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"Sharing Economy"
Trend des Teilens fordert Verbraucherschutz heraus

Berlin. Experten warnen vor Risiken der "Sharing Economy". Bisher ist das ein Nischen-Geschäft, die Beliebtheit nimmt aber zu. Von Jan Drebes

Teilen ist angesagt, vor allem, wenn sich damit Geld verdienen lässt. Das war eines der Ergebnisse des Deutschen Verbrauchertages gestern in Berlin. Fest steht: Nie waren etwa Carsharing-Angebote beliebter, und immer mehr Menschen mieten sich für den Urlaub über Online-Plattformen in Privatwohnungen ein. Der Trend des Teilens von Gebrauchsgegenständen und Dienstleistungen - ob für Geld oder gratis - ist ungebrochen und nimmt im Internet zu.

Das Schlagwort lautet "Sharing Economy" und bezeichnet Vermittlungsdienste, über die Privatleute Leistungen oder Gegenstände teilen können. Unklar sind dabei jedoch häufig rechtliche Fragen, etwa zur Haftung bei Schäden. Das stellt Verbraucherschützer vor Herausforderungen. "Sicherheit ist für Verbraucher ein hohes Gut. Ein Mindestmaß an Verbraucherschutz muss auch in der ,Sharing Economy' gelten", forderte Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands. "Die Vermittlungsplattformen sind gefragt, Qualität sicherzustellen und für Transparenz zu sorgen", so Müller.

Das gilt umso mehr, da solche Dienste immer beliebter werden, auch wenn sie derzeit vor allem Nischen besetzen. Eine Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen hat nun ergeben, dass lediglich 13 Prozent der Befragten schon einmal eine Kleidertauschbörse genutzt haben, zehn Prozent einen Carsharing-Dienst, vier Prozent ein Apartment auf Tausch-Basis. Noch am häufigsten werden klassische Mitfahrgelegenheiten in Anspruch genommen (36 Prozent) und spezielle Werkzeuge ge- oder verliehen (18 Prozent).

Ob kommerzielle Formen des Teilens, wie sie etwa die global agierende Apartment-Börse Airbnb betreibt, aber überhaupt noch Teilen genannt werden können, war eine der Kernfragen beim Verbrauchertag. Aus Sicht des Soziologen Harald Welzer bringt die "Sharing Economy" überwiegend Nachteile. "Mit Teilen hat die "Sharing Economy" wenig zu tun", sagte er. Jede Form von Alltagshandlung werde zu Geld gemacht, warnte Welzer. So erwäge der Internethändler Amazon, gegen eine Gebühr auch Spaziergänger zu Paketboten zu machen. Welzer kritisierte außerdem, dass Vermittlungsplattformen für Fahrgelegenheiten und Privatzimmer viel Geld verdienten, während es an Arbeitsschutz und Versicherungen mangele. Für Befürworter überwiegen die Chancen. Demnach könnten etwa über Plattformen wie Couchsurfing beim Reisen viel einfacher Kontakte zu Einheimischen geknüpft werden, Carsharing führe zu weniger Autos auf den Straßen und Lebensmittel- oder Kleidungstauschbörsen kämen Bedürftigen zugute.

Quelle: RP
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