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Apples Captain Cook
Was Apple fünf Jahre nach Steve Jobs fehlt

Fotos: Tim Cook – Apple-Chef, Nike-Aufsichtsrat, stolzer Homosexueller
Fotos: Tim Cook – Apple-Chef, Nike-Aufsichtsrat, stolzer Homosexueller FOTO: dpa, tha kno sab tba
Düsseldorf. Vor fünf Jahren ist Tim Cook der offizielle Nachfolger des verstorbenen Apple-Chefs Steve Jobs geworden. Wirtschaftlich geht es dem Konzern prächtig. Doch Cooks Identitätssuche schadet der wertvollsten Marke der Welt. Von Daniel Fiene

"Ihr könnt euch sicher sein, Apple wird sich nicht verändern" - mit diesen Worten wandte sich Tim Cook am 24. August 2011 an die Mitarbeiter von Apple. An dem Tag, an dem Firmengründer Steve Jobs endgültig den Chefposten an seinen Vertreter übergab, nur sechs Wochen vor seinem Tod. Die zwei Männer arbeiteten Jahrzehnte intensiv zusammen. 13 Jahre zuvor war Cook von Jobs persönlich geholt worden.

Nach fünf Jahren im Chefsessel hat Cook gezeigt, dass er nicht Steve Jobs sein möchte und Apple doch ein anderes Unternehmen ist. "Steve ist nicht zu ersetzen", erklärte Cook in einem seiner seltenen Interviews, das er anlässlich seines Dienstjubiläums der "Washington Post" gab. "Er war ein Original. Ich habe seine nie als meine Rolle gesehen. Es wäre heimtückisch gewesen, wenn ich ihn nachgeahmt hätte." Cook bemüht sich gerade um die Deutungshoheit seines Schaffens: Zwar geht es dem Konzern wirtschaftlich prächtig. Als Manager bekommt Cook entsprechend gute Noten. Der Umsatz ist mit erwarteten 215 Milliarden Dollar (190 Milliarden Euro) viermal größer als zu seinem Amtsantritt. Cook konnte erfolgreich neue Märkte erschließen - insbesondere in Asien. In dieser Woche befindet er sich auf seiner neunten Geschäftsreise nach China.

Nach 13 Jahren sinken die iPhone-Verkäufe

Doch erstmals könnte in diesem Jahr der Umsatz sinken. Und das liegt vor allem an Apples Abhängigkeit vom Verkaufsschlager iPhone. "Die Abhängigkeit ist ein Privileg und kein Problem", versucht Cook zu beschwichtigen. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Im letzten Quartal ging der Verkauf des iPhones im Vorjahresvergleich um 23 Prozent zurück. Cook glaubt unbeirrt an den Erfolg: "Der weltweite Markt für Smartphones ist 1,4 Milliarden Menschen groß. Ich bin überzeugt, dass künftig jeder Mensch ein Smartphone haben wird. Das wird noch eine Zeit brauchen, und nicht alle werden ein iPhone haben. Aber für die Unterhaltungselektronik ist dies der größte Markt der Welt."

Vor allem soll künstliche Intelligenz, wie sie bei der Sprachassistentin Siri zum Einsatz kommt, ein Treiber werden. Doch kann Apple überhaupt künstliche Intelligenz? Bahnbrechende technische Innovationen, wie es sie zu Jobs' Zeiten regelmäßig gab, ist Cook schuldig geblieben. Die unter seiner Führung eingeführte Apple Watch macht kaum von sich reden. Langsam verliert die Öffentlichkeit mit dem Apple-Chef die Geduld.

Auch sein Auftreten unterscheidet sich stark von dem seines Vorgängers. Cook polarisiert nicht so sehr, seine Auftritte kommen eher etwas langweilig daher. Anstatt wie Jobs eine Egoshow zu veranstalten, holt er lieber Mitarbeiter mit unterschiedlicher Herkunft. Vielfalt soll das demonstrieren, das kommt in den USA an. Cook engagiert sich für soziale Themen wie kaum ein anderer Vorstandschef, und er hat seine Homosexualität öffentlich gemacht.

Cooks prominente Berater

Er versucht, Apple von Konkurrenten wie Google und Facebook abzugrenzen, indem er den Datenschutz hochhält und dabei demonstrativ den Konflikt mit den Behörden eingeht. So lehnte Apple es ab, für die Bundespolizei FBI das iPhone des mutmaßlichen Attentäters von San Bernardino zu entsperren. Statt als Egozentriker positioniert sich Cook als Netzwerker. Seine Vorbilder sind Bill Clinton, Warren Buffett, CNN-Moderator Anderson Cooper, Steve Jobs' Witwe Laurene Powell oder Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein.

2017 will Apple mit seinen digitalen Diensten wie iTunes oder Apple Music so viel Geld verdienen, dass der Geschäftszweig allein schon die Dimension eines der 100 umsatzstärksten Unternehmen hat. Neben den Gerüchten um ein eigenes TV-Gerät und ein selbstfahrendes Auto wird Apple stärker in das Geschäft mit Inhalten einsteigen. Durch strategische Neueinstellungen in den letzten fünf Jahren hat Apple mittlerweile gute Verbindungen nach Hollywood. Im Kontrast dazu fällt auf, dass Hardware-Klassiker wie das MacBookPro oder das MacBook Air vernachlässigt werden. Produkt-Aktualisierungen sind überfällig.

In den Kommentaren zum Dienstjubiläum wird Cook gratuliert, dass er seinen eigenen Weg gefunden habe. Doch so mancher erwartet einen stärkeren Fokus von Apple, worauf der auch gerichtet sein mag. Aber ein Fokus, wie man ihn aus der Zeit von Steve Jobs kannte.

Quelle: RP
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