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Zertifikat zur Identifizierung geplant: Twitter stoppt plappernde Hochstapler

VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 25.06.2009 - 07:37

Düsseldorf (RPO). Die Twitter-Nachricht las sich spannend: Jürgen Klinsmann, gerade entlassener Bayern-Trainer, ludt zur Pressekonferenz beim 1.FC Köln ein. Und setzte damit das Gerücht in die Welt, dass er der neue Fußballlehrer in der Domstadt wird. Das wäre eine kleine Sensation – wenn sie denn wahr wäre. Denn es hat lediglich ein Spaßvogel unter dem Namen des ehemaligen Nationaltrainers getwittert.

Twitter wurde innerhalb kurzer Zeit zum Kultdienst.  Foto: Screenshot
Twitter wurde innerhalb kurzer Zeit zum Kultdienst. Foto: Screenshot

So lustig dieses Beispiel ist, so bitter kann es werden, wenn jemand im Namen eines anderen vermeintlich private Einzelheiten ausplaudert oder andere beleidigt. Gerade Prominente reagieren zu Recht empfindlich, wenn in ihrem Namen getwittert wird. So auch der amerikanische Baseball-Manager Tony La Russa. Ein Unbekannter hatte abfällige und erniedrigende Meldungen über Twitter verbreitet, erklärte der Manager der "St. Louis Cardinals". Er klagte gegen den Mikroblog-Anbieter. Und Twittert reagiert.

In diesem Sommer sollen sich bestimmte Nutzer durch eine Art Zertifikat identifizieren können. Das Unternehmen teilte mit, dass dieses Angebot zunächst in einer Beta-Version veröffentlicht wird. Prominente Schauspieler, Musiker, Sportlern und anderen öffentlichen Personen und Organisationen können mit dem Zertifikat belegen, dass kein Hochstapler in ihrem Namen schreibt. Bislang löscht Twitter offensichtlich gefälschte Zugänge nur auf Anfrage.

Twitter betont jedoch in der Meldung auf ihrer Internetseite, dass dies nicht bedeutet, dass Blogs von bekannten Personen ohne Zertifikat unecht seien. Und Twitter nennt eine weitere Möglichkeit, die Echtheit der Einträge zu prüfen: Auf den offiziellen Websites der Prominenten gibt es Links zu deren Twitter-Account. Der Mikro-Blogging-Dienst plant, den Service in Zukunft auch für die Allgemeinheit anzubieten.

Fotos vom Flugzeug auf dem Hudson gingen um die Welt

Das Bild ging um die Welt: Ein Flugzeug war auf dem Hudson-River in New York notgelandet, alle Passagiere konnten über die Tragflächen gerettet werden. Die Aufnahme von der Beinahe-Katastrophe stammte aus Twitter. Der Mikroblog-Dienst bietet jedem die Möglichkeit, Nachrichten aus seinem Leben zu verschicken und somit öffentlich zu machen. Er ist damit ein soziales Netzwerk.

Die Beiträge werden für jeden einsehbar auf der Internetplattform gezeigt. Erlaubt ist die maximale Länge von 140 Zeichen, außerdem können Fotos über den Dienst "Twitpic" versendet werden. Die Nachrichten werden hauptsächlich auf Handys und Smartphones geschrieben, können aber auch per Computer im Internet verfasst werden.

Die Nutzer plaudern bei Twitter über Banales, etwa, was sie gerade kochen oder wohin sie in den Urlaub fliegen. Aber auch viele Prominente wie Ashton Kutcher und seine Frau Demi Moore gewähren Einblicke in ihr Privatleben. Firmen nutzen den Mikroblog für Werbung, Wissenschaftler melden Entdeckungen, Firmen schreiben Stellenangebote aus. Politiker „zwitschern“ vorab über die Ergebnisse der Wahl zum Bundespräsidenten ebenso wie über ihre Arbeit und machen natürlich Wahlkampf. Auch bei den Protestaktionen im Iran, als Anhänger der Opposition Wahlbetrug anprangerten, war Twitter ein oft genutztes Mittel der weltweiten Kommunikation.

Die einzelnen Nachrichten werden „Tweets“ genannt, was vom englisch „to tweet“, zwitschern, stammt. Die Nutzer können die Beiträge bestimmter Interessengruppen oder anderer Nutzer abonnieren. Sie „folgen“ demnach einer bestimmten Person und werden „Follower“ genannt.

Ungefährlich ist das twittern nicht. Es gab bereits Passwort-Diebstähle und -Versuche. Unerwünschter und krimineller Werbemüll (Spam) landet dort ebenfalls. Außerdem können manche Mitteilungen auf virenverseuchte Website hinweisen. Experten melden auch, dass es Angriffe von Hackern über Twitter auf heimische Computer gibt. Außerdem bleibt der Nutzer nicht so anonym, wie er vielleicht will. Twitter sammelt personenbezogene Daten.


 
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