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Kampf gegen Terror
Twitter macht 125.000 Zugänge dicht

Kampf gegen Terror: Twitter macht 125.000 Zugänge dicht
Auch Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates sind vielfach bei Twittter aktiv. FOTO: ap
Washington. Der Kurznachrichtendienst Twitter hat seit Mitte 2015 rund 125.000 Zugänge geschlossen, über die terroristische Aktionen vor allem der Terrormiliz Islamischer Staat angedroht oder unterstützt wurden.

Das Unternehmen teilte am Freitag mit, es verurteile diesen Missbrauch von Twitter und das Brechen seiner Regeln. "Wie die meisten Menschen auf der Welt sind wir über diese Gräueltaten erschüttert", erklärte Twitter. "Diese Art von Verhalten wird von unserem Dienst nicht unterstützt, genauso wenig wie jede gewalttätige Bedrohung."

Alle Twitterzugänge und -mitteilungen würden sehr genau untersucht, ein entsprechendes internes Team sei dafür verstärkt worden. Neben den bereits geschlossenen Zugängen würde eine ganze Reihe von Accounts beobachtet, die ähnliche Merkmale aufwiesen.

Twitter arbeite in seinem Kampf gegen Terrorismus eng mit den Strafverfolgungsbehörden und der Justiz zusammen.

Kommt eine neue Sortierung?

Diese Idee treibt eingefleischte Twitter-Nutzer auf die Barrikaden noch bevor man sie in Aktion sehen konnte. Der Dienst wolle eine neue Sortierung einführen, bei der die einzelnen Tweets nach Relevanz-Algorithmen angeordnet werden, statt wie bisher einfach nacheinander, schrieb die Website "Buzzfeed" in der Nacht zum Samstag. Das wäre eine Abkehr von einem Grund-Prinzip von Twitter und würde den Dienst ein Stück mehr wie Facebook machen. Die Diskussion darüber - natürlich bei Twitter selbst - kippte schnell in Untergangs-Stimmung mit dem Schlagwort "#RIPTwitter" - "Ruhe in Frieden, Twitter".

Der Ton ist typisch für die aktuelle Laune um Twitter kurz vor dem zehnten Geburtstag des Kurznachrichtendienstes. Die Aktie steckt tief im Kurskeller, weil das Wachstum der Nutzerzahlen auf ein Tröpfeln gefallen ist. Im Januar nahm eine ganze Riege von Top-Managern den Hut. Und einer davon - Produktchef Kevin Weil - soll laut Medienberichten ausgerechnet zur Foto-Plattform Instagram des Rivalen Facebook gegangen sein. Der bekannte Technologie-Journalist Josh Topolsky, ein langjähriger Twitter-Fan, sieht den Dienst an Relevanz verlieren. Die Überschrift seines vielbeachteten Artikels beim renommierten Magazin "New Yorker": "Das Ende von Twitter".

In dieser Atmosphäre braucht Twitter-Mitgründer Jack Dorsey, der im vergangenen Sommer zunächst kommissarisch und dann dauerhaft an die Firmenspitze zurückkehrte, schnell einen großen Wurf. Die bisherige sichtbare Bilanz seiner Chef-Aktivitäten sind ein Stellenabbau, das zunächst nur in den USA verfügbare Angebot "Moments", bei dem Tweets zu aktuellen Ereignissen zusammengefasst werden, sowie die Ankündigung, einen Verzicht auf die Tweet-Obergrenze von 140 Zeichen zu testen.

Jetzt berichtete "Buzzfeed", die algorithmische Sortierung könnte bereits kommende Woche vorgestellt werden. Der Zeitpunkt bietet sich an: Wenn Dorsey an diesem Mittwoch wieder nur Quartalszahlen präsentieren kann, die die Börsianer enttäuschen, könnte ein grundlegender Produkt-Umbau eine willkommene Ablenkung sein. Zugleich schränkte "Buzzfeed" ein, man habe nicht in Erfahrung bringen können, ob die Änderung generell gelten solle, oder Nutzer die freie Auswahl bekämen. Ein Social-Media-Experte des Senders NBC schrieb daraufhin, dass nach seinen Informationen standardmäßig alles beim Alten bleibt und man die Algorithmen-Sortierung aktiv auswählen müsse.

Seit Dorsey am 21. März 2006 testweise den allerersten Tweet verschickte, hat sich Twitter zu einer einzigartigen Möglichkeit entwickelt, den Puls der Welt zu spüren. Wenn irgendwo etwas auf der Welt passiert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Schlagzeile einen am schnellsten über Twitter erreicht. Auch wenn sich bei dramatischen Entwicklungen wie den jüngsten Terror-Anschlägen in Paris frische Fakten mit falschen Informationen vermischen - Twitter ist so etwas wie das globale Nervensystem der News-Branche geworden. Das Problem: Allein damit kann ein Dienst kein Geld verdienen.

Die Lösung von Twitter ist, von Unternehmen bezahlte Tweets in den Nachrichtenstrom der Nutzer einzuschleusen - ähnlich wie das Facebook macht. Mit dem Versprechen, dass sie durch eine Fokussierung auf bestimmte Zielgruppen auch zu den Interessen der Nutzer passen. Das bringt mit zuletzt gut 300 Millionen Nutzern einen Umsatz von etwa zwei Milliarden Dollar pro Jahr. Aber Twitter steckt nach wie vor in den roten Zahlen fest - auch wenn der Dienst dank seiner Geldreserven noch jahrelange Verluste verkraften könnte.

Zum Vergleich: Facebook verbuchte zuletzt einen Quartalsgewinn von 1,56 Milliarden Dollar bei 5,84 Milliarden Dollar Umsatz. Bei den Nutzerzahlen ist das weltgrößte Online-Netzwerk mit seinen knapp 1,6 Milliarden Mitgliedern Twitter eh längst davongelaufen. Der Kurznachrichtendienst wird von der Lernkurve gebremst: Wer es sinnvoll nutzen will, muss erst Zeit und Energie in die Auswahl der Quellen investieren, denen man folgt. Die Versuche von Twitter, neuen Mitgliedern das Leben einfacher zu machen, lösten bisher keine Wachstumsschübe aus.

(felt/dpa)
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