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IKEA rudert im Streit mit Bloggerin zurück

IKEAhackers.net: IKEA rudert im Streit mit Bloggerin zurück
FOTO: Screenshot: IKEAhacker.net
Düsseldorf. Als IKEA die Betreiberin des Blogs IKEAHackers.net abmahnte, gab es eine weltweite Welle der Kritik. Kunden und Fans der Webseite protestierten. Jetzt rudert das Möbelhaus zurück und will sein Image retten. Doch die Zukunft des Fanprojekts ist immer noch in Gefahr. Von Daniel Fiene

Wer sich etwas Zeit nimmt, die Webseite IKEAHackers.net anzuschauen wird schnell feststellen: Die Macher und Nutzer dieser Webseite bilden eine große Community von treuen IKEA-Fans. Auf dieser Seite erklären die IKEA-Anhänger, wie sie durch kreative Bastelarbeiten aus unterschiedlichen IKEA-Produkten ganz neue Möbel oder Einrichtungsmöglichkeiten erstellen. Eine elegante Bar aus einem Expedit-Regal, ein günstiger Wohnzimmertisch aus Stehordnern oder ein schickes Regal aus Sitzhockern. 

Für IKEA müsste diese Webseite die beste Werbung sein, doch stattdessen geht der Konzern gegen die Webseite vor. IKEA sah seine Markenrechte verletzt und mahnte die Betreiberin des Blogs ab und forderte auch die Herausgabe der Domain. In einem emotionalen Beitrag kündigte die Betreiberin große Änderungen für die Webseite an. Demnach einigten sich ihr Anwalt und IKEA zunächst darauf, dass sie die Domain zwar behalten kann, dort aber keine Werbung anzeigen darf. 

2006 hatte die Frau das Blog, die sich im Netz Jules Yap nennt und in Malaysia leben soll, gestartet. Sie kann sich mit den Werbeeinnahmen ihren Lebensunterhalt finanzieren. Darauf zu verzichten macht für sie den Betrieb der Webseite unmöglich. Deswegen kündigte sie an eine neue Community unter anderem Namen zu starten und auf der Domain darauf hinzuweisen. Doch die Fans der Webseite protestierten.

IKEA rudert zurück

Beliebte Hacks von IKEA-Möbeln FOTO: Screenshot: IKEAhackers.net

Die Welle der Kritik lies IKEA in einem schlechten Licht erscheinen. Der Konzern lenkte ein und signalisierte Kompromissbereitschft. Gegenüber Yahoo versuchte ein Sprecher zu beschwichtigen: "Wir möchten klarstellen, dass uns die momentane Situation mit IKEAhackers zutiefst Leid tut. Es war nie unsere Ambition, diese Webseite zu stoppen. Im Gegenteil: Wir schätzen das Interesse an unseren Produkten und die Tatsache, dass Menschen rund um die Welt unsere Produkte so sehr wie wir lieben, sehr. Wir werten jetzt die Situation aus, damit wir eine Lösung für alle beteiligten Seiten finden." 

Für die Webseite heißt dies zunächst: Bis eine Einigung erzielt ist, muss sie nicht abgeschaltet werden. Auch die Werbeanzeigen dürfen vorerst bleiben. 

Die Zukunft ist trotzdem ungeklärt

Jetzt hat sich auch Jules Yelp zur neuen Haltung von IKEA in ihrem Blog geäußert. Zunächst bedankte sie sich bei ihren weltweiten Fans. "Ich bin sehr dankbar und bewegt von eurer außergewöhnlichen Unterstützung während der letzten Tage", schrieb sie

Gänzlich hat IKEA seine Forderungen aber noch nicht zurückgenommen. Ein Mitarbeiter von IKEA habe sie kontaktiert und den Dialog gesucht, um einen Ausweg zu finden. "Was bedeutet das jetzt?", fragte sich Jules Yelp. "Ich weiß es noch nicht. Aber ich bin hoffnungsvoll, dennoch bleibe ich wachsam." Während IKEA bemüht ist das eigene Image nicht zu sehr zu beschädigen, ist die Zukunft der Webseite somit noch nicht völlig gesichert. 

Immer wieder fallen Konzerne auf, dass sie Fanprojekte im Internet abmahnen, sobald ein Markenname benutzt wird, gerade wenn auf der Webseite Werbung eingeblendet wird und die Betreiber somit Geld einnehmen. Häufig müssen sie diesen von der Öffentlichkeit unbeliebten Schritt unternehmen, um sich in einem potentiellen Streitfall mit einem tatsächlichen Missbrauch zu schützen. Sie könnten sich sonst vorwerfen lassen, dass sie nicht stets gegen Fremdnutzung der Marken vorgehen. Vereinfacht ausgedrückt: Ob eine fremde Nutzung von Marken von Dritten "gut" oder "schlecht" ist, können somit in einigen Ländern nicht die Inhaber der Marke selbst entscheiden, sondern die Justiz.

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