| 13.11 Uhr

SxSW 2016 in Austin
Wie ich Obama fast die Hand schüttelte

Fotos: Barack Obama bei der South-by-Southwest 2016
Fotos: Barack Obama bei der South-by-Southwest 2016 FOTO: ap
Austin/Texas. Der mächtigste Mann der Welt ist in Austin, Texas. Und unser Kollege Oliver Horst ist mittendrin. Fast jedenfalls. Ein Selbsterfahrungsbericht über einen Termin mit dem US-Präsidenten. Von Oliver Horst

Ich bewundere Barack Obama sehr. Ich mag seine lockere und durchaus unterhaltsame Art. Nun sollte der mächtigste Mann der Welt die größte Digitalkonferenz der Welt, die "South by Southwest", kurz SxSW, im texanischen Austin eröffnen. Und ich bin auch da. Das ist meine große Chance, den US-Präsidenten zu sehen, bevor er im Herbst sein Amt aufgibt. Nur: Es gibt noch weitere Interessenten.

Etwa 35.000 Menschen aus der ganzen Welt besuchen die Technologie-Konferenz, das Ticket für Obama liegt also nicht an der Registrierungsstelle aus. Die Veranstalter starten eine Lotterie für die knapp 3000 Eintrittskarten. Und wer hätte es gedacht? Am Vorabend der Veranstaltung erhalte ich eine E-Mail von dem Veranstalter mit der schlichten Zeile: "Congratulations." Glückwunsch.

Aber einfach in eine Halle gehen und "Präsident gucken", das geht natürlich nicht. Es folgen strikte Bedingungen. Verhaltensregeln. Zwischen 8 Uhr und 11 Uhr muss ich das Ticket abholen, um 11 Uhr soll ich mich vor der Halle einfinden. Obwohl das Bühnengespräch mit Obama erst um 14.30 Uhr beginnen sollte. Egal. Geduldig stelle ich mich in die Schlange, die sich nur mühselig in Richtung Tür fortbewegt. Direkt vor mir sehe ich zwei Kollegen eines befreundeten Verlagshauses im Rheinland. Ich bin nicht der einzige Obama-Fan. Und doch denke ich, dass da ganz schön viel Aufwand für eine Veranstaltung betrieben wird, die nur für 30 Minuten angesetzt ist.

Secret Service, Polizei und Fahrrad-Rikschas

Links und rechts von mir wird die Zahl der Polizisten und Uniformierten immer größer. Örtliche Polizei, Staatspolizei und die Präsidenten-Wache, der Secret Service. An der Eingangstür angekommen, ist der Sicherheitscheck schärfer und gründlicher als an jedem Flughafen. Auch mein Handy und mein Portemonnaie werden durchleuchtet.

Die Halle sieht aus wie ein modernes Kolosseum. Ich sitze im Mittelrang. Zwischen mir und meinem Präsidenten liegen bestimmt 30 Meter. Ich überlege, wie ich den Moment festhalten soll, wenn er kommt. Ein Foto? Ein Film? Ich entscheide mich für das Foto. Um 14.30 Uhr ist die Bühne leer. Um 14.45 Uhr immer noch. Nachrichten machen die Runde, dass der Präsident erst um 16 Uhr kommt. Dann ist er doch um 15.05 auf der Bühne. Er schlendert herein, winkt lässig in die Runde. Keine Krawatte. Die Menge applaudiert ihm wie einem Popstar. Er ist einer. Ich vergesse ein Foto zu machen. Der Ärger wegen der Verspätung ist verflogen. Wie konnte ich ihm überhaupt böse sein? Da vorne ist der US-Präsident und ich bin mit ihm in einem Raum. 

Barack Obama spricht von der Wichtigkeit der Digitalisierung. Er kritisiert, dass 50 Prozent der schwarzen Bevölkerung im Land noch keinen Zugang zum Internet haben. Und, dass die WLAN-Versorgung an Schulen "nur" bei 99 Prozent liegt. Die Zuschauer lachen. Er plaudert über Dies und Das. Er garniert seine Antworten mit Scherzen über die Unterstützung für ihn, die im liberalen Austin deutlich höher ist als im tief republikanischen Rest von Texas.

Auf den Streit zwischen der Bundespolizei FBI und dem Digital-Konzern Apple über den Zugriff auf die Daten des Smartphones eines Terroristen, das aktuell wichtigste Thema der Tech-Branche, geht er nicht wirklich ein. Natürlich sei die Verschlüsselung der Handys wichtig, aber die Polizei müsse doch bei schweren Vergehen Zugriff bekommen. Ja, was denn nun?

Nach 30 Minuten ist alles schon wieder vorbei. Barack Obama verschwindet. Es hat trotzdem Spaß gemacht. Ich bewundere ihn immer noch. Am Ende bekomme ich sogar ein Selfie. Im Foyer hängt ein Plakat mit seinem Konterfei. Ein schönes Foto von uns beiden.

Oliver Horst ist Geschäftsführer der RP Digital GmbH.

(RPO)
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