurrenz überflüssig machen. Doch die wird sich kaum kampflos geschlagen geben.

Politische Botschaften zu Beginn

Zuckerberg begann seinen Auftritt mit politischen Botschaften. Er kritisierte Versuche, sich mit Mauern und Zäunen abzugrenzen, die er in verschiedenen Regionen der Welt gesehen habe. "Es erfordert Mut, Hoffnung statt Angst zu wählen", sagte Zuckerberg.

"Anstelle Mauern zu bauen, können wir Menschen helfen, Brücken zu errichten." In den USA interpretierten viele die Äußerungen auch als eine Breitseite gegen den umstrittenen Präsidentschafts-Anwärter Donald Trump.

Das Video vom ersten Tag der F8-Konferenz ist hier zu sehen.

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