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Interview mit Sami Slimani
Jetzt spricht der Youtuber, den Jan Böhmermann abgeknallt hat

Sami Slimani - jetzt spricht der Youtuber, den Jan Böhmermann abgeknallt hat
Auch schon verliebt in Sami Slimani? FOTO: Emrah Bayka
Sami Slimani gehört zu den bekanntesten und gleichzeitig umstrittensten Youtubern Deutschlands. Im Interview spricht er über "Neo Magazin Royale"-Moderator Jan Böhmermann und Schleichwerbung und erklärt, warum man alle fünf Tage den Kopfkissenbezug wechseln sollte. Von Sebastian Dalkowski

Wer es böse mit Sami Slimani meint, der findet, dass sein einziges Talent ist, zu verbergen, dass er keines hat. Wer es gut mit ihm meint, der findet, dass er 15-jährige Teenager motiviert, an sich selbst zu glauben. Einst war er ein pummeliger, pickeliger Junge, doch seitdem der Sohn eines Tunesiers und einer Französin 2009 unter dem Namen "Herr Tutorial" sein erstes Youtube-Video veröffentlicht hat, geht es mit Selbstbewusstsein und Aussehen steil nach oben.

In den Clips gibt der 25-Jährige ohne Textvorlage Tipps für Haut, Mode, Küche und Freizeit und packt vor laufender Kamera Einkaufstüten aus. Damit hat er es zu fast 1,4 Millionen Abonnenten bei Youtube gebracht und vielen Fans und Feinden. Der TV-Entertainer Jan Böhmermann macht sich regelmäßig über Slimani lustig.

Doch was hat der Kerl zu sagen, wenn die Kamera nicht läuft? – eine Begegnung in einem Düsseldorfer Hotel.

Sind Ihre Arme und Hände eigenständige Wesen?

Sami Slimani Wahrscheinlich. Genau wie meine Mimik. Die Arme zu bewegen gehört zu meinem Ausdruck, wenn ich spreche. Aber wie Sie selbst sehen, geht es ja gerade.

Was können Sie am besten?

Menschen motivieren, nicht aufzugeben und immer an sich zu glauben. Das ist ein großer Aspekt, der meinen Erfolg ausmacht. Dass ich Menschen diese Hoffnung gebe.

Was würden Sie denn noch gerne ausprobieren?

Das ist schwer zu sagen. Ich habe schon sehr viele meiner Ziele umgesetzt. Sei es, beim Fernsehen zu arbeiten oder als Designer bald meine erste eigene Kollektion zu machen. Beim Fernsehen will ich meine Karriere weiter ausbauen. Vielleicht möchte ich aber auch noch den ein oder anderen Roman schreiben.

Einen Roman?

Ich bin ein sehr kreativer Kopf. Es gibt nichts, was ich ausschließen würde. Im Dschungelcamp sehe ich mich aber nicht.

Haben Sie schon einen Roman in der Schublade?
Mein eigenes Leben könnte ein sehr inspirierender Roman sein.

Für einen Roman müssten Sie sich schon ein bisschen was ausdenken.

Einfach eine Story aus einer anderen Perspektive. Nur nicht auf mich bezogen.

Ein Sachbuch haben Sie ja schon zusammen mit Ihren Schwestern geschrieben: "Das Slimani-Prinzip". Meine Lieblingsstelle, weil sie so eindeutig und praktisch ist: "Optimal ist es, wenn Du Dein Kopfkissen alle fünf Tage neu beziehst." - warum genau fünf?

Jeder Mensch arbeitet fünf Tage in der Woche und fällt fünf Tage in der Woche erschöpft ins Bett. Deshalb alle fünf Tage. Generell wollte ich damit sagen, dass es wichtig für eine klare Gesichtshaut ist, auch auf solche Dinge zu achten. Manchmal sind wir so müde und fallen nach einem langen, harten Tag direkt in unser Bett, ohne das Gesicht zu waschen. Dann bauen sich die Bakterien auf den Bezügen auf.

Wechseln Sie denn alle fünf Tage den Kopfkissenbezug?

Ich bin kaum zuhause, deshalb spielt das für mich keine Rolle.

Eine andere Stelle: "Bei mir zeigt sich diese Neugierde zum Beispiel darin, dass ich mich schon morgens nach dem Aufstehen darüber informiere, was gerade in der Welt passiert. Ich will wissen, welche Themen die Menschen beschäftigen und welche Nachrichten aktuell sind." – was hatten Sie da heute auf dem Schirm?

Absolut gar nichts, weil ich schon seit 15 Stunden unterwegs bin und gerade erst aus Hongkong eingeflogen bin. Das Wichtigste ist zu wissen, dass es meiner Familie und meinen Freunden gutgeht.

Interessieren Sie sich für Dinge, die in Politik und Gesellschaft passieren?

Schon, aber da verfolge ich strikt die Maxime, dass ich meine Meinung nicht kund tue. Da ich ein Meinungsbildender bin, will ich meine eigene Meinung bei solchen Themen nicht so sehr in den Vordergrund stellen.

Also würden Sie sich auch nicht wie andere Youtuber und Prominente zum Thema Flüchtlinge äußern?

In der Regel bin ich schon dafür, dass man sich für einige Dinge einsetzen muss. Definitiv. Was Flüchtlinge betrifft, sind die Meinungen stets geteilt. Ich habe definitiv dazu aufgerufen, dass die Menschen, die Hilfe brauchen, diese Hilfe auch bekommen sollen. So viel dazu.

Man kennt Sie unter anderem dafür, dass Sie vor laufender Kamera Produkte aus einer Einkaufstüte holen und sie vorstellen. Alles, was Sie rausholen, finden Sie gut. Warum raten Sie nicht mal von Dingen ab?

Ich habe demnächst ein Video geplant über Produkte, die absolut nicht hilfreich waren.

Können Sie schon ein Produkt nennen?

Da möchte ich jetzt kein spezielles Unternehmen nennen in einem Interview.

Aber im Video werden Sie es ja auch machen.
Genau, da können Sie gespannt sein. Die Sache ist: Bei vielen Produkten ist es auch abhängig von den Leuten, die sie nutzen. Jeder Mensch, jede Haut reagiert anders. Was bei mir funktioniert, funktioniert bei anderen vielleicht nicht. Und umgekehrt.

Okay, was hat bei Ihnen nicht funktioniert?

Eine Gesichtspflege, die ich mal ausprobiert habe und die nicht so feuchtigkeitsspendend war, wie ich es mir versprochen hatte.

In Ihrem Buch schreiben Sie gleich zu Beginn, dass Sie der Visionär der Familie sind. Worin besteht denn Ihre Vision?

Die Vision, dass jeder Traum in Erfüllung gehen kann, wenn man hart genug dafür arbeitet und weiß, wie man sich zu präsentieren hat. Visionen entstehen bei mir Tag für Tag.

Was war Ihre letzte Vision?

Ich wollte unbedingt mal Juror in einer Fernsehsendung sein und konnte das jetzt zum Teil bei Austrias Next Top Model umsetzen. Da war ich als Coach in Hongkong.

Im Internet müssen Sie ziemlich viel Hass aushalten. Wie gehen Sie damit um?

Meine Eltern haben mir früh beigebracht, sich negative Kommentare nie zu sehr zu Herzen zu nehmen und bei positiven Kommentaren immer auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und zu wissen, dass es jederzeit vorbei sein kann.

Sie haben einen ziemlich bekannten Kritiker: Jan Böhmermann. Als Sie kürzlich in einem Video ankündigten, eine eigene Mode-Kollektion herauszubringen, hat er die dort auftauchenden Entwürfe genommen und daraus ziemlich alberne Kleidungsstücke anfertigen lassen.

Das habe ich gesehen. Das fand ich lustig. Es ist eine Ehre, dass sich jemand die Zeit nimmt und eine ganze Sendung darüber macht. Das habe ich nicht als Hass empfunden.

Ich glaube nicht, dass Jan Böhmermann Sie mag.

Das spielt ja keine Rolle. Ich bin generell nett zu jedem, ob er mich hasst oder nicht.

Entsprachen die Kleidungsstücke den Entwürfen?

Nein, aber sie waren sehr inspirierend.

Es war nicht das erste Mal, dass sich Jan Böhmermann mit Ihnen beschäftigt hat. Er hat ein Video, das Sie gemacht hatten, bearbeitet und Ihnen dort den Kopf weggeschossen, woraufhin es Konfetti regnete. Sie haben das Video bei Youtube sperren lassen. Hätten Sie das nicht einfach stehenlassen können?

Als ich das nachts um 3 Uhr gesehen habe, habe ich mir gedacht: Was wäre gewesen, wenn ich ZDF-Content genutzt hätte für meinen Kanal? Das Video wäre sofort gesperrt worden. Es ging mir nur um die Quellenangabe. Ich wollte einfach nur genannt werden. Im Nachhinein war es unnötig, wenn man überlegt, was es für Wellen geschlagen hat. Jeder soll mit dem Content rumwerfen, wie er will.
 

Würden Sie es also beim nächsten Mal nicht sperren lassen?

Genau. Man lernt ja immer dazu.

Wäre doch schön, wenn Sie mal in seine Sendung Neo Magazin Royale gehen.

Wer weiß. Jan Böhmermann hat mich jedenfalls in seine Sendung eingeladen. Den Sendeplan habe ich schon zugeschickt bekommen. Die Redaktion hat gesagt, ich solle mir aussuchen, wann ich kommen möchte.

Wird es klappen?
Ja, wenn ich Zeit habe und im Lande bin, dann bestimmt.

(Anmerkung des Autors: Die Produktionsfirma vom Neo Magazin Royale, "Bild- und Tonfabrik", teilt mit: "Wir haben Sami Slimani nie als Talkgast für das Neo Magazin Royale angefragt, nur einmal als kleinen Cameo-Auftritt bei der ,History of Rap'."

Wir kommen an dem Thema Produktplatzierung/Schleichwerbung nicht vorbei. Wie kennzeichnen Sie Produkte, wenn Sie diese nicht selbst gekauft haben?

Wenn es eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen ist, dann wird das im Video verbal erwähnt und in der Info-Box.

Aber im Gegensatz zu anderen blenden Sie nicht das "P" für Produktplatzierung ein. Warum?

Da ist sich ja selbst die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg...

… die für Sie zuständig ist...

..nicht einig. Ich bin schon in vielen Gesprächen mit ihnen gewesen, und wir arbeiten an einer genauen Lösung.

Bei der Landesanstalt heißt es, sie hätte eine sichtbare Kennzeichnung im Video vorgeschlagen, zum Beispiel in Form eines "P". Sie hätten das aber abgelehnt.

Also ich habe absolut nichts gegen ein "P" im Video.

Bei einem Ihrer aktuellen Videos ist mir aufgefallen, dass auf den Verpackungen aller Produkte die Namen mit einem schwarzen Klebeband überklebt waren. Das war vorher nicht der Fall.

Weil es die vielen Skandale gegeben hat, gehen die Leute nicht davon aus, dass man ein ganz normaler Mensch ist, der auch ganz normale Produkte von bestimmten Marken verwendet, ohne dass es eine Kooperation gibt. Dementsprechend versuche ich, dem entgegenzuwirken und klebe das ab.

Sie geben Produktempfehlungen, zeigen Mode, geben praktische Tipps für den Alltag. Könnten Sie sich auch vorstellen, Ihre Popularität – und das meine ich jetzt gar nicht böse - für gesellschaftlich oder politisch relevantere Dinge einzusetzen?

Haben Sie meine Videos zum Thema Mobbing schon gesehen? Mir ist wichtig, meine Reichweite zu nutzen, um den Leuten ein gutes Vorbild zu sein.

Aber solche Videos sind ja nicht in der Mehrheit. Haben Sie nicht das Bedürfnis, stärker auf ernstere Themen zu setzen? Es gibt ja bessere Wege, glücklich zu werden, als sich glücklich zu kaufen.

Einkaufen macht eh nicht glücklich.

Nicht?

Nein.

Aber Sie empfehlen doch so viele Dinge in Ihren Videos.

Die Zuschauer, die mich schon länger kennen, und die mich nicht nur auf Youtube verfolgen, sondern auch auf Facebook, Twitter und Instagram, die wissen schon, wie ich ticke. Die wissen auch, dass Einkaufen nicht das Wichtigste im Leben ist.

Was macht Sie dann glücklich?

Familie und Freunde und meine Zuschauer, denen ich Tag für Tag auf der Straße begegne.

Sie sagen in Ihrem Buch und anderswo, man soll sich akzeptieren, wie man ist, geben aber regelmäßig Schminktipps und Klamottentipps – wie passt das zusammen?

Ist das für Sie so konträr?

Man passt sich da ja schon einer gesellschaftlichen Norm an.

Die Grundeinstellung sollte sein, sich zu akzeptieren, wie man ist, und mit dem zu arbeiten, was man hat. Und wenn es die Anti-Pickel-Creme ist, um einige Pickel zu bekämpfen, die einen stören und am Selbstbewusstsein kratzen, dann sollte man das tun.

Sie weisen immer wieder darauf hin, dass Sie früher selbst pummelig und pickelig waren. Hätten Sie denselben Erfolg, wenn Sie noch immer so aussehen würden wie damals?

Ich habe schon viele Dinge erlebt und mit sehr vielen Leuten gearbeitet und es kommt nicht immer aufs Äußere an. Am Ende kann der Charakter viel schöner strahlen als jedes makellose Gesicht.

Ist denn ein gutaussehendes und gutgepflegtes Gesicht ein Wert an sich?

Ein schönes, gepflegtes Gesicht ist nicht alles im Leben.

Aber es ist Ihnen wichtig.

Definitiv. Aber das ist nur meine eigene Meinung.

Haben Sie Sorge vor nachlassendem Ruhm? So rasant, wie Ihre Youtube-Karriere verlief, so rasant könnte sie auch wieder vorbei sein.

Sorge nicht, weil ich mir viele Standbeine aufgebaut habe außerhalb des Internets. Ich bezeichne mich außerdem sowieso nicht als Youtube-Star.

Sondern?

Als Mensch, der sich einfach vor eine Kamera gestellt und Erfolg hat – durch die Unterstützung von Menschen, die ihn so, wie er war und ist, toll finden.

 

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