Mitbegründer wechselt an Google-Spitze: Larry Page entwächst den Kinderschuhen
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 21.01.2011 - 13:32San Francisco (RPO). Die Lehrjahre sind vorbei: Mitbegründer Larry Page übernimmt wieder das Ruder beim Internet-Giganten Google. Auch wenn dieser Schritt für viele Analysten überraschend kam, so steckt doch eine gewisse Logik dahinter. Denn Google schwimmt zwar auf der Erfolgswelle, doch der Konzern muss sich für die Zukunft wappnen.
Apple hat Steve Jobs, Facebook hat Mark Zuckerberg - das Gesicht hinter Google dagegen blieb meist verborgen. Doch nun kommt Larry Page und will den Konzern in die Zukunft führen. "Eines meiner grundlegenden Ziele ist es, Google zu einem großen Unternehmen zu machen, das die Gewandtheit, die Seele, die Ledienschaft und die Geschwindigkeit eines Start-up-Unternehmens hat", sagte Page gegenüber der "New York Times".
Der 37-Jährige löst Eric Schmidt ab, der das Unternehmen zehn Jahre lang führte und nun in den Verwaltungsrat wechselt. Neu ist Page in der Position nicht. Gemeinsam mit Sergey Brin hatte er das Unternehmen als Student im Jahr 1998 gegründet und leitete es. Doch die Erfahrung als Manager fehlte ihm. Und so wurde Eric Schmidt ins Boot geholt. Nun, so twitterte Schmidt, sei "tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig".
26 Prozent Plus im vierten Quartal
Dass Schmidt eines Tages zurückkehren würde, hatte wohl mancher Experte erwartet. Ein früherer Verkaufsleiter bei Google sagte gegenüber der "New York Times": "Larry wollte CEO sein, deshalb ist das keine Überraschung". Er ist aus den Kinderschuhen herausgewachsen und will das Unternehmen in die Zukunft führen.
Die Quartalszahlen, die Google in dieser Woche bekannt gab, verheißen dem Konzern Gutes. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete das Unternehmen im vierten Quartal 2010 ein Umsatzplus von 26 Prozent auf 8,44 Milliarden Dollar. Ob als Suchmaschinen-Übermacht, Anbieter des Handy-Betriebssytems Android, von Street View oder dem Browser Chrome - der Internet-Gigant ist gut aufgestellt in Zeiten, in denen das Internet eine immer herausragendere Rolle spielt.
Doch die Herausforderungen für das Unternehmen mit rund 24.000 Mitarbeitern werden größer. Nicht nur, dass Google mit Beschwerden wegen seines umstrittenen Dienstes Street View zu kämpfen hat und in vielen Ländern zahlreiche Auflagen bekam, auch könnte der Gigant seine Vormachtstellung im Netz schneller verlieren als ihm lieb ist.
Facebook läuft Google Rang ab
Das Hauptproblem sind dabei vor allem die sozialen Netzwerke - allen voran Facebook. Eine kürzlich veröffentlichten Statistik hatte bereits gezeigt, dass Facebook Google in den USA den Rang als meist besuchte Internetseite bereits abgelaufen hat. Und das kann massive Folgen im Kampf um die größte Stücke des Internet-Werbekuchens haben.
Nun also, so kündigte das Unternehmen an, sollen die Management-Strukturen vereinfacht werden, damit Entscheidungen schneller getroffen werden könnten. Denn, so berichten mehrere US-Medien und Technologie-Blogs, einige Ingenieure hätten gesagt, es sei nur noch schwer, neue Ideen umzusetzen. Das Unternehmen sei schwerfällig geworden - wie viele große Unternehmen, die sich einmal im Markt festgesetzt haben.
Genau das will Larry Page nun ändern. Ob es ihm allerdings gelingt, ähnlich wie Zuckerberg als dominierendes Zugpferd zu agieren oder wie Steve Jobs charismatisch das Bild des Konzerns zu repräsentieren, muss er erst beweisen. Denn Page gilt als distanzierter und scheuer Denker. Eines aber gereicht ihm zum Vorteil: Er lebt Google, denn er ist Google.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




