| 18.16 Uhr

Interview mit Micky Beisenherz
"Facebook verkommt immer mehr zur Homepage der NPD"

Micky Beisenherz: Facebook verkommt immer mehr zur Homepage der NPD
Micky Beisenherz will, dass Facebook sich wieder an seine Anfänge als Netzwerk sozialen Miteinanders konzentriert. FOTO: Thomas Duffé
Düsseldorf. Der Comedian Micky Beisenherz hat auf Facebook gegen einen hetzenden Kommentator argumentiert, daraufhin hat das Netzwerk seinen Account für 30 Tage gesperrt – Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards. Nach öffentlicher Kritik ruderte das Netzwerk zurück. Unsere Redaktion konnte trotzdem während der Sperre via Facebook mit ihm schreiben. Von Sebastian Dalkowski

Der Comedy-Autor Micky Beisenherz und Facebook werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Schon zum dritten Mal hat ihn das sogenannte soziale Netzwerk gesperrt. Diesmal gleich für 30 Tage.

Passiert war Folgendes: Ein Facebook-User mit einem Nachnamen, der auf jugoslawischen Migrationshintergrund schließen ließ, hatte gegen Flüchtlinge gehetzt. Daraufhin kommentierte Beisenherz: "Mit Deiner Einstellung würde es einen Amir Zemdic* in Deutschland nicht geben." (*Name geändert)

Ein paar Tage passierte nichts, dann wurde der Kommentar gelöscht und Beisenherz' Account für einen Monat gesperrt. Weil er gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen haben soll. Da er zwar für die nächsten 30 Tage nichts mehr posten, aber trotz Sperre noch immer Liken und Direktnachrichten verschicken kann, haben wir ihn via Facebook interviewt.

Update 18:15 Uhr: Mittlerweile kann Micky Beisenherz wieder Facebook ohne Einschränkung benutzen. Auf Nachfrage bestätigte ein Facebook-Sprecher, dass man Beisenherz kontaktiert habe und die Sperre aufgehoben sei. Ein Statement gab es jedoch nicht. Zuvor hat es in den Medien ein großes Echo wegen der Sperrung des Zugangs von Micky Beisenherz gegeben.

Wie beurteilst du das Vorgehen von Facebook?

Micky Beisenherz Tja, das kann man ja nur als reine Willkür bezeichnen. Ich ermahne einen rechten Hetzer zu mehr Nachdenken. Erinnere ihn, der einen Nachnamen offensichtliche jugoslawischen Ursprungs hat, doch einmal zu überdenken, was eine Flüchtlingspolitik nach seinem Geschmack auch für ihn und seine Familie bedeutet hätte. Was zur Konsequenz hat, dass ICH gesperrt werde. Das lässt nur den Schluss zu, dass weder Nachdenken noch eine fremdenfreundliche Geisteshaltung bei Facebook erwünscht ist.

Was mag Facebook an deinem Kommentar gestört haben?

Vermutlich waren zu wenige Ausrufezeichen drin. Zu wenig Hass und Hetze. Auch das bei Posts und Kommentaren mittlerweile scheinbar obligatorische "Du Spasti" oder "geh sterben!" hab ich völlig vergessen, zu benutzen. Das gehört offenkundig zu den Basics der Gemeinschaftsstandards. Mein Fehler.

Welche Konsequenz ziehst du aus dem Vorfall? Abschied von Facebook?

Das muss ich zumindest in Betracht ziehen. Eine Kommunikationsplattform, die normale, reflektierte Kommunikation blockiert und sanktioniert - was soll man da als geistig gesunder Mensch noch?

Möchtest du eine Forderung an Facebook stellen?

Ja. "Geht sterben, ihr Spastis!!!!" Ich hoffe, das war ein Tonfall, der den Facebook- Gemeinschaftsstandards entspricht.

Und jetzt eine Antwort, die den Gemeinschaftsstandards unserer Redaktion entspricht.

Ich erwarte, dass Facebook sich wieder auf seine Anfänge als Netzwerk des sozialen Miteinanders konzentriert, anstatt mehr und mehr zum digitalen Unrechtsstaat mit willkürlichen Bestrafungen zu verkommen. Wenn eine Seite mehr und mehr zur Homepage der NPD verkommt, läuft da etwas gewaltig schief.

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