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Das Rheinland im Social-Media-Check
So fit sind die Städte bei Facebook – oder auch nicht

So social ist das Rheinland: NRW-Kommunen im Facebook-Check
Wir haben bei Facebook nach 49 Städten aus dem Verbreitungsgebiet von RP ONLINE gesucht. Viele Kommunen hatten gar keinen Auftritt. FOTO: afp, Robyn Beck, Lothar Berns
Düsseldorf. Korschenbroich will nicht zu Facebook. Aber wie sieht es mit anderen Städten im Rheinland aus? Anreize gibt es genug. Soziale Netzwerke versprechen Bürgernähe. Doch das Ergebnis unseres Checks in rund 50 Städten der Region fällt ernüchternd aus. Von Vassili Golod

Gefühlt ist heute jeder bei Facebook: Der Nachbar, die Arbeitskollegin, ja sogar der eigene Opa. Prominente Sportler, Musiker und Nachrichtenseiten sowieso. Aus gutem Grund: Anders als bei einer klassischen Homepage ermöglichen soziale Netzwerke direkte Kommunikation. 

Bürgernähe, Austausch, das Ohr an den Bedürfnissen der Menschen – für Städte verspricht die Beteiligung in sozialen Netzwerken wie Facebook große Chancen. Bürger ließen sich auf einfachem Weg über Neuigkeiten informieren, Dialog auf Augenhöhe wäre möglich.

Doch in der Praxis sieht es anders aus. So hat sich der Rat von Korschenbroich jüngst gegen einen Auftritt bei Facebook ausgesprochen. Das sei mit dem vorhandenen Personal nicht umzusetzen, begründete Bürgermeister Marc Venten die Zurückhaltung.

Mit dieser Haltung steht er nicht alleine. Das zeigt unser Facebook-Check für die Region. 

Die Städte

Wir haben bei Facebook nach 49 Städten aus dem Verbreitungsgebiet von RP ONLINE gesucht. Das Ergebnis: Nur 29 Kommunen betreiben eine eigene Facebookseite. Hinzu kommt: Die Städte Geldern und Langenfeld haben bis jetzt noch nichts gepostet. 

Der Spitzenreiter...

... ist mit großem Abstand die Stadt Köln. Sie hat mehr als 576.000 Fans und veröffentlicht jeden Tag im Durchschnitt fünf Posts. Statistisch gesehen sind mehr als die Hälfte der Einwohner Kölns auch Facebook-Fans ihrer Stadt. "Uns freut, dass wir so viele Fans haben", sagt die Online-Chefin der Stadt Köln, Sabine Möwes.

Insgesamt sechs Mitarbeiter haben Zugriff auf die Seite und pflegen sie mit Inhalten aus verschiedenen Ressorts. Zwei Aspekte liegen Möwes dabei besonders am Herzen: "Wir wollen da sein, wo unsere Bürger sind und wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, auf einfachem Weg mit uns in den Dialog zu treten." Eine Facebook-Nachricht sei in der Regel schneller geschrieben als ein Brief oder eine Mail. Mit diesem Service sieht Sabine Möwes vor allem einen großen Imagevorteil für ihre Stadt.

Das lässt sich auch in Zahlen beziffern. So liegt der Werbewert der Kölner Seite bei etwa 15.000 Euro. So viel Geld müsste die Stadt ausgeben, um mit Werbung die gleiche Anzahl der Menschen anzusprechen, die sie bei Facebook erreicht.

Die Interaktionsmaschine

Die Stadt Düsseldorf ist die Kommunikations-Kommune im Rheinland. Wer die Seite anschreibt, bekommt im Schnitt innerhalb von sechs Minuten eine Antwort. "Social Media ist keine Einbahnstraße", sagt der Facebook-Beauftragte der Stadt. Düsseldorf setzt bei Facebook vor allem auf Information und Kommunikation – bunte Meldungen sind eher die Ausnahme. Der Mix auf der Köln-Plattform sieht bunter aus.

Mit 47.000 Likes liegt die Landeshauptstadt weit hinter der Domstadt. Statistisch gesehen hat gerade mal jeder zehnte Düsseldorfer seinem Wohnort einen Daumen geschenkt. Hier besteht also durchaus noch Potenzial.

Das typisches Dilemma

Die Stadt Geldern hat eine Facebook-Seite – bis jetzt aber noch ohne Inhalte. Das soll sich ab Mai ändern, erklärt ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Kommentarfunktion wolle man allerdings von Anfang an maximal einschränken.

Dabei liegt die eigentliche Stärke sozialer Netzwerke doch im direkten Austausch mit den Fans. Die Sorge der Stadt: Für einen aktiven Netz-Austausch mit den eigenen Bürgern fehlen die Gelder für zusätzliches Personal. Sich selbst überlassen wolle man die Nutzer aber auch nicht – ein Dilemma.

Solingen: Facebook setzt sich nicht durch

Wer bei Facebook nach der Stadt Solingen sucht, wird nicht fündig. Auch in diesem Fall verweist Lutz Peters, Sprecher der Kommune, auf die fehlenden Ressourcen. Aus seiner Sicht sei Social Media "etwas sehr Flüchtiges". Außerdem ist er skeptisch, ob Facebook überhaupt die Zukunft ist. Dennoch pflegt er gemeinsam mit seinem Team die Seite von Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Abwegig ist der Gedanke einer Stadt-Seite also nicht wirklich.

Fazit: Traut Euch!

18 von 49 untersuchten Städten im Rheinland haben noch keine Facebook-Seite. Das ist nicht wirklich zeitgemäß. Kommunen müssen endlich auch im Netz aktiv werden. Sie müssen dort präsent sein, wo ihre Bürger sind. Die Menschen wollen mitreden, wenn es um ihre Stadt geht. Soziale Netzwerke im Internet bieten einfachste Lösungen an, wenn es darum geht, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Sprecher des Städte und Gemeindebundes in NRW, Martin Lehrer, empfiehlt den Kommunen, Facebook-Seiten als "sinnvolle Ergänzung" zu bereits genutzten Informationskanälen einzusetzen. Zwingen könne man sie aber nicht. 

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