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"South by Southwest" in Austin
SXSW - die Trends des Digitalfestivals in Texas

SXSW 2017 - die Trends des Digitalfestivals in Texas
Ein Plakat in Austin weist auf die SXSW hin. Ob Hündchen Garnet sich davon überzeugen lässt, ist unbekannt. FOTO: rtr, BS/YS
Austin. Einmal im Jahr wird die texanische Hauptstadt zur Kapitale der Nerds und Coder, der Innovatoren, Werbe- und Medienmenschen. Zur Konferenz "South by Southwest" (SXSW) kommen sie aus allen Himmelsrichtungen. Von Rainer Leurs und Daniel Fiene, Austin

Rund 30.000 sind es in diesem Jahr. Der Kongress für Digitaltechnik und Netzkultur ist der größte und bedeutendste seiner Art. Wer die schlauesten Köpfe der Branche treffen will, muss im März hierher. Dabei ist auch eine große Delegation aus NRW. Die Trends der SXSW 2017:

  • Tech-Szene wird politischer

"So politisch habe ich die SXSW noch nie erlebt", ist selbst unter den Teilnehmern zu hören, die schon seit Jahren dabei sind. Direkt nach Trumps Wahl haben die Organisatoren entschieden, einen politischen Schwerpunkt zu setzen. Zur Eröffnung kam der demokratische Hoffnungsträger Cory Booker. Der Senator aus New Jersey wirkte mit seinem Weltbild wie der Anti-Trump: Weltoffen und tolerant. "Niemals habe ich ein solches Klima der Angst erlebt", verkündete der Demokrat.

Gadgets - diese Technik-Neuheiten will man haben FOTO: dpa, tsn zeh

Seitenhiebe auf Trump gab es viele. "Wir könnten ihn den Führer der freien Welt nennen", rief CNN-Journalist Jake Tapper seinen Zuhörern entgegen. "Aber das ist derzeit Angela Merkel." Tosender Applaus im Publikum. Die amerikanische Tech-Szene hatte bisher den Ruf, sich zu unkritisch mit neuen technologischen Entwicklungen auseinanderzusetzen. In diesem Jahr ist viel über den Sinn, über ethische Grenzen und über die Hoheit der persönlichen Daten gesprochen worden.

  • Joe Biden

1000 Zugangs-Armbändchen gab es für den Vortrag des ehemaligen US-Vizepräsidenten - und nach zehn Minuten waren sie alle weg. Biden war zur SXSW gekommen, um unter den Tekkies und Entwicklern für mehr Engagement gegen Krebs zu werben: Warum, fragte Biden, kann ich per Handy das Kinoprogramm in jeder Stadt der Welt abrufen, finde aber kaum etwas Praktisches im Bereich der Medizin?

  • Vernetzte Mobilität

Autobauer entdecken, dass in Zukunft nicht mehr die besten Modelle entscheidend sind, sondern, wer die beste Mobilitäts-Plattform bietet. Zum ersten Mal war daher Daimler-Chef Dieter Zetsche in Austin.

Die neuen Smartphone-Modelle 2017 FOTO: dpa, tsn zeh

"Dr. Z", wie er in den USA genannt wird, ließ sich in texanischen Cowboy-Stiefeln und Hut in Austin blicken. Er erklärte, dass für die Mobilitäts-Plattformen die digitalen Landkarten die Grundlage seien: "Deren Wert wird noch unterschätzt." Daimler will zudem 2018 einen Ableger der SXSW nach Deutschland bringen. Die "Me Convention" soll im Rahmen der IAA in Frankfurt stattfinden.

  • Social Bots

Immer populärer werden Programme zum Austausch von Kurznachrichten per Smartphone - Messenger-Apps, die vor allem bei jungen Leuten schon beliebter sind als klassische soziale Medien. Unternehmen, die online Kunden oder Leser erreichen wollen, stellt das vor ein Problem: Wie präsentiert man sich bei Whatsapp oder im Facebook Messenger, wo man nicht einfach eine Webseite ins Netz stellen kann?

Sogenannte Social Bots sind die Antwort darauf - künstliche Gesprächspartner im Messenger, die darauf programmiert sind, Anfragen von Nutzern zu beantworten, sie zu unterhalten oder Dienstleistungen zu übernehmen. "Wenn Messenger-Apps die neuen Browser sind, werden Bots die neue Webseite", sagt Laura Newton vom Messengerdienst Kik.

  • Smartphone ohne Telefon

"Ich mag es nicht, einfach angerufen zu werden. Mit meinen Freunden schreibe ich lieber", erklärte Helen Crossley, Datenforscherin bei Facebook. "Vielen jungen Menschen geht dies auch so." Das gelte nicht nur für private, sondern auch für geschäftliche Kommunikation. Ihre Beobachtung stützt sie mit vielen Zahlen aus Facebooks Datenschatz.

Android & iOS - das sind die besten Apps FOTO: Christoph Schroeter

43 Prozent würden lieber mit ihrem Reisebüro via Messenger chatten, als das Telefon zu nutzen. Im Weihnachtsgeschäft 2016 ist in den USA erstmals mehr online über das Smartphone als über den Computer bestellt worden. Viele Firmen verschliefen den Trend aber noch, heißt es: Wenn eine mobile Webseite länger als drei Sekunden lädt, brechen vier von zehn Smartphone-Nutzern des mobilen Angebots ab.

  • Schlaue Kleidung

Fernseher, Autos und Kühlschränke sind bereits vernetzt - da war es nur folgerichtig, dass auch Textilien demnächst mehr können sollen als nur warmhalten und schick aussehen. Gemeinsam mit Google stellte das Jeans-Label Levi's eine digitalfähige Jacke vor.

350 Dollar soll sie kosten und im Herbst auf den Markt kommt. Per Bluetooth ist die "Commuter x Jacquard" mit dem Smartphone verbunden, mit einer Berührung am Ärmel lassen sich Kommandos ausführen, zum Beispiel die Lautstärke der Musikausgabe ändern. Weitere Funktionen werden wohl folgen, die Plattform ist offen für Entwickler. Und warm hält die Jacke auch noch.

Quelle: RP
 
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