| 14.59 Uhr

Französischer Sender lahm gelegt
IS-Hacker attackieren TV5 Monde

TV5 Monde: Hacker des Islamischen Staates kapern französischen Sender
Die Twitter-Seite von TV5 Monde - nach Ende der Attacke. FOTO: Screenshot Twitter
Paris. Die Terrormiliz des Islamischen Staates kämpft nicht nur mit Schusswaffen: Mutmaßliche Hacker des IS haben stundenlang den französischen Sender TV5 Monde lahmgelegt.

Auf der Website und den Facebook- und Twitterseiten des Senders wurden Drohungen der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS) gegen Frankreich gezeigt. Senderchef Yves Bigot sprach von einer "in der Fernsehgeschichte beispiellosen" Attacke.

In diesen Ländern gibt es gefährliche IS-Ableger

Der Hacker-Angriff begann am Mittwochabend um 22.00 Uhr. Auf einen Schlag waren anstelle des üblichen TV5Monde-Programms nur noch schwarze Fernsehbildschirme zu sehen. Gegen 5.00 Uhr morgens konnte der Sender, der in mehr als 200 Staaten und Regionen ausgestrahlt wird und wöchentlich 35 Millionen Zuschauer hat, wieder eigene Bilder senden. Nachrichten und andere Live-Programme konnten zunächst aber weiterhin nicht gesendet werden.

Die Hacker kaperten auch die Internetauftritte des Senders, der von öffentlich-rechtlichen Sendern in Frankreich, Belgien, Kanada und der Schweiz betrieben wird. Auf der Facebook-Seite von TV5Monde wurden Dokumente veröffentlicht, bei denen es sich um Ausweise und Lebensläufe von Familienmitgliedern von französischen Militärangehörigen handeln soll, die an Einsätzen gegen den IS beteiligt sind.

"Soldaten Frankreichs, haltet euch vom Islamischen Staat fern!", warnten die Hacker auf Facebook. "Ihr habt die Chance, das Leben eurer Familie zu retten, nutzt sie." Das "CyberKalifat" suche derzeit nach den "Familien der Militärs, die sich an die Amerikaner verkauft haben".

Nach Mittag wieder aufrufbar

Die Hacker warfen Frankreichs Staatschef François Hollande vor, mit der Beteiligung an dem Militäreinsatz der US-geführten Koalition gegen den IS im Irak und in Syrien einen "unverzeihlichen Fehler" begangen zu haben. "Darum haben die Franzosen die Geschenke bei 'Charlie Hebdo' und Hyper Cacher erhalten", hieß es in Anspielung auf die islamistische Anschlagsserie von Paris Anfang Januar mit 17 Todesopfern. Frankreich fliegt im Irak Luftangriffe gegen den IS.

In der Nacht konnte TV5Monde die Kontrolle über seine Facebook- und Twitterseiten wiedergewinnen. Die Homepage des Senders war am Donnerstag erst nach Mittag wieder zugänglich.

Senderchef Bigot sprach von einem "extrem gezielten und mächtigen" Cyber-Angriff. "Das ist für uns und in der Fernsehgeschichte beispiellos." Ein "schwarzer Bildschirm" sei das Schlimmste, was einem Fernsehsender passieren könne. Demnach attackierten die Hacker den Sender über die sozialen Netzwerke.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte die Attacke als "inakzeptablen Angriff auf die Informations- und Meinungsfreiheit" und sprach der Redaktion seine "volle Unterstützung" aus. Am Donnerstagmorgen besuchten Innenminister Bernard Cazeneuve, Außenminister Laurent Fabius und Kulturministerin Fleur Pellerin den Sitz von TV5Monde in Paris. Cazeneuve sagte, es seien Ermittlungen zu dem Hacker-Angriff eingeleitet worden. "Wir haben es mit entschlossenen Terroristen zu tun", sagte der Innenminister. "Wir sind entschlossen, sie zu bekämpfen."

(dpa)
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