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Schweizer Justiz ermittelt: Kriminelle mißbrauchen Skype für Drogenhandel

zuletzt aktualisiert: 10.10.2007 - 13:24

Bern (RPO). Wer umsonst in alle Welt telefonieren will, kann sich der Internet-Technik Skype bedienen. Jedoch nutzen auch immer mehr Kriminelle den Vorteil der verschlüsselten Telefongesräche aus. Der Schweizer Justiz sind Dutzende von Fällen allein im Drogenhandel bekannt.

Der Internet-Telefonie-Anbieter Skype warnt vor einer Sicherheitlücke.  Foto: Screenshot
Der Internet-Telefonie-Anbieter Skype warnt vor einer Sicherheitlücke. Foto: Screenshot

Situationen wie diese haben die Berner Strafverfolgungsbehörden bereits mehrfach erlebt: "Komm, wir skypen", sagt ein mutmaßlicher Drogenhändler am Handy, das von den Ermittlern abgehört wurde. Worüber die beiden danach gesprochen haben, wissen die Behörden nicht.

Gespräche mit Skype führen über keinen zentralen Server, in den sie sich einklinken könnten. Selbst wenn es ihnen gelingen sollte, das Gespräch abzufangen, sind die Daten unbrauchbar: Skype verschlüsselt den Datenverkehr zwischen seinen Anwendern nach hohen Sicherheitsstandards.

Spur nach Südamerika

Laut dem Berner Untersuchungsrichter Matthias Stoller führen die Telefonate meist nach Übersee, oft nach Südamerika. In der Regel gehe es dabei um größere Geschäfte im Kokainhandel. Auch die Zürcher Strafverfolgungsbehörden haben nach Auskunft des Leitenden Staatsanwalts Christoph Winkler in laufenden Verfahren im Drogenbereich mit Skype zu tun: "Kriminelle wissen, dass die Behörden Mühe haben, Skype zu überwachen." Dass Skype bisher vor allem bei Drogendelikten eine Rolle spielt, steht möglicherweise in Zusammenhang mit der Ermittlungstaktik. Laut Winkler greifen die Behörden dort nicht selten zur Abhörmethode.

Skype sei international ein Problem für die Strafverfolgungsbehörden, sagt der Chef der Arbeitsgruppe Kommunikationsüberwachung (AGKÜ), Bernhard Weder. In diesem Schweizer Gremium arbeiten Vertreter der Kantone, der Berner Bundesregierung und führender Telekommunikationsunternehmen zusammen. Ziel ist es, im Rahmen der Strafverfolgung Möglichkeiten zur Überwachung der Internettelefonie zu finden. Bei Skype gestaltet sich dies aber besonders schwierig, da die Telefonate über verschiedene Datenbanken laufen, die auf der ganzen Welt verstreut sind.

Weder geht davon aus, dass die Firma mit Sitz in Luxemburg Möglichkeiten hat, die Telefonate zu entschlüsseln und an die Behörden weiterzuleiten. Skype zeige sich jedoch wenig kooperativ. Einmal, sagt Weder, habe er wegen eines Erpressungsfalles um Unterstützung gebeten.

"Ich haben nie mehr etwas gehört." Für die Behörden sei rasches Handeln in den meisten Fällen aber unerlässlich. Dafür müsste Skype allerdings mit der Polizei zusammenarbeiten, denn der Weg über ein Rechtshilfeverfahren kann Monate, wenn nicht Jahre in Anspruch nehmen.

Skype wehrt sich

Skype dementierte auf Anfrage, wenig kooperativ zu sein. Die Firma unternehme alles, um auf gesetzlicher und technischer Ebene mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten, ließ sie schriftlich über eine PR-Agentur ausrichten.

Von einer "nach wie vor schwierigen Zusammenarbeit" spricht auch die Genfer Justiz. Zwar sei bei Skype der gute Wille vorhanden, aber die kommerziellen Interessen würden stärker gewichtet, sagt der Chef der Genfer Untersuchungsrichter, Stephane Esposito. Die Genfer Behörden haben es pro Jahr mit rund einem Dutzend Fällen zu tun, bei denen Kriminelle sich mit Skype verständigen - auch hier im Betäubungsmittelbereich.

Skype macht es den Ermittlern auch deshalb schwer, weil es bisher niemandem gelungen ist zu entschlüsseln, wie das Programm im Detail aufgebaut ist und funktioniert. Laut AGKÜ-Chef Weder zeigt sich die Software gegen jeden Versuch der Erschließung ihres Bauplans, das sogenannte "Reverse Engeneering", resistent. "Das Programm ist extrem schlau gemacht."

Quelle: ap

 
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