Wie "Spickmich.de" funktioniert: Schüler vergeben nicht nur Noten
VON YVONNE STOCK - zuletzt aktualisiert: 07.11.2007 - 13:26Düsseldorf (RPO). Viele Schüler haben aufgeatmet, denn “spickmich.de“ darf vorerst online bleiben. Sie dürfen ihren Lehrern weiter anonym im Internet Noten geben. Das Oberlandesgericht Köln erklärte das Urteil der ersten Instanz für prinzipiell zutreffend, eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus.
Eine Lehrerin aus Neukirchen-Vluyn hatte gegen ihre Bewertung im Internet geklagt. Die Richter der ersten Instanz waren der Meinung die Benotung sei durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt, so lange es sich nicht um Schmähkritik handle. Sie kennen “spickmich.de“ noch nicht? Wir haben uns eingeloggt und uns mal umgeschaut.
Name, Schule und Ort müssen bereits bei der Anmeldung auf der Seite angeben werden. Diese erscheinen dann nach dem ersten Einloggen auf einer persönlichen Seite. Dort kann man kann Fotos und Videos hochladen, seine Lehrer eintragen und einen Blogeintrag schreiben. Die echten Freunde können, nach einer Freischaltung, zu virtuellen Freunden werden und erscheinen auch auf der eigenen Seite.
In der Rubrik „Meine Schule“ geht es dann zur eigentlichen Sache. Dort kann der Schüler in verschiedenen vorgegebenen Kategorien seine Schule benoten. Die Qualität der Lehrer, das Gebäude, die technische Ausstattung, Sportmöglichkeiten, Unterrichtsausfall und die Essensmöglichkeiten können bewertet werden. Daraus wird eine Gesamtnote errechnet.
Flirt- und Partyfaktor
Ein “spickmich-Trendbarometer“ zeigt zudem den Flirt- und Partyfaktor an der Schule an, sowie das Klima unter den Mitschülern und den Alkoholkonsum. Schnell eine Bewertung abgeben und dann geht es zu den lieben Mitschülern. Alle, die bei “spickmich.de“ unter der eigenen Schule registriert sind, werden dort angezeigt. Man kann auf ihre Seite gucken, eine kurze Nachricht schicken und gucken mit wem sie so befreundet sind.
Anschließend geht’s ins virtuelle Lehrerzimmer. Alle Lehrer der Schule werden mit ihrer Gesamtnote erst angezeigt, wenn mehrere Schülerbewertungen eingegangen sind. Klickt man auf den jeweiligen Lehrer öffnet sich eine neue Seite. Dort wird gezeigt aus wie vielen Bewertungen die Gesamtnote entstanden ist. Die Bewertungskategorien reichen von „fachlich kompetent“, „cool und witzig“, über „faire Noten“ und „faire Prüfungen“ bis „menschlich“ und „beliebt“. Die Kategorie „sexy“ wurde nach der Klage der Lehrerin entfernt.
Jetzt kann man den Lehrer auch selbst bewerten und Zitate von ihm eintragen. Diese werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion angezeigt. Der Notenvergeber bleibt völlig anonym, der Lehrer kann nicht nachvollziehen, welcher seiner Schüler ihn im Internet bewertet hat. Am Schluss das Zeugnis für den Lehrer ausdrucken und am nächsten Tag im Unterricht überreichen.
Verschiedene virtuelle Clubs
Anschließend bietet sich noch ein Blick in die “Top 10“ an. In dieser Rubrik werden die zehn Lehrer mit den schlechtesten Noten (Bewertung von 5,4 bis 5,7) und die Lehrer mit den besten Noten (reicht von 1,0 bis 1,1) angezeigt. Damit wäre wohl auch das Argument gegen das Portal widerlegt, dass die Schüler sich nur an den Lehrern rächen wollen.
"Spickmich.de" ist nebenher auch eine ganz normale Online-Community, wie “StudiVZ“, “Myspace“ und “Xing“. Es gibt verschiedene virtuelle Clubs, denen man beitreten kann. „Spende für die Vernichtung von Tokio Hotel“ hat momentan die meisten Mitglieder, vor „Gegen das Rauchen“. Letzterem sind immerhin 4667 Schüler beigetreten, die gängigen Vorurteile gegen die Jugend von heute werden auch hier nicht bestätigt. Unter „meine Stadt“ werden Events angezeigt, zu denen man sich gleich anmelden kann.
Für neugierige Lehrer und Eltern gibt es einen Interessentenlogin. Nach der Anmeldung kann nach der jeweiligen Schule gesucht werden. Dann erscheinen aber nur die Lehrer mit ihren Bewertungen. Mehr ist mit diesem Zugang nicht möglich, es gibt keinen Zugriff auf die allgemeine Schulbewertung oder die Schülerseiten.
Nur einmal anmelden
“Spickmich.de“ wird von den Kölner Studenten Tino Keller, Manuel Weisbrod und Philipp Weidenhiller betreut. Diese haben dafür eine eigene Firma gegründet. Das Portal ist aber (noch?) werbefrei und die Anmeldung kostenlos. Die Betreiber versprechen zudem die persönlichen Daten der Schüler nicht weiterzugeben. Alle Schüler, die sich anmelden wollen müssen über zehn Jahre alt sein. Jeder soll sich nur ein Mal anmelden, ob das überprüft wird, kann aber nicht nachvollzogen werden.
Das Oberlandesgericht Köln bewertete die Anonymität der Notengeber grundsätzlich nicht als schädlich. Es müsse aber geprüft werden, ob die Lehrerbewertung dadurch manipuliert werden könne. Der Vorsitzende Richter erklärte, er halte eine Entscheidung dieser Grundsatzfrage durch den Bundesgerichtshof oder das Bundesverfassungsgericht für hilfreich. Momentan neige der Senat aber nicht dazu, die Entscheidung aus erster Instanz auszuhebeln. Die endgültige Entscheidung wird am 27. November erwartet.
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