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Kolumne Digital
Du lebst nur zweimal

Kolumne Digital: Du lebst nur zweimal - Daten im Netz nach dem Tod
FOTO: Mathias Vietmeier
Düsseldorf. E-Mail, WhatsApp oder Urlaubsbilder - unser Leben verlagert sich immer mehr ins Digitale. Doch nach unserem Tod leben unsere Daten im Netz weiter. Nur einer von zehn Deutschen hat vorgesorgt. Dabei wäre das dringend notwendig! Von Richard Gutjahr

Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, was mit Ihrem digitalen Erbe geschieht, wenn Sie mal nicht mehr sind? Gemeint sind Ihre Online-Aktivitäten, Ihr Mail-Postfach, Ihre WhatsApp-Unterhaltungen, Ihr Facebook-Profil? Anders als greifbare Gegenstände oder Bank-Konten, gehen digitale Schätze nicht automatisch in den Besitz der Hinterbliebenen über. Konkret: Sie mögen zwar den Computer oder das Smartphone erben, kommen aber nicht an die darauf gespeicherten Daten, weil Sie das Passwort nicht kennen. 

Hinzu kommt, dass immer größere Teile unserer Foto-Sammlungen, Videos oder andere Dokumente nicht länger auf dem Chip oder der eingebauten Festplatte gespeichert werden, sondern extern, in der Cloud. Ihr Lebenspartner oder Ihre Kinder würden sich die Zähne daran ausbeißen, an diese Daten heranzukommen. Facebook, Google und Co würden Ihnen die Passwörter nicht aushändigen, nicht einmal wenn Sie Alleinerbe wären. Keine böse Absicht, sie dürften es gar nicht!

Was die Wenigsten wissen: Anders als materielle Güter, fallen Daten unter das Post- und Telekommunikationsgeheimnis. Übertragen auf die physische Welt bedeutet das: Nur Briefe und Dokumente des Verstorbenen, die bei ihm zuhause aufbewahrt sind, gehen in Ihren Besitz über. Sie haben aber keinen Anspruch auf die Korrespondenz, die woanders gelagert ist. Will heißen: als Erbe dürften sie die Kontos sperren lassen. Ohne Passwort, den virtuellen Schlüssel, kommen Sie aber nicht mehr an die Inhalte.

Bestimmen Sie eine Person in Ihrem Testament für den Online-Bereich

Und derlei Schlüssel gibt es viele: Die Zugangsnummer Ihres Online-Banking-Kontos etwa. Das Passwort zu Ihrem E-Mail-Postfach (viele Menschen nutzen mehrere Adressen). Digitale Bezahldienste wie PayPal. Ihre Konten bei Amazon, eBay, iTunes oder anderen Shopping-Portalen. Skype, WhatsApp, soziale Netzwerke. Tragisch wäre sicherlich der Verlust größerer Foto-Sammlungen, die in der digitalen Wolke liegen. Ohne Passwort wären diese für immer verloren.

Inzwischen gibt es Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, derlei Dinge zu organisieren. Daneben bieten weniger vertrauenswürdige Geschäftemacher an, Telefone oder Konten von Verstorbenen zu hacken. Um Ihren Liebsten viel Zeit und Schmerzen zu ersparen, empfehlen Verbraucherzentralen, bei Zeiten eine Passwort-Liste anzufertigen (auf Papier - nicht auf dem Rechner!) und diese regelmäßig zu aktualisieren. Daneben sollten Sie in Ihrem Testament eine Person bestimmen, die sich um Ihren digitalen Nachlass kümmert. 

Wenn Sie erst einmal die Welt verlassen haben und selbst in der Cloud leben, ist es dafür zu spät.

 

Quelle: RP
 
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