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"Ice Bucket Challenge"
Jeder duscht mit Eiswasser - aber wird auch gespendet?

Ice Bucket Challenge - eine Typologie der Eisduscher
Ice Bucket Challenge - eine Typologie der Eisduscher
Düsseldorf. Aus der Ice Bucket Challenge ist ein gewaltiger Internet-Hype geworden. Fast jeder scheint bereits ein Video hochgeladen zu haben. Vom eigentlichen Anliegen, der Spendenaktion für ALS-Erkrankte, spricht kaum jemand. Ein Anruf bei der Deutschen Gesellschaft für Muskelerkrankte. Von Christoph Schroeter

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) führt zu Nervenzerstörungen und fortschreitenden Muskellähmungen. Die Betroffenen können sich im Verlauf der Erkrankung nicht mehr bewegen, sie haben Schwierigkeiten beim Schlucken, Sprechen und Atmen. Das Bewusstsein und der Intellekt bleiben aber in der Regel intakt.

Etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre. Nur in Ausnahmefällen leben sie länger als ein Jahrzehnt mit der unheilbaren Krankheit. Die Todesursache ist meist Atemlähmung. In Deutschland gibt es rund 8000 Erkrankte.

Die "Ice Bucket Challenge" wurde ins Leben gerufen, um auf diese grausame aber doch recht unbekannte Krankheit aufmerksam zu machen. Das hat bislang gut funktioniert. Besonders die Teilnahme von zahlreichen Prominenten hat der Aktion zu viel Popularität verholfen - und zu einem deutlich erhöhtem Spendenaufkommen.

Ice Bucket Challenge: Deutsche Promis machen sich nass

Nach Angaben der US-amerikanischen ALS Association sind mit der Eiskübel-Aktion inzwischen 62,5 Millionen Dollar (Stand Samstag) zusammen gekommen. Aber auch die "Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke" (DGM) kann erste Erfolge vermelden.

Auf Anfrage von RP Online sagte die DGM-Sprecherin Sarah Baumgart: "Erfreulicherweise macht sich die Aktion im Spendenaufkommen bemerkbar. Bis heute [am Montag, Anm.d.Red.] um 10 Uhr konnten wir Spenden in Höhe von 20.000 Euro verzeichnen, was für diese Jahreszeit (Sommer und Ferien) eine ungewöhnliche Summe ist. Noch konnten nicht alle Spenden vom Wochenende ausgewertet werden, die Tendenz ist also steigend, was wirklich wunderbar ist."

Generell, so Baumgart weiter, begrüße die DGM jede Aktion, die eine der sehr seltenen neuromuskulären Erkrankungen ins Rampenlicht rückt: "Es ist sehr schwer für diese Erkrankungen Raum in der öffentlichen Wahrnehmung zu schaffen."

ALS Ice Bucket Challenge - die 20 besten Pannen

Als Selbsthilfeorganisation finanziere sich die DGM hauptsächlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. "Ein Grund weshalb wir für unsere Aufgaben wie die Forschungsförderung auf Spenden angewiesen sind", so Baumgart.

Facebook hat seine Daten zum Thema ausgewertet. 28 Millionen Mitglieder in den USA haben zwischen dem 1. Juni und 17. August an den Diskussionen zu ALS teilgenommen, 2,4 Millionen Videos wurden gepostet. Interessant ist die Grafik zur Verbreitung in den USA. Diese zeigt ein wahres Epizentrum im Raum Boston. Kein Wunder, kommt doch Pete Frates aus der Stadt im Nordosten der USA.

George W. Bush und die "Ice Bucket Challenge" FOTO: Screenshot Youtube

Tausende Menschen folgen der Einladung zum Eiskübelduschen. Auf den ersten Blick sieht das einfach aus: ein Eimer Eiswasser über den Kopf - fertig. Doch der genaue Blick offenbart feine Unterschiede zwischen den Teilnehmern. Eine Typologie der Eisduscher finden Sie hier.

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