US-Universitäten steigern Lizenzeinnahmen: Google-Suche ist Stanfords beste Erfindung
zuletzt aktualisiert: 24.01.2011 - 13:05Palo Alto (RPO). US-Universitäten sind weit von einem Dasein im Elfenbeinturm entfernt. Kommerziell interessante Ideen werden rechtzeitig und systematisch ausgewertet und im "realen Leben" der Wirtschaft erprobt. Wenn sie dort zu Produkten weiterentwickelt werden und vermarktet werden können, bringen sie schließlich den Instituten ohne weiteres Zutun - oft noch nach Jahrzehnten - wertvolle Lizenzgebühren ein. Bestes Beispiel dafür ist Google.
2009 haben US-Universitäten auf diesem Weg insgesamt 2,3 Milliarden Dollar eingenommen, berichtete jüngst die Association of University Technology Managers (AUTM). Der Jahresbericht des Verbandes liefert einen Einblick in den Technologietransfer aus der akademischen Forschung in die Wirtschaft.
Aus mehr als 5000 Lizenzen sind demnach innerhalb eines Jahres gut 650 neue Produkte am Markt eingeführt worden; gleichzeitig wurden fast 600 neue Firmen gegründet. Trotz des Höhepunkts der Rezession erhöhte sich 2009 die Zahl der an die Industrie vergebenen Lizenzen im Vergleich zum Vorjahr, meldet die AUTM. Auch die Ausgründungen aus Universitäten nahmen zu.
Wohl jede Hochschule der Welt träumt von einem Volltreffer wie Gatorade: Das als Sportgetränk berühmt gewordene Gemisch aus Wasser, Traubenzucker, Kalium und Phosphaten wurde in den 60er Jahren an der University of Florida entwickelt. Für die Spieler der Uni-Football-Mannschaft erfanden Wissenschaftler einen Aufbautrank, der bei Training in großer Hitze den Flüssigkeits- und Mineralienverlust schnell ausgleichen sollte. Noch Jahre nach dem Tod des Erfinders, Professor Robert Cade, profitiert die Hochschule vom Verkauf des Rezepts an einen Getränkehersteller.
Lang und beschwerlich
Der Weg einer guten Idee zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Produkt kann allerdings lange und beschwerlich sein, weiß AUTM-Vizepräsidentin Shawn Hawkins. Bis Ende 1980 hatten US-Universitäten gar keine kommerziellen Rechte an Erfindungen, die durch öffentliche Mittel finanziert waren. Daher hatte bis dato auch kaum ein Institut Interesse an einer Industriepartner gezeigt, erklärt Hawkins.
In den Jahren nach Inkrafttreten einer landesweiten gesetzlichen Regelung schnellten dann die Patentanmeldungen durch Hochschulen von jährlich etwa 250 auf durchschnittlich über 3000, berichtet die AUTM. Die Wirkung auf das US-Bruttoinlandsprodukte kalkuliert der Verband auf zusammen 190 Milliarden Dollar; rund 280.000 Arbeitsplätze sollen so entstanden sein.
Zu den fleißigsten Vermarktern und größten Profiteuren universitärer Erfindungen gehört die Elitehochschule Stanford in Palo Alto. Schnell wachsende Technologiefirmen wie Sun Microsystems, Yahoo oder Google entstammen der kalifornischen Akademikerschmiede. Doch auch hier ist die Statistik ernüchternd einseitig. Von über 7400 Stanford-Erfindungen werfen genau 517 Geld ab, verrät Katharine Ku, Direktorin für Technologielizenzierung.
DSL und Handy-Klingeltöne
Trotz bahnbrechender Grundlagenentwicklungen, etwa in der Informationstechnik und Gentechnik, bleiben die großen finanziellen Würfe rar. DSL etwa, die Grundlage für digitalen Internetzugang über Telefonleitungen, oder FM Sound Synthesis, das für Computer-Musik und Handy-Klingeltöne eingesetzt wird, stammen aus Stanford. Ku kann knapp 60 Erfindungen auflisten, die mehr als eine Million Dollar eingebracht haben.
Einer der frühen Erfolge war mit 225 Millionen Dollar die rekombinante DNA, ein Verfahren zur Herstellung künstlicher DNA-Moleküle in der Gentechnik. Das einst revolutionäre Produkt wird längst überschattet vom Suchverfahren des führenden Internet-Suchmaschinisten Google: Mit dem 1996 von den damaligen Informatikstudenten Larry Page und Sergey Brin entwickelten Page-Rank-Algorithmus hat Stanford bisher 335 Millionen Dollar eingenommen. Noch in diesem Jahr läuft Googles exklusives Nutzungsrecht an Page-Rank aus, die einfache Lizenz läuft jedoch noch bis 2017 weiter.
Stanford hat hier eine äußerst glückliche Hand bewiesen: Da in den 90er Jahren schon zahlreiche Suchdienste existierten, war keiner der zahlreichen potenziellen Firmenpartner der Universität an einer Lizenz interessiert, erinnert sich Ku. Als die Entwickler Brin und Page daraufhin ihre eigene Firma Google gründeten, sicherte sich Stanford anstatt von Bareinnahmen aus der Lizenz einen kleinen Anteil am Unternehmen.
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