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Video on Demand
Am Dienstag startet Netflix auch bei uns

Porträt: Das ist Netflix
Porträt: Das ist Netflix FOTO: Netflix
Düsseldorf. Mit seiner Vorzeige-Serie "House of Cards" hat Netflix den amerikanischen Fernsehmarkt durcheinandergewirbelt - und mit "Orange is the New Black" nachgelegt. Am Dienstag startet der Video-on-Demand-Anbieter in sechs weiteren europäischen Ländern. Doch nicht überall ist er willkommen. 

Am Dienstag startet der Service  auch in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien und Luxemburg. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Los Gatos wird in den meisten Fällen mit Spannung erwartet. Nicht so in Frankreich, wo der Empfang schon vor dem offiziellen Start kühl ausfiel.

Canal+, der größte französische Bezahlfernsehsender, begrüßte den neuen Wettbewerber schon am Mittwoch mit der Ankündigung einer neuen Partnerschaft mit dem amerikanischen Fernsehanbieter HBO. Zugleich können Kunden von CanalPlay künftig TV-Serien herunterladen und dann später ohne eine Internetverbindung ansehen. Canal+ kündigte außerdem neue Serien aus französischer und amerikanischer Produktion an.

Unsere Strategie bleibt die gleiche

Der Chef von CanalPlay, Patrick Holzman, setzt ganz auf den "französischen Touch" und die Nähe seines Unternehmens zu den Kunden. "Unsere Strategie bleibt die gleiche, mit oder ohne Netflix." Der US-Konkurrent hat sich vorgenommen, in den kommenden fünf bis zehn Jahren ein Drittel der französischen Haushalte zu erreichen. Diese Kunden würden den einheimischen Fernsehanbietern dann natürlich fehlen.

Betroffen wäre auch FilmoTV, einer der ersten VoD-Anbieter in Frankreich. Geschäftsführer Bruno Delecour gibt sich wie sein Kollege von CanalPlay gelassen. Die Aufmerksamkeit für Netflix sei gut für den französischen Markt, erklärt er.

Delecour konzentriert sich auf Filme

Mehr Haushalte würden sich so mit der Möglichkeit beschäftigen, Filme und Serien über das Internet anzuschauen. Delecour konzentriert sich mit FilmoTV ganz auf Spielfilme und will in der Breite nicht mit Netflix konkurrieren. "Wir bereiten uns schon seit Jahren auf Wettbewerber vor", sagt er. "Wir haben entschieden, ein Segment des Marktes zu besetzen und entsprechend investiert."

In Frankreich müssen 40 Prozent aller Radio-, Fernseh- und Kinoinhalte französischer Herkunft sein. Diese Vorgabe - eine Schutzmaßnahme für die einheimischen Kreativen - gilt allerdings nicht für Netflix, weil das Unternehmen seine Europazentrale in Amsterdam hat. Trotzdem setzt die französische Film- und TV-Branche auf diese französische Eigenart. "Nur amerikanische Serien anzubieten, wird nicht funktionieren", erklärt Pascal Rogard, der Direktor der Französischen Gesellschaft der Autoren und Komponisten.

Netflix hat vorsorglich schon die eigenproduzierte Dramaserie "Marseille" mit acht Folgen angekündigt. Autor ist der preisgekrönte Franzose Dan Frank. Die Serie soll Ende 2015 bei Netflix starten. Für manchen in der französischen Filmbranche ist das noch lange nicht genug. "Wir begrüßen den Wettbewerb", sagt Rogard. "Aber nur, wenn alle nach denselben Regeln spielen."

Netflix muss Sondersteuer zahlen

Andere französische und europäische Vorgaben gelten auch für Netflix. So darf der Anbieter keine Filme streamen, die jünger als drei Jahre sind. Ab Januar 2015 muss Netflix außerdem eine Sondersteuer von zwei Prozent bezahlen, wenn die Einnahmen zehn Millionen Euro übersteigen. Das beschloss das französische Kulturministerium kürzlich, um auch Unternehmen mit Sitz im Ausland zu besteuern.

Wenn Netflix dem etablierten Canal+ in großem Stil Kunden abjagt, hätte das auch Folgen für die französische Filmindustrie, denn der Pay-TV-Sender ist derzeit ihr größter Geldgeber. Hintergrund ist eine weitere französische Eigenheit: Die Fernsehsender finanzieren die einheimischen Filmproduktionen.

"Die Höhe ihrer Investitionen richtet sich nach der Zahl ihrer Abonnenten", erklärt Florence Gastaud, Vorsitzende einer Gewerkschaft für Produzenten und Autoren. "Wenn also die Zahl der Abonnenten sinkt, weil einige zu Netflix wechseln, sinken auch die Investitionen in einheimische Produktionen."

Netflix droht auch noch von einer anderen Seite Ärger. Der französische Staatsrat, der die Regierung in Rechtsfragen berät, empfahl am Dienstag der Regierung, den von Netflix verwendeten Algorithmus genau zu beleuchten. So soll sichergestellt werden, dass der Konzern in seinen Empfehlungen an die Kunden französische und europäische Inhalte nicht benachteiligt.

(ap)
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