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Ärger über offenen E-Mail-Verteiler: SPD-Medienpolitiker vergrätzt Web-2.0-Community

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 12.03.2010 - 18:14

Düsseldorf (RP). Mit einem öffentlichen E-Mail-Verteiler hat der Mediensprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Dörmann, führende Vertreter der Internet-Community verärgert. Die Adressen von ranghohen Managern waren in seiner Einladungsliste für eine Diskussionsveranstaltung für jeden ersichtlich.

Martin Dörmann sitzt seit 2002 für die SPD im Bundestag.  Foto: Deutscher Bundestag
Martin Dörmann sitzt seit 2002 für die SPD im Bundestag. Foto: Deutscher Bundestag

Der E-Mail-Verteiler liest sich wie das "Who is Who" der deutschen Web-2.0-Community. Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg, Springer-Konzerngeschäftsführer Christoph Keese und Xing-Gründer Lars Hinrichs waren darunter. Auch Musik-Blogger Tim Renner, BBDO-Weltchef Udo Klein-Bölting, Telekom-Manager Christian Zabel und Internet-Professor Klemens Skibicki gehörten zu dem 300 Personen umfassenden Exklusiv-Zirkel, der Anfang März eine E-Mail des SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Dörmann im elektronischen Postfach fand.

Der Kölner Politiker ist Experte für Neue Medien in der SPD-Bundestagsfraktion und hatte unter dem Motto "Die digitalen Supermächte - Mehrwert oder Bedrohung für das freie Internet? zu einer Diskussionsveranstaltung nach Köln eingeladen. Doch ausgerechnet dem SPD-Mann, der die älteste Partei Deutschlands mit der modernen Netzwelt zusammenbringen soll und im Beirat der Bundesnetzagentur sitzt, unterlief ein peinlicher Fauxpas. Für jeden einsehbar veröffentlichte Dörmann die persönlichen E-Mail-Adressen der geladenen Top-Manager. Das sonst übliche "Verstecken" der Empfängeradressen vergaß er.

"Unfähigkeit"

Prompt nahmen einige Eingeladene den Fehler zum Anlass, die Politik für ihre Missachtung der neuen Medienwelt zu kritisieren. "Wenn Sie wirklich über Themen wie Mehrwert oder Bedrohung sprechen wollen, sollten sie an dem Event offen darlegen, wie sie mit persönlichen Daten Dritter umgegangen sind", wetterte der Gründer des Berufsnetzwerks Xing in einer Antwort. Er sei "zutiefst bestürzt über die Unfähigkeit ihrer Mitarbeiter", ließ Hinrichs Dörmann noch wissen. Im Übrigen wolle er wissen, wie der SPD-Abgeordnete an seine E-Mail-Adresse gelangt sei. "Ich kann mich nicht erinnern, ihnen meine Daten gegeben zu haben."

Der Berliner Büroleiter des SPD-Bundestagsabgeordneten versuchte, die drohende Debatte zu beruhigen. "Computerprobleme im Bundestag" hätten den offenen Verteiler der E-Mail verursacht, schrieb er. Glauben wollte ihm das keiner so richtig. Ex-Universal-Chef Tim Renner lästerte über "Spam-Mails" aus dem Bundestag, Patrick Breitenbach, Autor eines Weblogs über Marketing, bemerkte spöttisch, wie "viele Wissenslücken noch zwischen den Welten" klafften. Zur Veranstaltung wolle er jedenfalls nicht kommen.

Ein paar Tage später ging Martin Dörmann selbst in die Offensive, entschuldigte sich für den offenen Verteiler und dozierte mühsam über Datenbanksysteme und Bundestags-Systeme, die automatisch E-Mails versenden. Wichtiger sei doch, dass der Dialog in Gang komme zwischen Politik und Internet-Welt. Die Diskussions-Veranstaltung soll dann doch ganz gut gewesen, berichtete einer der 60 übrig gebliebenen Teilnehmern versöhnlich. "Die Politik muss eben noch lernen".

Quelle: RP

 
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