Schwere Vorwürfe: Facebook verklagt StudiVZ
VON FRANZISKA BLUHM - zuletzt aktualisiert: 20.07.2008 - 11:28Düsseldorf (RPO). Der Wettbewerb zwischen der Social-Networking-Seite Facebook und seinem deutschsprachigen Konkurrenten StudiVZ geht in die nächste Runde: vor Gericht. Facebook hat beim Bezirksgericht in San Jose im Silicon Valley eingereicht. Der Vorwurf: StudiVZ hat erhebliche Teile der Webseite von Facebook geklaut.
Das gleiche Design, die gleichen Funktionen - eigentlich wusste jeder, dass die deutsche Community StudiVZ sich bei der amerikanischen Social-Networking-Seite Facebook einiges abgeguckt hat. Und StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani hatte in Interviews durchaus auch zugegeben, sich beim Aufbau der Seite am Facebook-Layout orientiert zu haben. Doch in der 116-seitigen Klageschrift erhebt Facebook schwere Vorwürfe. Angeblich habe StudiVZ ohne Erlaubnis von Facebook auf Computersysteme und -netzwerke zugegriffen, um unrechtmäßig an Daten zu gelangen. "Ein großer Teil des Erfolgs – wenn nicht der gesamte Erfolg – von StudiVZ ist dem Kopieren und dem Missbrauch von Facebooks geistigem Eigentum geschuldet", zitiert die "Financial Times" aus der Klageschrift. Facebook will, dass es StudiVZ künftig nicht weiter "Look, Feel, Features und Service" kopiert.
Laut "Financial Times" beschuldigt Facebook StudiVZ, das Design, aber auch komplette Features wie die so genannte "Pinnwand" kopiert zu haben. Jedes Profil hat eine solche Wand, auf der andere Nutzer Nachrichten hinterlassen können. Die mehr oder weniger einzigen Unterschiede seien, dass StudiVZ das blaue Layout von Facebook durch ein rotes ersetzt hat.
Der Klage sind monatelange Gespräche vorausgegangen - nicht zufriedenstellend für Facebook. Jetzt hat StudiVZ 20 Tage Zeit, um auf die Klage zu reagieren - beispielsweise mit einer Anpassung des Layouts.
Im Internet wird nun kräftig spekuliert. Blogger mutmaßen, dass Facebook den StudiVZ-Eigentümer, die Verlagsgruppe Holtzbrinck, mit der Klage zu einem günstigen Verkauf der Webseite bringen will. Kein schlechter Gedanke, ist es dem Verlag bis dato nicht gelungen, mit der Webseite und seinen rund zehn Millionen Nutzern, Geld zu verdienen.
Die US-Webseite Facebook wurde 2004 von dem Harvard-Studenten Mark Zuckerberg gegründet und richtete sich ursprünglich an die dortigen Studierenden. Im Frühjahr 2008 brachte Facebook eine deutschsprachige Version heraus. Der Einstieg in Deutschland fällt dem Unternehmen bisher schwer - eine Million Nutzer kommen bislang aus dem deutschsprachigen Raum. Weltweit nutzen rund 80 Millionen User die Webseite mindestens einmal im Monat. Der Wert des Unternehmens wird auf 15 Milliarden US-Dollar geschätzt.
StudiVZ startete im Oktober 2005. Mittlerweile hat die deutschsprachige Webseite nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Nutzer. Seit Januar 2007 gehört StudiVZ zum Holtzbrinck-Konzern. Mittlerweile gibt es neben StudiVZ auch SchuelerVZ und MeinVZ.
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