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Verschlüsselung nur schwierig zu knacken
Messenger Telegram bei IS offenbar sehr beliebt

Telegram: Beim Islamischen Staat offenbar sehr beliebt
Wegen der angeblich guten Verschlüsselung, ist die App Telegram auch bei Terroristen sehr viel in Gebrauch. FOTO: Christoph Schroeter
Düsseldorf. Nachdem bereits die Playstation 4 von Sony in Verdacht geraten ist, Terroristen als Kommunikationskanal zu dienen, rückt nun auch eine deutsche Messenger-App ins Visier der Ermittler: Die WhatsApp-Alternative Telegram. Die ist wegen ihrer Ende-zu-Ende -Verschlüsselung wohl auch beim sogenannten Islamischen Staat beliebt. Doch ganz so abhörsicher ist Telegram dann wohl doch nicht. Von Christoph Schroeter

Nach den Anschlägen von Paris am Abend des 13. November dauerte es fast bis zum Mittag des Folgetages, bis die Terrorgruppe IS sich offiziell zu den Taten bekannte. Neu war der Verbreitungsweg. 

Üblicherweise schickt der IS seinen Bekennerschreiben via Twitter in die Welt oder postet sie bei Facebook. Diesmal kam das anfangs auf Arabisch und Französisch, später auch auf Englisch und Deutsch verbreitete Schreiben über die App Telegram. 

IS hatte den Dienst bereits genutzt, um etwa die Verantwortung für den Abschuss des russischen Verkehrsflugzeuges am 31. Oktober in Ägypten zu übernehmen. Während der US-Dienst Twitter zumindest einige der IS-Nutzerkonten geschlossen hat, sollen sie britischen Medienberichten zufolge bei Telegram weiter aktiv sein. 

Kommunizierten Terroristen früher noch per Handy oder E-Mail, sind sie von diesen leicht abzuhörenden Kanälen inzwischen abgerückt. Wie der belgische Innenminister Jan Jambon vor Kurzem in einem Interview sagte, läuft ein Teil der Kommunikation mittlerweile über Spielkonsolen. (Wie das funktioniert, lesen Sie hier).

Einsatz gilt Abdelhamid Abaaoud FOTO: ap, FA

Auch Smartphone-Apps sind für Geheimdienste und andere staatliche Stellen deutlich schwieriger zu knacken als normale Handygespräche. In die Richtung ging auch der Hinweis von CIA-Direktor John Brennan vor wenigen Tagen: "Es gibt bereits eine Menge technischer Möglichkeiten, die es Geheimdiensten sowohl technisch als auch juristisch äußerst schwierig machen, den notwendigen Einblick zu bekommen."

Das von zwei Russen gegründete Start-up Telegram hat seinen Sitz in Berlin. Die App wirbt damit, Kommunikation Ende-zu-Ende zu verschlüsseln, auch in Gruppen-Chats. Abhören soll damit quasi unmöglich sein, auch für Geheimdienste. Ein solches Versprechen trifft natürlich auch bei Terroristen auf offene Ohren.

Zudem können bei Telegram seit einigen Wochen auch sogenannte Channels angelegt werden. Diese können abonniert werden, und alle Nachrichten des Channels landen automatisch auf dem eigenen Handy. Laut BBC nutzt der IS dieses Feature großflächig, um seine Propaganda zu verteilen.

Tatort Paris – die blutige Spur des Terrors FOTO: afp, le

Ob Telegram aber wirklich so abhörsicher ist, wie es sich unter anderem Terroristen versprechen, ist nicht sicher. ZDnet berichtet über den Sicherheitsforscher Thaddeus Grugq, der in einem Blogeintrag die Sicherheit von Telegram anzweifelt: "Ich würde der Verschlüsselung in Telegram nicht trauen." Zumindest dann nicht, wenn sie vor staatlicher Überwachung schützen solle, so Grugq. 

Grugq weiter: "Telegram ist fehleranfällig, hat eine wackelige selbstgemachte Verschlüsselung, gibt umfangreiche Metadaten preis [...]. Ich kann mir keine schlechtere Kombination für einen sicheren Messenger vorstellen." Sein Resümee: "Der sicherste Weg, Telegram zu nutzen, ist es gar nicht zu tun."

Inzwischen hat man bei Telegram auf die Vorwürfe, Lieblings-App des IS zu sein, reagiert, und nach eigenen Angaben 78 Kommunikations-Kanäle mit Verbindungen zur Terrorgruppe IS gesperrt.

Paris-Gedenken: Eiffelturm und Riesenrad leuchten in Düsseldorf FOTO: David Young

Nach Angaben des Unternehmens nutzen inzwischen rund 50 Millionen Menschen weltweit die App Telegram. Gegründet wurde Telegram 2013 von den beiden russischen Brüdern Nikolai und Pawel Durow. Ihr Ziel war es, der staatlichen Überwachung in ihrem Heimatland zu entgehen. Die beiden hatten auch bereits das russische Facebook-Pendant Vk.com gegründet. 

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