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Start von Wolfram Alpha: Neue Suchmaschinen-Generation

VON SUSAN TUCHEL - zuletzt aktualisiert: 28.09.2009 - 15:53

Düsseldorf (RP). Breit aufgestellte Suchmaschinen wie Google stoßen bald an ihre Grenzen, weil sie immer mehr Daten bewältigen müssen und wichtige Inhalte nicht von sinnlosen unterscheiden können. Ein semantisches Web verspricht genauere Treffer. Der erste Vertreter ist am Start: Wolfram Alpha.

Fast 96 Milliarden Anfragen schickten die Internetnutzer laut US-Marktforscher Comscore alleine im Februar dieses Jahres weltweit an die Suchmaschinen. Dabei steht in Deutschland der Gigant Google mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent mit weitem Abstand an der Spitze. Für Wettbewerber wie Yahoo oder Microsoft Live Search bleibt wenig Platz. Sogar in den Duden hat der Begriff "googeln" als Synonym für die Suche im Web Einzug gehalten.

Offenes Spielfeld

Mehr als zwölf Milliarden Webseiten hat der Suchriese mittlerweile in seinem Index. Das Ergebnis einer Anfrage sind nicht selten ellenlange Trefferseiten. Die listen jedoch häufig Ergebnisse auf, die der Nutzer nicht wirklich gesucht hat. Denn auch die ausgefeiltesten Algorithmen können nicht mit dem rasanten Wachstum des Internet Schritt halten. So hat Christoph Lindemann, Professor der Universität Leipzig, kürzlich in einer Web-Measurement-Studie des deutschsprachigen Web entdeckt, dass heute allein in der Top-Level-Domäne ".de" mehr als vier Millionen Websites online geschaltet sind.

Hierzu gehören allerdings nur ein paar Hundert sehr populäre Domains mit hochwertigen redaktionell gepflegten Inhalten. Der Rest enthält oft veraltete und häufig auch automatisch erzeugte Inhalte. "Ich fand es sehr interessant", so der Wissenschaftler, "dass es im deutschen Web Tausende unbekannter Websites gibt, die mehr als 100 000 Dokumente umfassen und mehr als 100 000 eingehende Verweise besitzen." Aufgrund dieser immer stärker werdenden Vermischung im Web von meist unnützem Content mit hochwertigen Inhalten werde es deshalb für allgemeine Internetsuchmaschinen immer schwieriger, dem Nutzer die relevanten Informationen zu liefern.

Eine Lösung für dieses Problem erwarten die Wissenschaftler vom semantischen Web, in dem die Suche nach Informationen differenzierter und präziser werden soll. Dazu müssen die Begriffe und Zusammenhänge, in denen der Mensch über einen bestimmten Problembereich nachdenkt und redet, von den Informatikern so aufbereitet werden, dass die Verbindungen für die Maschine erkennbar werden. Am weitesten ist damit der britische Mathematiker und Physiker Stephen Wolfram, dessen neue Suchmaschine "Wolfram Alpha" gerade gestartet ist.

Präzisere Suchergebnisse als bei Google, Microsoft Live Search oder AOL bieten schon heute vertikale Suchmaschinen, die durch gezielte Einschränkung auf Themenbereiche Schneisen in den Daten-Dschungel schlagen. So bietet vascoda (www.vascoda.de) Informationen für die wissenschaftliche Literaturrecherche und wurde dafür auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Hinter dem Umweltportal www.portalu.de steckt eine Suchmaschine mit dem Zugriff auf über zwei Millionen Internetseiten von Institutionen und Organisationen aus dem Öko-Bereich. 20 Millionen automatisch klassifizierte Webseiten von deutschen Unternehmen aus 50 Branchen enthält der Index von infometrics (www.infometrics.de), die Suchmaschine des Dortmunder Softwarehauses cometrics.

"Unsere Lösung ist auf bis zu 100 Millionen Webdokumente ausgelegt und kann auch zum Aufbau von vertikalen Suchdiensten für beliebige andere Themen wie Sport, Finanzen oder Gesundheit genutzt werden", erklärt cometrics-Suchmaschinenexpertin Silvia Wallner.

Egal, ob vertikale Suchmaschinen für Nischen oder semantische Verfahren – die Alternativen zu Google haben laut Beratungsfirma Forrester Research gute Chancen, denn mit Treue sei bei Nutzer nicht zu rechnen. Das mache den Suchmaschinenmarkt zu einem offenen Spielfeld – für alle Player, sind die Marktforscher überzeugt.


 
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