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Kolumne Digital
Hart aber fake

Kolumne Digital: Hart aber fake
FOTO: dpa, nau toh
München. Nur wenige Tage ins neue Jahr und schon steht die Welt vor dem Abgrund. Eine Katastrophe globalen Ausmaßes, größer als Terror, Trump und Ozonloch zusammen: Die Rede ist natürlich von "Fake News". Von Richard Gutjahr

40 Verlage, TV-Sender und Tech-Unternehmen haben letzte Woche eine GloGroKo (globale große Koalition), um gemeinsam gegen Verleumdungen und falsche Behauptungen im Netz vorzugehen. In Berlin wird sogar überlegt, eine Art Wahrheitsministerium einzurichten. Vor allem Politik und Medien fühlen sich vom Internet verraten. Kein Wunder, besaß man doch seit Erfindung der Lügenpresse das Monopol auf Falschmeldungen. 

Wenn heute jeder Wähler googeln und einen Politiker Punkt für Punkt an seine Wahlversprechen erinnern kann, wozu braucht man uns Journalisten? Wenn Hinz und Kunz der Bundeskanzlerin mahnend ins Stammbuch, respektive ins Facebook schreiben können, was macht dann Sigmund Gottlieb? Ob Mondlandung oder Giftgas im Irak - man stelle sich nur vor, wenn heute einfach jeder fälschen dürfte - wo kämen wir da hin!

Hinzu kommt: Eine elektronische Lüge im Netz fühlt sich nun mal weniger wertig an, als eine gut gemachte Qualitätsfälschung auf Papier. Dieses haptische Gefühl, eine auf Cellulose gedruckte Falschmeldung in Händen zu halten. Wie viel Kreativität, wie viel Liebe zum Detail steckt in jeder Zeitungsente. Man denke an die Hitler-Tagebücher - das waren Zeiten! Damals raschelten Fälschungen noch.

FOTO: Mathias Vietmeier

Auf Medienkonferenzen heißt es gerne: Gegen Fake News hilft nur die Wahrheit. Papperlapapp! Ich bin der Meinung, Fake News bekämpft am effektivsten mit noch mehr Fake News! Ich appeliere daher an Sie, lieber Leser: Lassen Sie uns das Internet mit Falschmeldungen fluten, bis keiner mehr weiß, was wahr und was falsch, wo oben oder unten ist. 

Doch Vorsicht: Beim Fälschen kann man viel falsch machen. Gerade wir Mainstreammedien sollten uns auf unsere alten Tugenden besinnen und uns künftig wieder mehr Mühe geben. Wie wollen wir mit Journalismus im Internet jemals Geld verdienen, wenn unsere Fälschungen mit den vielen Gratis-Fake-News im Netz nicht mithalten können?

Die Lösung: Wir müssen mehr Geld in die Bildung stecken. Die Bild-Zeitung als Pflichtlektüre in jeder Journalistenschule. Praxis-Seminare in Fälscherwerkstätten. ARD und ZDF erfüllen ihren Bildungsauftrag durch neue, innovative TV-Formate wie "Hart aber fake" oder "Ein Fake für Zwei". Auch die Politik ist gefordert, gerade jetzt im Wahljahr. Donald Trump in den USA hat es vorgemacht. Ob vor diesem Hintergrund Merkel für uns wahrhaftig die richtige Kandidatin ist? Und wo steckt eigentlich Karl-Theodor zu Guttenberg?

Richard Gutjahr ist Moderator für das Bayerische Fernsehen und Blogger. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

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