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Kommunikation kaum abzuhören
Warum Terroristen die Playstation 4 lieben

Playstation 4: Warum die Sony-Konsole bei Terroristen so beliebt ist
Die Playstation 4 von Sony: Auf der einen Seite eine harmlose Spielkonsole, aber auch mögliche Plattform für Terroristen. FOTO: afp, pk/AG/MS
Düsseldorf. Sonys Spielkonsole Playstation 4 steht bei Terroristen hoch im Kurs. Und das hat einen guten Grund. Die Konsole bietet verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten, denen eines gemein ist: Sie sind kaum abzuhören. Von Christoph Schroeter

Geheimdienste hatten es früher deutlich einfacher. Um die Kommunikation zwischen Terroristen und anderen Kriminellen abzuhören, mussten Briefe abgefangen, Wanzen versteckt und Telefone abgehört werden.

Heutzutage stellt sich das deutlich schwieriger dar, nicht nur, weil die Zahl der Möglichkeiten der Kommunikation enorm zugenommen hat, nein, es gibt auch Mittel und Wege, die ein Abhören fast unmöglich machen.

Die Playstation 4 im Test FOTO: dpa, Andrea Warnecke

Dabei geht es nicht um Handys, Satelliten-Telefone, E-Mails, Twitter oder WhatsApp-Nachrichten. Diese Formen des Nachrichtenaustausches sollten die Geheimdienste weitgehend im Griff haben. Was ihnen Kopfzerbrechen bereitet ist die Playstation 4 von Sony, die Xbox One von Microsoft oder auch die Wii U von Nintendo.

Gespräche in Sonys PSN-Netzwerk

Die Playstation 4 zum Beispiel bietet die Möglichkeit, mit andern Spielern zu sprechen oder ihnen über das PlayStation Network (PSN) Nachrichten zu schicken. Darüber hinaus kann auch innerhalb von Online-Computerspielen miteinander kommuniziert werden.

Nur drei Tage vor den schrecklichen Anschlägen in Paris hat der belgische Innenminister Jan Jambon in einem Interview mit "Politico Europe" darauf hingewiesen, wie schwierig es für die Geheimdienste ist, diese Kommunikation über die Playstation 4 zu entschlüsseln.

Ob die Verantwortlichen der Anschläge vom 13. November in Paris ebenfalls diesen Kommunikationsweg wählten, darüber gibt es derzeit noch keine Erkenntnis.

Dass Terroristen sich auch einer Kommunikation innerhalb von Online-Spielen bedienen, ist spätestens seit 2013 bekannt. Damals enthüllte Edward Snowden Dokumente, die offenlegten, dass sich Agenten von NSA und CIA unter anderem in dem Spiel "World of Warcraft" umsehen, um mögliche virtuelle Treffen von Terroristen zu infiltrieren.

Kommunikation ohne Worte

Weitere Beispiele für eine Kommunikation innerhalb von Computer- und Konsolenspielen nennt das US-Magazin "Forbes". So könnten Terroristen in dem Wii-U-Spiel "Super Mario Maker" etwa Wörter und Sätze aus Münzen bilden und so einen Angriffsplan an einen Freund weitergeben.

Call of Duty: Ghosts FOTO: Activision

In dem Ego-Shooter "Call of Duty" etwa sei es möglich, sich online mit einem Komplizen zu treffen und dann Buchstaben mit einem Maschinengewehr auf eine Wand zu schießen. Auch so könnten Pläne für Terrorattacken weitergereicht werden, ohne dass auch nur ein einziges Wort gesprochen werden müsste.

Kein Geheimdienst der Welt wäre in der Lage, solche "Gespräche" abzuhören und auszuwerten.

Gegenüber der Website "Eurogamer" hat Sony jetzt Stellung zu den Vorwürfen genommen: "Die Playstation 4 erlaubt die Kommunikation mit Freunden und anderen Spielern, und so wie alle modernen vernetzten Geräte bietet das Potenzial für Missbrauch. Wir nehmen unsere Verantwortung, unsere Nutzer zu beschützen, sehr ernst."

Mit den Gefahren, die aus dem Netz drohen, befasste sich jetzt die "Cyber Defence Conference"  in Bonn.

Alle Nachrichten und Infos zu den Anschlägen in Paris finden Sie hier.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels schrieben wir, dass der belgische Innenminister nach den Anschlägen von Paris vor der Playstation 4 als Kommunikationsmittel für Terroristen gewarnt hat. Jan Jambon äußerte diese Sorge allerdings schon am 10. November. Diesen Fehler haben wir korrigiert. Wir bitten ihn zu entschuldigen. 

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