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Werbung erinnert an "High Fidelity": Ist beim Ergo-Spot alles nur geklaut?

VON JUTTA LAEGE - zuletzt aktualisiert: 01.09.2010 - 12:45

Düsseldorf (RP). Seit einigen Tagen kennt die Werbebranche nur noch ein Thema: Die TV-Werbung von Ergo und deren "Ähnlichkeit" mit dem Film "High Fidelity". Alles nur geklaut? Nein, sagt die Versicherung, die Anlehnung war genau so gewollt.

"Es gibt 82 Millionen Gründe für Deutschlands neue große Versicherung", so wirbt der neue Düsseldorfer Versicherungs-Riese Ergo seit Mitte Juli flächendeckend in Filmen, auf Plakaten und im Internet. Dass es auch 82 Millionen Möglichkeiten gibt, einen Werbespot zu drehen, liegt in der Natur der Sache. Ergo hat sich für einen entschieden, der nicht zuletzt wegen des Darstellers Sebastian Ströbel in den letzten Wochen viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Soweit so gut.

Doch seit Donnerstag hat sich der dazu gehörige Slogan "Versichern statt verunsichern" ins Gegenteil gekehrt. Der Grund: Bei Youtube wurden dem Spot viele Passagen des Films "High Fidelity" angehängt, die in Machart, Stilmitteln und Szenerie fast identisch mit denen des Spots sind. Der Film "High Fidelity" stammt allerdings bereits aus dem Jahr 2000. Und so fragt sich jetzt die Internetgemeinde in stündlich wachsender Zahl: "Wie viel 'High Fidelity' steckt im Ergo-Spot?"

Der Betrachter staunt

Immer wieder wird der zusammengeschnittene Beitrag angeklickt. Und der Betrachter staunt nicht schlecht: Die Szenen aus Spot und Film unterscheiden sich nur marginal. Spot-Darsteller Sebastian Ströbel läuft über eine Brücke (im Spot liegt die in Berlin-Treptow) genau wie Schauspieler John Cusack im Film (er ist allerdings in Chicago).

Dann steigen beide Treppen hinauf, gehen durch ein Bahnabteil, laufen wieder eine Treppe in einem Haus hinauf, öffnen eine Wohnungstür, sitzen in einem Sessel und setzen sich schließlich Kopfhörer auf. Da stimmen sogar die Gesten und Bewegungen fast perfekt überein. Und so wundert es nicht, dass inzwischen heiß diskutiert wird: Ist der Spot eine Kopie, ein Klau, ein Plagiat, ein Zitat oder eine Hommage?

Die Agentur Aimaq & Stolle aus Berlin ist für den Spot verantwortlich. Sie hatte sich im Mai im sogenannten Pitch gegen hochkarätige Konkurrenz (unter anderem Jung von Matt und BBDO) durchgesetzt, Ergo als Neukunden gewonnen. Als Regisseur für die Werbespots wurde Simon Verhoeven (Sohn von Schauspielerin Senta Berger und Regisseur Michael Verhoeven) verpflichtet, der mit "Männerherzen" bekannt wurde und mit dem Ergo-Spot sein Debüt in der Werbebranche feierte.

"Nur eine formale Klammer"

Als der Spot Mitte Juli in der Konzernzentrale vorgestellt wurde, wurde die Vorlage "High Fidelity" nicht erwähnt. Jetzt wehrt man sich bei Ergo gegen die Plagiat-Vorwürfe: "Ausgangspunkt für die Werbekampagne ist der Kunde, sein offenes Wort und seine Wünsche an uns als Versicherung. Diese Idee haben wir in drei TV-Spots umgesetzt.

Zur bildlichen Umsetzung lehnt sich einer der Spots an den Film "High Fidelity" an. Das ist jedoch nur eine formale Klammer. Der Film selbst hat mit unserer Kampagnenidee nichts zu tun." Alles sei zwischen Versicherung, Agentur und Regisseur so abgestimmt worden.

Warum Verhoeven in einem Interview mit allerdings erklärt, dass er bei dem Projekt "regiemäßig einen gewissen Stil hinterlassen konnte", lässt den Betrachter ratlos, um nicht zu sagen: verunsichert, zurück.


 
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