Frag-Vati.de: Väterlicher Rat im Netz
VON DAS INTERVIEW FÜHRTE STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 08.01.2007 - 19:14Düsseldorf (RP). Nach dem Erfolg von "Frag-Mutti.de" haben die Betreiber Bernhard Finkbeiner und Hans-Jörg Brekle die Internetseite "Frag-Vati.de" gegründet. Themen: Heimwerken, Finanzen und Grillen.
Hunger quälte Bernhard Finkbeiner und Hans-Jörg Brekle im Sommer 2003, als ihnen die Idee kam. Die Jungs standen am Herd, packten eingekauftes Gemüse aus und fragten sich: "Wie kocht man eigentlich Salzkartoffeln?" Hans-Jörg griff zum Hörer, rief seine Mutter an und kommentierte nach dem Auflegen: "Frag Mutti! Frag-Mutti.de." Wenig später gründeten Finkbeiner, der heute 23 Jahre alt ist und in Ulm Medieninformatik studiert, und der Sozialpädagoge Brekle (30) die Homepage "Frag-Mutti.de". Inzwischen gibt es auch die entsprechende Seite www.frag-vati.de. Wir sprachen mit Finkbeiner über die besten Tipps und das geplante Buch.
Wie läuft Ihr eigener Haushalt, seit Sie die beiden Internetseiten betreiben? Finkbeiner: Mein Haushalt ist nicht 1a. Aber wenn ich koche, fließen Rezepte von Frag-Mutti ein, und wenn das Duschwasser nicht abfließt, weiß ich dank Frag-Vati, dass ich Backpulver und Essig in den Abfluss schütten muss.
Die väterlichen Ratschläge werden Ihnen von Besuchern der Seite zugeschickt, und Sie wählen aus. Welche Tipps haben Ihnen bislang besonders gefallen? Sehr geschickt finde ich diesen Tipp: Wenn Scheibenwischer-Blätter anfangen zu quietschen, kann man das Gummi mit Schmirgelpapier anrauen. Dann funktionieren sie wieder eine Weile. Oder wenn man ein Loch bohren will und niemand da ist, um zu helfen, kann man mit Klebestreifen einen Briefumschlag unter die Bohrstelle kleben. Dann rieselt alles dort hinein und nichts auf den Boden.
Wie schätzen Sie das handwerkliche Geschick von Studenten generell ein? Es gibt sicherlich prozentual unter den Menschen mehr Studenten mit linken Händen als im Rest der Bevölkerung. Ich zähle mich teilweise selbst dazu. Wir arbeiten eben mehr mit dem Kopf und Büchern als mit den Händen.
Wie ist das bei Ihnen zu Hause? Fragen Sie ihren Vater um Rat, oder bedienen Sie sich direkt bei Frag-Vati? Mein Vater gehört zu den Männern, die mit Heimwerken nichts am Hut haben. Manchmal häckselt er Gestrüpp im Garten, aber mehr nicht. Ich frage oft meinen Schwiegervater, der weiß alles.
Wie viele Besucher hat die Frag-Vati-Seite, und wie viele hat Frag-Mutti? Da die Vati-Seite noch neu ist, hat sie am Tag durchschnittlich 2000 bis 3000 Besucher. Bei Frag-Mutti sind es 21000 täglich.
Wer schickt Ihnen die Tipps? Als wir die Seiten geschaltet haben, sollten sie für Studenten sein und für Leute, die von zu Hause ausziehen. Es hat sich aber gezeigt, dass wir nicht nur die bedienen, sondern ein bunt gemischtes Publikum. Im Schnitt gehen pro Tag zehn Tipps ein. Da sie anonym abgeschickt werden können, ist kein Profil der Nutzer erkennbar. Manchmal steht aber als Erklärung dabei, dass jemand in einem bestimmten Beruf arbeitet und deshalb dieses oder jenes weiß.
Verdienen Sie eigentlich Geld mit der Seite, um Ihr eigenes Studium zu finanzieren? Ein wenig. Wir haben ja Werbeanzeigen auf der Seite geschaltet, um die Unkosten für den Betrieb zu decken, aber nur sehr wenige. Wir wollen die Seite nämlich auf keinen Fall mit Werbung zuknallen und auch kein Geschäft damit machen. Da ich aber doch täglich zwei bis drei Stunden am Computer sitze, um die Tipps zu redigieren und zu prüfen, müssen sich die Unkosten zumindest decken.
Nicht zuletzt verdienen Sie ja auch am Erfolg des Buches "Frag Mutti". Wie viele Exemplare sind bislang verkauft, und wie geht‘s weiter? Das Buch ist im April 2006 nach mehr als zwei Jahren Frag-Mutti-de erschienen. Bislang sind 50000 Stück ausgeliefert. Zurzeit arbeiten wir am Frag-Vati-Buch. Es soll im Juli mit einem ähnlichen Umfang wie der Vorgänger erscheinen. Wir stricken die Rahmengeschichte von Ingo, der auszieht, weiter. Es gibt Tipps von Finanzen und Versicherungen bis zu Grillen und Gartenarbeit.
Was werden Sie nach Ihrem Studium machen? Ich habe noch ungefähr zwei Jahre an der Uni vor mir. Danach möchte ich in einem Software-Unternehmen arbeiten.
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