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Wahlkampf: Facebook, Twitter und Co. werden immer größer

VON NADINE SCHIMROSZIK, REUTERS - zuletzt aktualisiert: 12.09.2009 - 13:39

Berlin (RPO). Noch vor kurzem galten StudiVZ, Facebook und Twitter als Kommunikationskanäle von Studenten und Internet-Freaks. Doch spätestens mit Beginn des Wahlkampfes ist klar, dass soziale Netzwerke längst breite Massen erreicht haben.

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SPD-Generalsekretär Hubertus Heil twittert fleißig, Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt bei StudiVZ auf knapp 69.000 Anhänger und Facebook hatte im August in Deutschland bereits etwa 3,7 Millionen aktive Nutzer. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich erst kürzlich ein neues Ziel bei den Nutzerzahlen gesteckt und will eines Tages die Marke von einer Milliarde weltweit knacken.

Auch Experten rechnen weiter mit einer deutlichen Zunahme der Teilnehmer an sozialen Netzwerken in der nahen Zukunft. Derzeit liegt der monatliche Zuwachs in Deutschland im ein- bis zweistelligen Prozentbereich. Allein die Zahl der aktiven Twitterer ist im Juni um 34 Prozent auf 105.000 gestiegen. Fast die Hälfte aller Internetnutzer surft bereits jetzt laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Fittkau und Maaß regelmäßig auf Facebook, lokalisten.de oder beispielsweise wer-kennt-wen.de.

Der Stern der sozialen Netzwerke steigt und die Rolle, die sie in der Kommunikation einnehmen, wird immer wichtiger. Trotzdem kämpfen die jungen Unternehmen mit einem Grundproblem: "Im Web 2.0 will niemand für den Service zahlen", sagt Trendforscher Patrick Schenck vom Hamburger Trendbüro. Nutzer von sozialen Netzwerken reagierten auf Werbung wie scheue Rehe, ergänzt Medienanalyst Harald Heider von der DZ Bank. Demnach meiden sie Seiten, auf denen Produktwerbung zu offensichtlich ist. Neuberger zufolge kann Werbung nur funktionieren, wenn sie dem Community-Mitglied einen zusätzlichen Nutzen bringt und vorsichtig platziert wird.

Auf der Suche nach Einnahmequellen

Zunächst sei es von Facebook oder Twitter auch klug gewesen, ihren Service kostenlos anzubieten, erklärt Medienberater Thomas Pfeiffer. Dadurch hätten sie sich enorme Marktanteile gesichert und einen Fuß in die Tür bekommen. Doch nun steckten sie in der Falle fest und müssten zusehen, wie sie zu Umsatz kämen und welche Einnahmequellen sie erschließen könnten.

Facebook verdient laut Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster bereits gut an seinen Drittanbietern und ihren Applikationen. Auch die Premium-Konten von Xing für besonders aktive Mitglieder liefen gut. Zudem machen in der Branche Spekulationen die Runde, Twitter wolle bezahlte Accounts mit Mehrwert anbieten. Dann könnten beispielsweise Firmen wie Vodafone oder Daimler Tweets an potenzielle Kunden richten und gleichzeitig Zugriff auf wichtige Statistiken erhalten. Erst am Donnerstag erlaubte Twitter Werbung in seinen 140-Zeichen-Nachrichten. Mit Premiumangeboten würde der Micro-Blogging-Dienst dem Online-Netzwerk Craigslist folgen. Craigslist funktioniert wie ein virtuelles Schwarzes Brett.

Noch konkurrieren im Worldwideweb diverse Anbieter miteinander. Medienanalyst Heider ist sich allerdings sicher: "Die Nutzer werden sich bald auf jeweils ein Portal konzentrieren - ein soziales Netzwerk, eine Suchmaschine, eine Verkaufsseite". Es werde ähnlich wie bei den Fernsehsendern ein "relevant set" von Onlinenutzungen entstehen, dementsprechend gilt auf der Angebotsseite das Paradigma "The winner takes not all, but most of it".

Nicht nur Heider ist der Meinung, dass es regionalisierte Communities wie beispielsweise StudiVZ vom Holtzbrinck-Verlag künftig weit schwieriger haben werden als bereits weltweit vertretene Unternehmen wie Facebook, Twitter und auch Xing.

Quelle: RTR

 
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