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Streit mit Apple
Es gibt gute Gründe, warum das FBI doch Recht haben könnte

Das Kultunternehmen Apple
Das Kultunternehmen Apple FOTO: AP
Meinung | Düsseldorf. Apple könnte helfen, ein grausames Verbrechen aufzuklären. Doch der US-Konzern weigert sich, weil er die Privatsphäre seiner Nutzer schützen will. Von Nicole Scharfetter

14 Menschen kamen am 2. Dezember im kalifornischen Ort San Bernardino ums Leben, 21 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Polizei erschoss beide Attentäter, ihre Tat gilt als islamistischer Terroranschlag.

Das FBI fordert von Apple ein Werkzeug, das das Knacken des Passworts des iPhones des Attentäters möglich macht. Um weitere Hinweise zur Tataufklärung zu finden. Eine Diskussion, die nicht nur die Amerikaner spaltet.

Datenschützer auf der ganzen Welt und Apple selbst befürchten, dass dieser Code von Terroristen gehackt und missbraucht werden könnte und dass die Behörden beliebig viele andere iPhones entsperren, wenn der Code einmal geschrieben sei. Die Anfrage des FBI schaffe einen Präzedenzfall, meint Apple-CEO Tim Cook. Er sieht die Privatsphäre von Millionen von Nutzern gefährdet.

Aber wie viel Wert hat die Privatsphäre eines einzelnen Mannes, der 14 Menschen ermordet hat? Haben die Ermittler nicht das Recht, auf ein einzelnes Telefon zuzugreifen? Um ein Verbrechen aufzuklären? Und wie sie das haben, solange die Bundespolizei nicht die Herausgabe des Werkzeugs fordert, das die Passwörter knackt. Sondern nur die Unterstützung bei der Entschlüsselung eines einzelnen Smartphones.

Natürlich würde dieser Fall für Ermittler Tore öffnen, keine Frage. Aber hat das nicht auch der erste Durchsuchungsbefehl getan? Und werden heute deswegen einfach aufgrund grober Ahnungen massenhaft Wohnungen durchsucht? Im Gegenteil: Jeder Durchsuchung muss ein Richter zustimmen, einen Befehl ausstellen.

Und genau so könnte auch das Knacken eines iPhones funktionieren. Liegt ein begründeter Verdacht vor, wie im Falle des Attentäters von San Bernadino, stellt das Gericht einen Durchsuchungsbefehl für das Smartphone aus. Apple schaltet daraufhin den Sicherheitsmechanismus aus, der die Daten normalerweise beim Knacken unbrauchbar macht, und das FBI hackt anschließend das Telefon. Und im Fall in San Bernardino war das iPhone nicht mal Eigentum des Terroristen, sondern das der Gesundheitsbehörde San Bernardino County Departement of Public Health (SBCDH), die der Entsperrung zugestimmt hat.

Bereits am 16. Februar 2016 ordnete ein kalifornisches Gericht an, dass Apple dem FBI bei der Entschlüsselung des iPhones helfen muss. Apple reagierte mit einem offenen Brief, in dem auf die Gefahren hingewiesen wurde. Am 22. März sollen sich Apple und FBI wieder vor Gericht treffen. Bis dahin werden beide Parteien versuchen, die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen.

Die Debatte um Datenschutz und Verbrechensaufklärung sollte weiter sachlich bleiben. Die bisherigen Argumente beider Parteien waren nachvollziehbar. Die These des Staatsanwaltes von San Bernadino dagegen gleicht einer Verschwörungstheorie. Er spricht von einem "Cyber-Krankheitserreger", der die Stadt gefährde, weil sich das Diensthandy des Attentäters mit dem Computernetzwerk des Bezirks verbunden haben könnte.

"Das beschlagnahmte iPhone enthält vielleicht einzigartige Beweise dafür, dass es als Waffe benutzt wurde, um einen bisher noch schlafenden Cyber-Erreger einzuschleusen, der die Infrastruktur von San Bernardino gefährdet", argumentierte Michael A. Ramos. Von Sicherheitsexperten und Bürgerrechtlern hat Ramos dafür bisher nur Spott geerntet – zurecht.

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