"Farmville" bei Facebook: Millionen spielen Bauernhof 2.0
VON CAROLA SIEDENTOP UND DANIEL HECHT - zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 - 09:49Düsseldorf (RPO). In der schönen neuen Spielewelt grasen Erdbeermilch-Kühe und wachsen Auberginen neben Weihnachtssternen. Farmville heißt das kostenlose Bauernhof-Spiel, das bereits rund 68 Millionen Anhänger hat. Es ist der Renner beim Internet-Netzwerk Facebook. Doch es birgt auch Gefahren.
„Farmville“ kommt niedlich und harmlos daher, aber es hat einen hohen Suchtfaktor. Wie in einem Bilderbuch für Kinder sieht die idyllische Bauernhoflandschaft aus. Eine heile Welt im Web 2.0. Und sie zieht immer mehr Facebook-Mitglieder in ihren Bann, die kostenlos mitmachen können. Als Bauern kümmern sie sich um ihre Kühe, bestellen Felder mit Tomaten und Rüben.
Außerdem gilt es noch putzige Kätzchen zu adoptieren oder Schildkröten zu retten. Zu Weihnachten schmücken die Spieler ihre Farm liebevoll mit Rentieren, Zuckerstangen und Christbäumen. Und das alles erlebt der Spieler gemeinsam mit seinen Facebook-Freunden. Erfolgreich ist nur, wer auf die Hilfe seine Mitspieler setzen kann.
Spielen mit Freunden - wie daheim
Die Voraussetzungen für den Erfolg sind einfach: Das Spiel ist simpel aufgebaut, das Thema Bauernhof kennen Menschen auf aller Welt, und der Spieler kann viele soziale Kontakte dabei pflegen – zumindest beim gemeinsamen Unkraut jäten auf den virtuellen Feldern. „Ähnlich wie bei einem Brettspiele-Abend zuhause spiele ich mit meinen ganzen Freunden“ erklärt Dr. Benedikt Köhler, Soziologe und Forschungsleiter beim Medien-Unternehmen „Ethority“, die Faszination. Und jeder Freund bei Facebook erfährt, was der Spieler gerade auf seinem Bauernhof gemacht hat. „Da ist der Reiz natürlich groß, selbst mal bei Farmville reinzuschauen.“
Erst Anfang Juni 2009 wurde Farmville von der Firma „Zynga“veröffentlicht. Inzwischen ist es mit nach eigenen Angaben 68 Millionen Spielern so erfolgreich, dass es bald auch eigenständig im Internet gespielt werden können soll. Zum Vergleich: Das erfolgreichste Online-Rollenspiel der Welt, „World of Warcraft“ umfasst dagegen nur elf Millionen Nutzer.
„Farmville“ hat seine Spieler im Griff. Denn wenn sich der Nutzer nicht um seinen Bauernhof kümmert, verfault das Gemüse auf den Feldern und die Kassen des Bauern bleiben leer. „Das ist der ganz große Clou und macht einen Großteil des Suchtfaktors aus. Der Spieler muss mindestens zweimal am Tag reinschauen “, erklärt Köhler. Und so betreiben viele fast zwanghaft auch auf der Arbeit fleißig Landwirtschaft am Computer. Sehr zum Ärger vieler Chefs.
Liebevolle Farm-Gestaltung
In die Gestaltung des Bauernhof wird viel Zeit investiert, denn manche ziehen daraus Rückschlüsse auf den Charakter des Spielers: Wer etwa seine Kühe in Rieh und Glied einpfercht läuft Gefahr, als zwanghaft zu gelten. „Manche wollen sich selbst über die Gestaltung ein Profil geben und etwas Bestimmtes darstellen“, erklärt der Internet-Experte.
Für besonders ehrgeizige Spieler kann der Spaß auch teuer werden. Wer Abos und Newsletter über die Spiel-Oberfläche abschließt, wird mit speziellem Farmgeld belohnt. Dafür hagelte es bereits Kritik, denn nicht immer sind die Kostenfallen klar zu erkennen. Wer vom kleinen Bauern zum Großgrundbesitzer aufsteigen will, kann sich das auch mit ganz realem Geld erkaufen. Im Angebot sind bestimmte Gegenstände, die einem im Spiel voranbringen. „Gerade bei Farmville kommt man aber auch gut weiter, ohne etwas zu kaufen. Es dauert nur länger“, sagt Köhler. Das dürfte echte Fans erst recht motivieren.












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