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Kevin Spacey eröffnet "Bits & Pretzels"
"Wir alle sollten den Kampf gegen das Mittelmaß aufnehmen"

Kevin Spacey eröffnet "Bits & Pretzels": Wir alle sollten den Kampf gegen das Mittelmaß auf
Kevin Spacey zeigt, wo es lang gehen soll. FOTO: Stefan Hobmaier
US-Schauspieler Kevin Spacey hat das größte deutsche Start-up-Treffen "Bits & Pretzels" eröffnet. Er forderte mehr Mut von Unternehmern in Deutschland. Von Daniel Fiene, München

Für die Teilnehmer war es wie der Auftritt des US-Präsidenten Frank Underwood, wie sie ihn aus der Serie "House of Cards" kennen. Der Appell von Schauspieler Kevin Spacey an die Teilnehmer der Gründerkonferenz "Bits & Pretzels" wirkte präsidial: "Setzen Sie auf die, die nicht davor scheuen die Mächtigen herauszufordern. Setzen Sie nicht auf die, die mitlaufen."

Mit diesen Worten eröffnete der US-Schauspieler Spacey, der auch als Investor tätig ist, die dritte Auflag der "Bits & Pretzels" und ließ dabei eigene Erfahrungen einfließen: "Ihre Kritiker können Sie für doof erklären, weil sie ein Politik-Drama für einen Online-Streamingdienst machen. Aber niemand kann neue Märkte eröffnen, indem er auf Nummer sicher geht."

Ähnlich sieht es auch Max Wittrock, einer der Gründer von MyMüsli: "Es geht darum herauszuragen, und nicht reinzupassen." Unternehmer wie er geben bis Dienstag auf dem mittlerweile größten Start-up-Treffen in Deutschland ihr Wissen weiter. Dabei werden verschiedene Trends deutlich. "Die Start-ups suchen mittlerweile vor allem Produkte, mit minimalen Anforderungen und Eigenschaften.", sagt Sigurd Jaiser vom etablierten Düsseldorfer Start-up Sipgate. "Ich finde es auch spannend, dass Start-ups inzwischen über regelmäßige monatliche Einnahmen nachdenken und ihre Strategien nicht mehr auf einen einmaligen großen Verkauf ausrichten."

Die größten Trends der Start-up-Szene können in sechs Bereiche aufgeteilt werden: Die Zukunft des Handels, effiziente Mobilität, fortschrittlicher Lifestyle, ausgeklügelteres Internet der Dinge, smartere Unternehmen und effektivere Finanzen. Aber auch Start-ups rund um die Trendthemen Virtual Reality und Roboter spielen eine Rolle. So lobte Kevin Spacey ein Start-up, welches Medizinstudenten mit Virtual-Reality-Brillen trainiert.

Ähnlich wie Virtual-Reality haben auch Roboter den Spiele-Bereich verlassen. Sie helfen heute defekte Funktionen des menschlichen Körpers zu übernehmen. So beeindruckten die Macher von ReWalk mit der Präsentation ihres Roboter-Skeletts, welches gehbehinderten Menschen wieder auf die Beine hilft. "Bei meinem Autounfall wurde mir die Freiheit genommen", sagte eine Polizisten aus Großbritannien auf der Bühne. "Aber mit dieser technischen Hilfe, habe ich meine Unabhängigkeit zurück."

Deutsche Start-Ups endlich erfolgreich

Von der "Bits & Pretzels" geht der Impuls aus, dass Deutschland sich mit seiner Start-up-Szene nicht mehr verstecken braucht. "Vor vier Jahren wäre es noch undenkbar, dass wir in Deutschland mehrere Startups haben, für die sich US-Firmen interessieren und Millionen investieren wollen", erklärte Felix Haas, Konferenzmitgründer und Investor im Gespräch mit unserer Redaktion und nannte als Beispiel neben Rocket Internet und Zalando auch das Düsseldorfer Unternehmen Trivago. "Die wurden zwar schon 2005 gegründet, haben aber einen langen Atem gehabt und gehen im November mit einem Emissionsvolumen von einer Milliarde Dollar auf eine Bewertung von acht oder neun Milliarden Dollar an die NASDAQ. Das ist endlich mal Silicon-Valley-Niveau!"

Diese Erfolge würden neue Gelder freisetzen, von der andere deutsche Gründer profitieren, aber hier gibt es Nachwuchssorgen. "Junge Deutsche haben Angst sich selbstständig zu machen. Eine Statistik zeigt, dass 89% nach Stanford gehen, um zu gründen. In Deutschland geht die Mehrheit zur Hochschule, um sich anstellen zu lassen", so Konferenzgastgeber Bernd Storm. "Es reicht nicht, wenn die Politik sagt, wir sind besser als vor zehn Jahren. Alle Länder sind besser als vor zehn Jahren. Wir sollten uns mit Weltmarktführern vergleichen aber nicht mit Mittelmaßländern." Kampf gegen das Mittelmaß ist auch das Ziel von Kevin Spacey: "Wir sollten alle den Kampf gegen das Mittelmaß aufnehmen", sagte er abschließend. "In diesem Punkt kommen Unternehmertum und die Kunst am Ende überein: Es sind die Risikoträger, die belohnt werden."

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