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Video-Experiment aus Litauen
So fassunglos reagieren Menschen auf rassistische Beleidigungen

Litauen: So fassunglos reagieren Menschen auf rassistische Beleidigungen
Diese junge Frau will wie viele andere auch die Kommentare eigentlich gar nicht vorlesen. FOTO: Screenshot Youtube
Düsseldorf. Wie reagieren Menschen auf rassistische Beleidigungen, wenn sie dem Opfer gegenüber sitzen? Das wollten litauische Menschenrechtler mittels eines Video-Experimentes herausfinden. Dabei stießen sie vor allem auf eines: sprachlose und peinlich berührte Menschen. Von Dana Schülbe

Es ist ein Video, das das Internet derzeit bewegt. Mehr als 800.000 Mal wurde der fünfeinhalbminütige Clip bereits abgerufen. Denn dieser zeigt sehr deutlich, wie hässlich Fremdenhass ist – und wie völlig unbeteiligte und unwissende Menschen darauf reagieren. Litauische Menschenrechtler hatten, um ihre neue Webseite zu propagieren, ein Video-Experiment gestartet. Fremde Menschen sollten dabei einem dunkelhäutigen Mann rassistische Kommentare von Facebook vorlesen.

Das Ganze fand im Rahmen eines angeblichen Castings für eine Werbung statt. Die Eingeladenen erfuhren allerdings nicht, um was für eine Werbung es sich handeln sollte. In dem Video ist zu sehen, wie sie in einem Warteraum Platz nehmen sollen, wo bereits ein angeblicher Mitbewerber sitzt – ein dunkelhäutiger (und eingeweihter) Mann. Dieser bittet die Kandidaten, ihm Kommentare von seiner Facebook-Seite ins Litauische zu übersetzen, denn er sei erst zwei Wochen im Land und der Sprache nicht mächtig. Die Kommentare sind rein rassistischen Inhaltes. Sie enthalten Worte und Sätze wie "Affe" oder "Geh zurück nach Afrika" und jede Menge Drohungen. 

Den Probanden steht das Entsetzen über die Kommentare ins Gesicht geschrieben, als sie diese lesen. Viele schweigen sehr lange, einige schütteln den Kopf, fragen ihr Gegenüber, ob er denn denjenigen kenne, der das geschrieben habe. Und kaum einer will es dem jungen Mann auf Anhieb übersetzen. Eine Frau mittleren Alters etwa sagt, dass sie es definitiv nicht übersetzen werde und er solle das Ganze vergessen. Ein Mann sagt, er sei sich nicht sicher, ob er es übersetzen soll. Als er es begründen will, fehlen ihm die Worte. "Es ist schwierig, dir das zu sagen, während ich dir in die Augen schaue", sagt ein anderer Mann.

Erst durch Zureden des farbigen Mannes trauen sich dann doch einige, die rassistischen Kommentare zu übersetzen – wie peinlich berührt sie dabei sind, steht vielen deutlich ins Gesicht geschrieben. "Ich werde versuchen, diese Worte auszusprechen", sagt etwa eine junge Frau. Und wie viele andere Probanden tut auch sie am Ende eines: sich für die Kommentare im Netz zu entschuldigen. 

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