Andere User helfen: Social Bookmarking: Schneller finden im Netz
zuletzt aktualisiert: 02.11.2006 - 16:32St. Wolfgang/Darmstadt (RPO). Wer im Internet sucht, kann zu einer der großen Suchmaschinen surfen und sich unter Umständen durch tausende Treffer wühlen - das kostet Zeit. Schneller geht es, wenn man sich von anderen Usern helfen lässt, zum Beispiel durch Social Bookmarking.
Auf Social-Bookmarking-Webseiten verschlagworten, speichern und bewerten Surfer ihre Lieblings-Links - und teilen sie mit anderen Nutzern. So bekommen Interessierte einfach Zugriff auf die unterschiedlichsten Themengebiete - und sehen ganz nebenbei, was die Netzgemeinde bewegt.
Die Platzhirsche unter den Social-Bookmarking-Sites heißen del.icio.us und Furl. Die beiden englischsprachigen Dienste stehen für die zwei großen Gruppen, in die sich alle entsprechenden Angebote einteilen lassen. "del.icio.us bietet nur Grundfunktionen wie die Verschlagwortung und ist auch optisch spartanisch gestaltet", sagt Torsten Rox, Social-Software-Experte aus St. Wolfgang (Bayern).
Bei Furl dagegen lässt sich zusätzlich jede gebookmarkte Seite sofort in einem mehrere Gigabyte großen Online-Speicher ablegen. "So kann beispielsweise auf einen Artikel selbst dann noch zugegriffen werden, wenn er schon längst aus dem Internet-Archiv der Zeitung entfernt wurde", erklärt Rox.
Weitere Dienste, die Seiten speichern können, sind Spurl, Jots oder My Web von Yahoo. Neuerdings bietet Yahoo unter dem Namen Mein Web auch eine deutschsprachige Bookmarking-Seite an. Ohne Abbild, aber ebenfalls auf Deutsch geht es bei Oneview, Mister Wong, Taggle oder folkd zu.
Letzteres Angebot unterscheidet sogar, ob ein Link zu Nachrichten, Audio-Dateien oder einer "normalen" Webseite führt. "Grundsätzlich ist das Angebot unüberschaubar", sagt Rox. Mit Gratis-Programmen wie Scuttle oder Connotea kann im Prinzip jeder ein solches Angebot auf seiner Webseite einrichten. "Da es mit Social Bookmarks leichter ist, Inhalte zu produzieren als beispielsweise mit Weblogs, ist Social Bookmarking ein idealer Web-2.0-Einstieg."
"Die Entwicklung vom Netz von Webpräsenzen von großen Unternehmen und Organisationen zu einem Netz von Personen, ihrem Wissen und ihren sozialen Verknüpfungen ist so grundlegend, dass sich dafür das Schlagwort Web 2.0 durchgesetzt hat", erklärt der Media-System-Designer Johannes Kleske aus Darmstadt in seiner Diplomarbeit über Wissensarbeit mit Social Software. Unter Social Software versteht man Anwendungen, mit denen die Nutzer soziale Kontakte knüpfen können. Dazu gehören neben Wikipedia und Weblogs auch Seiten zum Tauschen von Fotos oder Playlisten wie flickr oder last.fm.
Auch auf Social-Bookmarking-Seiten stößt man bei der Suche nach Themen und Links früher oder später auf Gleichgesinnte. Mit diesen können meist Gruppen gebildet werden. Manche Angebote ermöglichen einen Überblick darüber, wer die eigenen Links übernommen hat. Dann kann man gezielt versuchen, über die Bookmarks dieser Person weitere Quellen für die eigenen Interessen aufzutun.
Preisgeben muss jeder Surfer dabei aber immer nur so viel, wie er mag. "Bookmarks können öffentlich oder privat abgelegt werden. Die privaten sind nur für den User und niemanden sonst zu sehen", heißt es beispielsweise beim Betreiber von Mister Wong, der Construktiv GmbH in Bremen.
Für einen schnellen Überblick eignen sich die am häufigsten benutzten Schlagwörter - auf Englisch "Tags". Sie werden meist auf der Startseite der Social-Bookmark-Dienste aufgelistet - ebenso wie die von den Nutzern am häufigsten gebookmarkten Seiten. "del.icio.us ist mit seiner Übersichtsseite über die aktuell am häufigsten gespeicherten Seiten ein gutes Trendbarometer für die aktuellen Themen im Web", schreibt Kleske. Nur daran sollte sich aber niemand klammern: Die für die eigenen Interessen wichtigen Dinge können auch auf den hinteren Rängen stehen, sagt Torsten Rox.
In punkto Organisation spart Social Bookmarking viel Aufwand. "Das ist die beste Lösung, um auf unterschiedlichen Rechnern, Betriebssystemen, Browsern und auch unterwegs auf seine Bookmarks zuzugreifen", sagt Rox. Und beim Wissensmanagement eröffnet das freie Verschlagworten beziehungsweise Tagging neue Perspektiven, weil eine Seite nicht wie bei Browser-Bookmarks nur einer einzigen Kategorie zugeordnet werden kann, sondern beliebig vielen.
Außerdem lassen sich Bookmarksammlungen oder Tags regelrecht abonnieren. So genannte RSS-Leser - beispielsweise im Browser Firefox - informieren den Nutzer dann, sobald neue Links hinzugekommen sind. RSS steht für Really Simple Syndication, was so viel heißt wie "wirklich einfache Verbreitung". Für Rox ist das eine Bereicherung: "Jeder kann ohne viel Aufwand und Stunden langes Surfen auf dem Laufenden bleiben."
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