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Ermittler durchkämmen soziale Netzwerke: Verdeckte Polizei-Recherche bei Facebook und MySpace

zuletzt aktualisiert: 19.03.2010 - 15:42

Washington (RPO). Viele Nutzer schummeln im Internet, besonders in den sozialen Netzwerken. So mancher tritt unter falschem Namen auf, wenn er sich Vorteile davon verspricht. Wer auf Facebook, MeinVZ, MySpace oder anderen Plattformen von Unbekannten Freundschaftsanfragen bekommt, muss dahinter nicht unbedingt den neugierigen Nachbarn oder die Exfreundin vermuten - es könnte auch die Polizei sein.

In den USA gehört die verdeckte Recherche der Ermittler mittlerweile zum Standardrepertoire, wie aus einem internen Papier des FBI hervorgeht. Nach einer Klage von Bürgerrechtlern musste die Behörde das Dokument veröffentlichen. Es ist ein Beweis dafür, dass die Beamten sehr genau wissen, wie einfach sie im Internet an Informationen über Verdächtige kommen können.

Bürgerrechtsgruppen sehen die neuen Ermittlungsmethoden allerdings kritisch. Denn Polizisten können nun relativ einfach auch das Umfeld von Verdächtigen untersuchen und so an private Informationen etwa von Familienmitgliedern kommen. Die Befürchtung: Der Staat tritt einmal mehr als "großer Bruder" auf, der alles überwacht.

Doch die Hauptsorge des FBI und anderer US-Sicherheitsbehörden scheint eher zu sein, dass sich verschiedene Beamte bei der Recherche in die Quere kommen könnten. Das Papier beschreibt eine Strategie, solche Konflikte zu vermeiden. "Man kann die Ermittlungen eines Kollegen leicht zunichtemachen, wenn man der gleichen Person nachspürt und sich ungeschickt verhält", sagt Frank Dannahey, Ermittler in Rocky Hill im Staat Connecticut.

Ermittler überprüfen Alibis und Beziehungen im Internet

Noch vor wenigen Jahren nutzte die Polizei kaum das Internet, um Verbrechen aufzuklären. Vor zehn Jahren waren zwar schon Beamte in Chats und Foren unterwegs, um Sexualverbrechern auf die Spur zu kommen, die Kinderpornos austauschen wollten. Doch das waren noch Ermittlungen der alten Schule. Heute untersuchen Polizisten hochgeladene Fotos, auf denen Verdächtige sich vielleicht mit Diebesgut zeigen; die Ermittler durchsuchen Postings, in denen sich jemand mit seinen Taten brüstet. Oder sie schauen einfach, wer mit wem befreundet ist. Auch Alibis lassen sich leicht überprüfen.

Manche Verbrechen können überhaupt nur aufgeklärt werden, weil der Täter verräterische Anhaltspunkte im Internet hinterlässt. Manchmal spart sich die Polizei mit ein paar Klicks auch einfach nur aufwendige Ermittlungsarbeit mit herkömmlichen Methoden.

Dem Kameruner Maxi Sopo, in den USA des Bankbetrugs verdächtigt, wurde seine Unbekümmertheit zum Verhängnis. Er hatte sich in einem Mietwagen nach Mexiko abgesetzt, zunächst gab es keine Spur. Die Beamten fanden aber sein Facebook-Profil, über Sopos Netzwerk-Freunde verschafften sie sich Zugriff auf die nicht öffentlich einsehbaren Informationen. Der Verdächtige schrieb regelmäßig, wo in Mexiko er gerade Spaß hatte. Kurze Zeit später stand die Polizei vor der Tür.

Die Grenzen der Online-Ermittlungen sind noch unklar

Wo genau die Grenzen dieser neuen Ermittlungsarbeit liegen, ist noch ungeklärt. Zwar stellen sich auch die Autoren des FBI-Dokuments die Frage, ob Beamte illegale Dinge tun dürfen, um an Informationen zu kommen. Antworten gibt das Papier aber nicht. So ist fraglich, ob Polizisten gegen die Regeln von Facebook verstoßen dürfen. Die Nutzungsbedingungen verbieten es, falsche persönliche Angaben zu machen oder ein Profil für jemanden anderen zu erstellen.

Marc Zwilliger, ehemaliger US-Staatsanwalt für Internetkriminalität, hält es für legitim, dass verdeckte Ermittler im Internet die gleichen Dinge tun dürften wie in der echten Welt. Kritischer sieht er aber die Schnüffelei in den persönlichen Angelegenheiten der Ehepartner, Kinder oder Eltern eines Verdächtigen.

"Die neuen Möglichkeiten brauchen eine umsichtige Kontrolle, damit Ermittler nicht über soziale Netzwerke in unsere privatesten Beziehungen eingreifen können", sagt der Experte. Das US-Justizministerium hält verdeckte Ermittlungen für legal, sie seien durch interne Vorschriften gedeckt. Wie genau diese Vorschriften aussehen, gibt die Behörde nicht preis.

BKA schweigt zu Ermittlungstaktiken in Netzwerken

In Deutschland hält sich das Bundeskriminalamt bei der Frage nach Ermittlungen in sozialen Netzwerken bedeckt. Laut einer Sprecherin gibt die Behörde aus taktischen Gründen nicht preis, ob sie Verdächtige im Facebook, bei Twitter oder auf sonstigen Plattformen unter die Lupe nimmt. Im Übrigen halte sich die Polizei an die gültigen Gesetze.

Im Klartext heißt das: Hinter dem Unbekannten, der einem im Internet die Freundschaft anbietet, könnte auch ein Beamter in der BKA-Zentrale in Wiesbaden stecken.

Quelle: apd/felt

 
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