Urteil zu spickmich.de: Schüler dürfen Lehrer weiter benoten
zuletzt aktualisiert: 11.07.2007 - 18:03Köln (RPO). Das Landgericht Köln hat eine einstweilige Verfügung gegen die Betreiber des Internetportals spickmich.de aufgehoben. Auf der Seite können Schüler ihre Lehrer in mehreren Kategorien Noten geben. Bewertet wird zum Beispiel die Notenvergabe oder das Aussehen der Pädagogen. Eine Lehrerin aus Moers hatte dagegen geklagt. Sie sah ihre Persönlichkeitsrechte verletzt.
Die Lehrerin eines Gymnasiums aus Neukirchen-Vluyn am Niederrhein war gegen die drei Kölner Betreiber des Internetforums "Spickmich.de" vor Gericht gezogen. Die aus Moers stammende Frau fühlte sich durch die Benotungen mehrerer Schüler verunglimpft und in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt.
Eine Benotung müsse sie jedoch hinnehmen, entschied das Gericht. "Es geht hier nicht um eine diffamierende Schmähkritik oder um Tatsachenbehauptungen", erklärte ein Gerichtssprecher. Die Benotungen seien als freie Meinungsäußerung zu werten.
Nur benoten, nicht beschimpfen
Anders sei es, wenn Schüler neben der Note auch noch Kommentare über ihre Lehrer abgäben. "Hier müsste im Einzelfall geprüft werden, ob es sich dabei um eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte handelt. Dieses Urteil hier ist kein genereller Freibrief für Schüler im Internet", betonte der Sprecher. Da die Lehrerin aus Moers aber nur benotet und nicht beschimpft worden sei, müsse sie dies hinnehmen.
Die Pädagogin hatte in dem Internetforum nicht besonders gut abgeschnitten. In Kategorien wie "menschlich, cool, witzig, fair", aber auch "sexy" gaben ihr die Schüler die Gesamtnote 4,3. Die Lehrerin war damit nicht einverstanden und hatte rechtliche Schritte gegen die Betreiber eingeleitet.
Die Gründer von "Spickmich.de" begrüßten das Urteil. Bei dem Internetangebot gehe es nicht darum, Lehrer zu diffamieren, sondern ihre Leistungen zu bewerten und ihnen gegebenenfalls auch ein negatives Feedback zu geben, sagte Bernd Dicks. Grundsätzlich würden mehr als 60 Prozent der Lehrer mit einer 1 oder einer 2 vor dem Komma bewertet, hieß es.
Die Internetseite wurde von drei Kölner Studenten ins Leben gerufen und ist seit rund vier Monaten im Internet zugänglich. Nach Angaben von Dicks haben sich seitdem schon mehr als 150 000 Schüler registrieren lassen.
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