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Für rund 40 Prozent der Surfer kein Problem
Flirtrevier Internet
Es muss nicht direkt der Partner fürs Leben sein. Doch Parties, Spaziergänge, Ausflüge oder das Essen beim Italiener machen mit einer netten Begleitung einfach mehr Spaß. Und wo hält der einsame Single von heute nach der passenden zweiten Hälfte Ausschau? Im Internet! Dort haben sich etliche Flirtbörsen etabliert, in denen es sich ganz unverbindlich nach einem Partner für den nächsten Kinoabend suchen lässt. Von Silke Fredrich

Wer jedoch in eine Suchmaschine "Flirtbörse" eintippt, erhält unter tausenden Treffern auch viele unseriöse Angebote. Wir haben deshalb die größten Anbieter getestet, zeigen, wie deren Angebote funktionieren und was gute von schlechten Anbietern unterscheidet.

Deutschlands Liebling unter den Flirtbörsen ist FriendScout24. Erst vor zwei Monaten verzeichnete das Portal mit 60000 Neuanmeldungen einen neuen Rekord. Mehr als 1,4 Millionen Mitglieder nutzen derzeit das Forum zum Chatten, Flirten und Verabreden, um möglicherweise auch den Traummann oder die Traumfrau fürs Leben zu finden.

Das liegt im Trend, wie das Marktforschungsinstitut Emnid festgestellt hat. Laut einer Studie können sich rund 42 Prozent aller Männer und 40 Prozent aller Frauen unter 30 Millionen Webnutzern vorstellen, online zu flirten. Nach privaten Feiern und Arbeitsplatz rangiert das Internet bereits an dritter Stelle der beliebtesten Orte, einen Partner kennen zu lernen.

Eine Mitgliedschaft bei FriendScout24 ist in den Standardeinstellung kostenlos. Das Anmeldeverfahren ist einfach. Der Interessent gibt sich einen Benutzernamen und ein Passwort und legt eine Art kurzen Steckbrief über sich an. In einem Freitextfeld ist ausreichend Platz, mehr von sich zu erzählen, es ist jedoch kein Pflichtfeld. Wer registriert ist, bekommt die Möglichkeit, andere Mitglieder zu suchen und sich auch Bilder des virtuellen Gegenübers anzusehen. Wer erst einmal "Gast" bleiben möchte, kann sich immerhin per Kurzsuche erste Kandidaten anzeigen lassen, die dem persönlichen Profil entsprechen - allerdings ohne Bilder.

Das ist nur einer der Kontrollmechanismen des Anbieters, persönliche Daten zu schützen. Sämtliche eingestellte Texte werden auf deren Inhalte überprüft. Anzügliche Fotos oder Bilder, die Kinder abbilden, sind tabu und werden erst gar nicht online gestellt. Anrüchige Mails, die eventuell bei einer Kontaktaufnahme verschickt werden, können jedoch nicht vermieden werden, sind aber zumindest bei der Testanmeldung unserer Zeitung nicht vorgekommen.

Mit einem kostenpflichtigen Premiumdienst kann der Nutzer diverse Abos eingehen und damit individueller suchen oder sich Newsletter schicken lassen. Manko: Die E-Mail-Adresse wird weiter gegeben. Nervige Werbung bombardiert also den virtuellen und realen Briefkasten!

Riskanter flirtet es sich bei Bildflirt. Kurzprofile inklusive Bild sind über eine gewöhnliche Gastsuche sichtbar. Die Einträge werden nicht vor der Freischaltung überprüft. Vorteil: Der Anbieter versichert, die Daten nicht an Dritte weiter zu geben. Diese Aussage ist aber schwammig, denn die Geheimhaltung erledigt sich, wenn der Nutzer bei den angebundenen Shops einkauft.

Auf ein seriöses Angebot legen auch die Betreiber von liebe.de Wert. Wer dort aber auf unseriöse Antwortmails potenzieller Flirtkandidaten verzichten möchte, muss zahlen: Bildantworten, Antwortlistings und eine Sprachbox gehören dort zu den kostenpflichtigen Premiumangeboten. Ähnlich ist es bei myflirt.de. Der Anbieter verbietet unseriöse Inhalte, dennoch gibt es keine Kontrollmechanismen, die ausschließen, dass nicht doch die eine oder andere unseriöse Mail binnen weniger Stunden im Posteingang landet.

An Flirtbörsen kann sich grundsätzlich jeder beteiligen. Es gibt aber auch Ausnahmen. Bei langesingles.de werden nur Männer ab 1,90 Meter Größe aufgenommen, Frauen müssen mindestens 1,80 Meter groß sein. Unter landflirt.de können Landwirte nach der passenden Frau fürs Leben suchen. Die Anzeigen sind dort jedoch kostenpflichtig. Vorsicht ist bei den Einträgen geboten - persönliche Daten werden nicht geschützt. Auch als Gastsucher erhalten die Treffer zum Teil den vollständigen Namen mit Anschrift und Telefonnummer!

Dennoch: Das Flirten im Netz boomt und macht mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen auch Spaß. Und bei Millionen Teilnehmern ist die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden, in jedem Fall höher als im Straßencafé um die Ecke.

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