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Streamingdienst
Netflix will Ländersperren abschaffen

Porträt: Das ist Netflix
Porträt: Das ist Netflix FOTO: Netflix
Los Gatos. Millionen Nutzer in Amerika, Europa und Ozeanien nutzen den Video-Streamingdienst Netflix. Das größte Ärgernis für die Abonnenten bisher: In jedem Land sind andere Angebote verfügbar. Das Portal plant nun die Abschaffung der Ländersperren und folgt damit eher zufällig der neuen Web-Strategie der Europäischen Union. Von Tim Harpers

Wer bisher auf dem Streamingportal Netflix unterwegs war, musste sich früher oder später über die aktivierte Ländersperre des Video-Anbieters ärgern. Die neuesten Staffeln von US-Serienhits wie "House of Cards" oder "Game of Thrones" waren zunächst nur in den USA verfügbar. Grund dafür sind Absprachen des Streamingdienstes mit privaten Fernsehanbietern wie Sky.

Der Geschäftsführer der Netflix-Gruppe Reed Hastings macht seinen rund 50 Millionen Abonnenten rund um den Globus nun aber Hoffnung, dass es in Zukunft keine regionalen Beschränkungen mehr geben wird. In einem Interview mit der australischen Ausgabe des Blog-Netzwerks "Gizmodo" kündigte er an, die Ländersperren mittelfristig abschaffen zu wollen. Einen konkreten Termin nannte er nicht.

Hintergrund dieser Entscheidung sei es, dass sich immer mehr Nutzer mit Hilfe von VPN-Diensten Zugang zu den bei Netflix USA eingestellten Inhalten verschaffen. VPN-Dienste gaukeln Internetseiten eine bestimmte Länderkennung vor, mit der sich regionale Beschränkungen umgehen lassen – eine rechtliche Grauzone.

So funktioniert Netflix FOTO: Christoph Schroeter

Die einzige Möglichkeit, diesem Problem Herr zu werden, sieht Hastings in der Globalisierung seines Streamingdienstes: "Netflix muss global werden. So stehen alle Inhalte weltweit zur Verfügung, sodass es keinen Grund mehr gibt, VPN-Netzwerke zu nutzen", sagte er der "International Business Time".

Auch die EU denkt über eine Aufhebung von Sperren im digitalen Wirtschaftsverkehr nach. Der zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger sagte dazu:  "Europa kann nicht an der Spitze der digitalen Revolution stehen, wenn gleichzeitig ein Flickenteppich von jeweils 28 unterschiedlichen Regelungen für Telekommunikationsdienstleistungen, Urheberrechte, IT-Sicherheit und Datenschutz zu beachten ist." Man brauche einen europäischen Markt, auf dem neue Geschäftsmodelle erfolgreich wachsen könnten. "Aber die Menschen müssen ebenfalls investieren – in ihre Internetkompetenzen, ob am Arbeitsplatz oder in der Freizeit."

Die EU-Kommisson hat deshalb für die kommenden Jahre drei Ziele ausgeben: Zum einen soll der Zugang zu digitalen Gütern für Unternehmen wie Privatnutzer gleichermaßen vereinfacht werden. Erreichen will man das mit der Entzerrung grenzüberschreitenden elektronischen Handels, dem Abbau geografischer Sperren, einer Modernisierung des Urheberrechts und einer Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer-Regelungen innerhalb der Europäischen Union.

Streaming Box - das kann Amazon Fire TV FOTO: ap, DB

Zweites Ziel ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Erfolg digitaler Dienstleister. Das Augenmerk der EU-Kommission liegt hierbei insbesondere auf Investitionen in die digitale Infrastruktur. Die Vergabe von Funkfrequenzen soll nach Ansicht der Kommission künftig von Brüssel aus verwaltet werden. Um legal tätige Internetunternehmen zu unterstützen, soll außerdem die Bekämpfung illegaler Inhalte ausgebaut werden.

Das langfristigste Ziel, das im Strategiepapier der EU-Kommission auftaucht, ist die "Schaffung einer europäischen digitalen Wirtschaft mit langfristigem Wachstumspotenzial". Wichtigste Stichworte in diesem Zusammenhang sind: "Industie 4.0", "Big Data" und "Cloud Computing". Der Begriff "Industrie 4.0" beschreibt ein Programm, mit dem die EU die Industrie bei der Einführung neuer Technologien und intelligenter Systeme unterstützen will – vor allem finanziell.

Mit "Big Data" ist die Frage nach dem Umgang mit den gewaltigen Datenmengen gemeint, die jeden Tag entstehen. Die EU fordert einheitliche Regelungen zur Nutzung dieser Informationen, um dem Datenschutz gerecht zu werden. Außerdem kann "Big Data", sofern es erst einmal allgemeingültige Normen gibt, als potenzielle Goldgrube für die Wirtschaft erschlossen werden.

Fotos: Wunderstick - Google Chromecast FOTO: Google

Ähnlich verhält es sich mit dem "Cloud Computing". Immer mehr Daten werden in virtuellen Speichern, sogenannten "Clouds", gesichert, auf die man von überall in der Welt Zugriff hat. Die EU-Kommission will einheitliche Rahmenbedingungen festlegen, damit Wirtschaft und Privatpersonen die Vorteile dieser gemeinsamen Netze voll ausnutzen können.

 

 

 
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