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Offensive für Medienkompetenz
Facebook setzt beim Kampf gegen Fake-News auf die Nutzer

Facebook setzt beim Kampf gegen Fake-News auf die Nutzer
Das Logo von Facebook, durch eine vergrößernde Linse aufgenommen (Symbolbild). FOTO: dpa, tha pzi fgj
Das soziale Netzwerk Facebook steht seit längerem unter Druck, die Verbreitung von Falschmeldungen zu unterbinden. Jetzt unternimmt der Konzern eine weitere Offensive – und setzt dabei vor allem darauf, die Medienkompetenz seiner Nutzer zu fördern. Von Henning Bulka

Seit Freitag zeigt Facebook Nutzern in 14 Ländern, darunter auch Deutschland, Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen an. "Lies Überschriften kritisch", heißt es darin etwa, oder "Sieh dir die URL genau an". Jeder Tipp wird im Hilfe-Bereich von Facebook noch einmal genauer erklärt.

Nutzer sollen die Tipps über mehrere Tage ganz oben auf ihrer persönlichen Facebook-Startseite, dem Newsfeed, angezeigt bekommen. "Falschmeldungen erschweren unseren Nutzern den Zugang zu relevanten Informationen, die für sie von Bedeutung sind", schreibt der Vize-Verantwortliche für den Facebook-Newsfeed, Adam Mosseri, zur Erklärung in einem Blogeintrag. Das Netzwerk will auch weiter gegen Falschmeldungen kämpfen. Man wisse, "dass noch viel zu tun ist".

Correctiv soll Fake-News-Meldungen prüfen

Erstellt hat Facebook die Tipps für die Nutzer nicht alleine, sondern unter anderem gemeinsam mit First Draft News, einer Initiative für einheitliche Standards zum Teilen und Bewerten von Netzinhalten. Ebenfalls unterstützt werden die Facebook-Bemühungen gegen Fake-News von Klicksafe, Correctiv, Deutschland sicher im Netz und der Stiftung Digitale Chancen.

Spätestens seit der US-Präsidentschaftswahl und dem Sieg Donald Trumps stehen Fake-News – also Nachrichtenmeldungen, die bewusst falsche Informationen verbreiten – im Zentrum der Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von sozialen Netzwerken wie Facebook. Im Januar hatte Facebook auch für Deutschland angekündigt, härter gegen solche Nachrichten vorzugehen – ein Teil davon sind neue technische Ansätze, um die Verbreitung einzudämmen und "die Informationsvielfalt zu steigern".

So läuft momentan der Test für einen Prozess, den Facebook "Fact Checking" nennt. Dabei können Nutzer Meldungen, die ihnen zweifelhaft erscheinen, an Facebook melden. Externe Faktenchecker sollen die Meldungen dann prüfen – hier in Deutschland sollen das Mitarbeiter des Rechercheprojekts Correctiv sein. Facebook will aber noch weitere Partner gewinnen. Kommen die Prüfer zu der Überzeugung, dass es sich wirklich um eine Falschmeldung handelt, wird diese für alle Nutzer mit einem Warnhinweis versehen, dass der Wahrheitsgehalt angezweifelt wird. Derlei Meldungen werden Nutzern außerdem deutlich weiter unten im Newsfeed angezeigt. Will ein Nutzer die Meldung trotzdem, bekommt er ebenfalls eine Warnung. Facebook will außerdem die finanziellen Anreize bekämpfen, Fake-News zu verbreiten.

14 Millionen US-Dollar für die Forschung

Das Projekt "Fact Checking" steht in Deutschland kurz vor dem Start. Correctiv erhält für das Überprüfen von Meldungen kein Geld von Facebook. Allerdings wird das Recherchenetzwerk mit gut 100.000 Euro von der Open Society Foundation des US-Investors und Milliardärs George Soros unterstützt.

Auch in die Forschung steckt Facebook Geld. So stellt es gemeinsam mit anderen Unternehmen 14 Millionen US-Dollar für die neu gegründete "News Integrity Initiative" (NII) zur Verfügung, um Nachrichtenkompetenz zu fördern und die Verbreitung von Falschmeldungen zu erforschen. Beteiligt an dem internationalen Konsortium ist unter anderem das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Angesiedelt ist die NII am Journalismus-Lehrstuhl der City University of New York, der von Jeff Jarvis geleitet wird.

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