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Studenten wandern massenhaft ab: Rebellion im StudiVZ

VON ANJA RAUDONAT - zuletzt aktualisiert: 10.01.2008 - 10:12

Düsseldorf (RP). Die Macher der beliebten Kontakt-Plattform im Internet haben die Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert. Viele Studenten fürchten nun um den Datenschutz – und verlassen massenhaft das Verzeichnis.

Das StudiVerzeichnis ist mit vier Millionen registrierten Nutzern die größte studentische Internet- Gemeinschaft des deutschsprachigen Raums. In dieser Woche jedoch sind einige tausend User abgesprungen. Der Grund: Die Macher haben Mitte Dezember die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geändert, und unter Studenten wird darüber ordentlich gemurrt.

Wer die neuen AGB samt Datenschutzerklärung bis zum 9. Januar nicht akzeptiert hat, kann das StudiVZ nicht mehr nutzen. Alle anderen müssen personalisierte Werbung hinnehmen. Sie wird anhand der persönlichen Daten (Alter, Geschlecht, Studiengang, Gruppenzugehörigkeit und Interessen), die im von jedem Mitglied selbst erstellten Profil aufgelistet sind, verschickt.

Dem Studenten des Brauereiwesens wird also die Bierwerbung eingeblendet, der Romanistik- Studentin der „Sprachurlaub Spanisch mal anders“? Nicht unbedingt; die personalisierte Werbung sowie die Werbung frei Haus – per E-Mail – kann man ausschalten.

Die Waffe der Rebellen heißt heute Photoshop

Das StudiVz scheint sein Vertrauen trotzdem bei einigen Studenten verspielt zu haben. Viele fürchten, dass ihre Daten verkauft werden könnten, treten daher lieber inkognito auf und faken ihre Profile. Plötzlich wimmelt es von Charlotte Casiraghis oder Paris Hiltons und absurden Fantasienamen. Eine kreative AGB-Protestbewegung von erstaunlichem Ausmaß ist in Bewegung gekommen.

Statt eines Portraits des Mitglieds prangen nun in vielen Profilen links oben Protestplakate Marke Eigenbau. Bettlaken und Plakatfarbe sind altmodisch; die Waffe der Rebellion heißt heutzutage Photoshop – die Guerilla 2.0 geht auf die Barrikaden. So wird das Firmenlogo zu „SchnüffelVZ“ oder „StasiVZ“ verfremdet und als Profilbild genutzt.

Allein die zwei größten Protestgruppen haben über 20000 Mitglieder, hinzu kommen über hundert kleinere. Sollten alle Mitglieder dieser Gruppen ihre Drohungen wahrmachen und die AGB boykottieren, wäre das StudiVZ um Zehntausende Mitglieder ärmer.

Ein Vertrauensbeweis

Michael Brehm, Mitgründer der Online-Community, ist dennoch zufrieden. „Wir können nicht sagen, wie viele Leute ihre Mitgliedschaft beendet haben. Bisher hat aber schon die große Mehrheit zugestimmt.“ Das Gros der Studenten sieht die Situation denn auch sehr entspannt und bestätigte die AGB samt Datenschutzerklärung blindlings – ein Vertrauensbeweis für die Internetplattform und ihre Macher.

Torsten W. (30) macht seinen Master in Finance & Banking in Lahr und ist Gründer der Gruppe „Neue studiVZ AGB (12/07) – ich bin dann mal weg!!!“ (über 7000 Mitglieder). Die Gruppe gründete er als Reaktion auf die neue AGB des StudiVZ. Als besondere Frechheit empfand er die angekündigte Clickstream-Analyse. „Das hieß, dass das StudiVZ auswerten darf, was der User wann wo angeschaut hat, was dem gläsernen Benutzer doch sehr nahe kommt.“ Nach massiven Protesten änderten die Verantwortlichen die Geschäftsbedingungen in die jetzige, angeblich entschärfte Version. Keine Werbung per SMS wie geplant – vorerst.

Es gibt Alternativen

Torsten hat jedoch – wie Tausende andere Studenten auch – nicht akzeptiert und kann seinen Account ergo nicht mehr nutzen. Möchte er auch gar nicht: „Das Vertrauen wurde schon mit der ersten Version verspielt, denn daran konnte man sehr schön sehen, wo die Reise eigentlich hingehen sollte.“

Glücklicherweise gibt es Alternativen für das so genannte „Social Networking“, worunter auch das StudiVerzeichnis fällt. Ein Düsseldorfer Kunstgeschichts-Student, im StudiVZ als „Depunkt Empunkt“ bekannt, formuliert es so: „Ich gönne es den Gründern, dass sie so viel Geld für ihre gute Idee bekommen haben, aber ich verurteile die schleichende Kommerzialisierung.“ Ein mittlerweile gelöschter Benutzer aus Torstens Forum drückt es noch drastischer aus: „Der Überwachungsstaat kommt schleichend, und dabei geht’s nicht mal immer um die terroristische Bedrohung, sondern um: PROFIT.“


 
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