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Weniger Unternehmen, mehr Freunde
Facebooks Spiel mit dem Glück

Weniger Unternehmen, mehr Freunde: Facebooks Spiel mit dem Glück
Facebook-Chef und Gründer Mark Zuckerberg bei einer Präsentation (Archiv-Bild). FOTO: dpa
Menlo Park. Gründer Mark Zuckerberg hat für Facebook die größten Änderungen seit Jahren angekündigt: Künftig sollen die Inhalte von Unternehmen, Marken und Medien kaum noch eine Rolle spielen. Das Ziel: Die Nutzer sollen glücklicher werden.  Doch auf der Suche nach Glück ist vor allem Mark Zuckerberg. Von Daniel Fiene

Eifrige Facebook-Nutzer können es bestätigen: Wer viel Zeit in dem sozialen Netzwerk verbringt, dem vergeht die gute Laune. Die Debatten um Hasskommentare und Falschnachrichten hinterlassen ihre Spuren. Nutzer teilen ihre Fotos lieber über die App Instagram oder kommunizieren mit Freunden und Familie über die Gruppen-Funktion im Messenger WhatsApp. Obwohl diese Netzwerke auch zur Facebook-Familie gehören, dürfte Gründer Mark Zuckerberg darüber nicht glücklich sein. Hinzu kommen die vielen öffentlichen Anklagen: Facebook würde seine Macht missbrauchen, ein System betreiben, das Hass und Lügen begünstigt, Unternehmen und Medien ausnutzen. Mit einem radikalen Schritt will Facebook nun gegensteuern.

Zuckerberg stimmte Nutzer und Partner auf die größten Veränderungen der vergangenen Jahre ein. Ausgerechnet das Glück der Nutzer soll jetzt im Vordergrund stehen. Zuckerbergs These: Starke Beziehungen zu Familie und Freunden machen Nutzer glücklicher. "In den letzten Jahren sind die Videoinhalte und andere öffentliche Inhalte auf Facebook explodiert", so der Gründer. "Forschung zeigt, dass es gut für unser Wohlbefinden sein kann, wenn wir uns über Social-Media mit uns wichtigen Menschen verbinden." Man fühle sich weniger einsam, das wirke sich langfristig positiv auf das persönliche Glück und die Gesundheit aus. Das passive Lesen von Artikeln oder Sehen von Videos sei hingegen weniger gut.

Facebook will kein Ort für passiven Konsum mehr sein

Das neue Facebook soll nicht länger ein Ort für passiven Konsum sein, sondern ein Ort, an dem sich die Nutzer engagieren. Aus dem Grund werden in Zukunft Inhalte von Unternehmen, Marken und Medien weniger prominent ausgespielt. Partner müssen sich in den kommenden Wochen auf weitere Änderungen einstellen. Diese werden bereits kontrovers diskutiert: Es gibt Stimmen, die Facebook vorwerfen, die eigene Plattform nicht mehr zu beherrschen. Das Netzwerk würde den Kampf gegen Falschnachrichten aufgeben.

Der US-Journalismus-Professor Jeff Jarvis mahnt Facebook: "Jetzt, da Facebook zur wichtigsten Vertriebsplattform von Nachrichten und Informationen in der Gesellschaft geworden ist, kann es sich nicht seiner Verantwortung entziehen, die Gesellschaft zu informieren." Vor allem Unterhaltungen sollen eine wichtige Messgröße für den Erfolg eines Inhalts sein. "Die Frage ist: Wird Facebook Höflichkeit, Intelligenz und Glaubwürdigkeit messen und schätzen oder sich nur um Dialoge scheren? Wir wissen, was Unterhaltungen alleine uns bringen: Kommentare und Trolle."

Unternehmen müssen tiefer in die Tasche greifen

Verleger in Deutschland fordern eine stärkere Regulierung: "Die Auffindbarkeit von Inhalten der Zeitungshäuser muss bei marktdominanten Anbietern durch Maßnahmen zur Sicherung der Plattform- und Suchmaschinenneutralität sichergestellt werden", sagte eine Sprecherin des Zeitungsverlegerverbandes BDZV. "Zudem ist ein effektiv durchsetzbares Verbot der Begünstigung eigener Angebote und der Benachteiligung von Drittangeboten durch marktbeherrschende Plattformen grundlegend für den Erhalt der Presse- und Meinungsvielfalt."

Auch Unternehmen, die Facebook für das Marketing nutzen, müssen ihre Strategien anpassen. "Unternehmen sollen dazu gebracht werden, statt plumper Werbebotschaften, die keiner sehen will, Inhalte zu kreieren, die so interessant sind, dass sie zu Interaktion führen", erwartet der Kölner Professor Klemens Skibicki. "Gut, wenn dies klappt. Wenn jedoch Unternehmen nur mehr bezahlen müssen, um oft gesehen zu werden, ist das weder für Nutzer noch Unternehmen gut, aber sehr wohl für Facebook." Wobei zumindest Zuckerberg sein Glück finden dürfte.

Quelle: RP
 
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