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China
Staat startet eigene Internet-Suchmaschine
China: Polizei geht gegen Demonstranten vor
China: Polizei geht gegen Demonstranten vor FOTO: AP
Peking (RPO). Die neue Suchmaschine Panguso.com liefert den Chinesen einen garantiert politisch korrekten und sittlichen Blick auf das Internet. Denn betrieben wird die Suchmaschine von der Nachrichtenagentur Xinhua in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls staatlichen Mobilfunkkonzern China Mobile, dem nach Kundenzahlen größten Mobilfunkkonzern der Welt.

Die regierende kommunistische Partei hat damit ein weiteres Mittel in der Hand, um die öffentliche Meinung in China zu kontrollieren und ihre Sicht von der Welt zu vermitteln. Analysten zufolge könnte die neue Suchmaschine wirtschaftlich durchaus tragfähig sein, es ist aber unwahrscheinlich, dass sie zu einer ernsten Konkurrenz für den chinesischen Marktführer Baidu wird, auf den rund 75 Prozent aller Suchanfragen in China entfallen.

Xinhua und China Mobile hatten ihr Joint Venture im August vergangenen Jahres bekannt gegeben, nachdem der US-Suchmaschinenkonzern Google angekündigt hatte, dass er seine chinesische Suchmaschine schließt. Hintergrund waren offenbar Hackerangriffe aus China auf das E-Mail-System von Google und auch die Zensurvorschriften.

Xinhua erklärte, man hoffe, dass Panguso zu einer der führenden Suchmaschinen Chinas werde. Man wolle es ausnutzen, dass Xinhua als offizielle Nachrichtenagentur über einen großen Vorrat an Nachrichten und Informationen verfüge, und dass China Mobile die notwendige Erfahrung in Hinsicht auf Technik und Infrastruktur habe, erklärte Xinhua-Präsident Li Congjun.

China ist das Land mit der größten Zahl an Internetnutzern. Ende Dezember 2010 waren nach offiziellen Angaben 457 Millionen Menschen in China online, 303 Millionen nutzen dabei ein Mobilgerät, um etwas im Internet zu suchen, wie das China Internet Network Information Center erklärte. China Mobile hat nach eigenen Angaben mehr als 589 Millionen Kunden.

Die Regierung in Peking fördert die Nutzung, solange es nur um wirtschaftliche Dinge oder Bildungszwecke geht. Zensiert werden aber alle Inhalte, die als pornografisch oder subversiv eingestuft werden. Die Suchmaschinen in China sind verpflichtet, verbotene Websites aus dem Ausland nicht anzuzeigen und zu blockieren.

Panguso scheint dabei noch stärker zu filtern als andere chinesische Websites. So gab es bei einer Suche nach Liu Xiaobo, dem inhaftierten Friedensnobelpreisträger, auf Panguso keinen Treffer. Bei Baidu gab es immerhin chinesischsprachige Kommentare, die Liu kritisierten. Andererseits weist Panguso aber auch noch große Lücken auf. So blieb eine Suche nach der Website der Volksuniversität in Peking, der ersten nach der Revolution 1949 gegründeten Universität, ergebnislos.

Baidu kommt in China auf einen Marktanteil von 75,5 Prozent, wie die Pekinger Firma Analysys International ermittelte. Dahinter liegt Google mit 19,6 Prozent. Vor der Schließung der chinesischen Google-Suchmaschine waren es noch 30,9 Prozent. Bei der Suche auf Mobilgeräten kommt Baidu nur auf 34,3 Prozent.

Quelle: apd/felt
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