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Missbrauch nicht ausgeschlossen
VPN-Anbieter "Hola" verkauft Firmen Nutzeranschlüsse

VPN-Anbieter "Hola" verkauft Firmen Internetzugänge von Nutzern
Der VPN-Anbieter "Hola" wirbt damit, Nutzern im Netz zu helfen, kann aber Missbrauch offenbar nicht ausschließen. FOTO: Screenshot / hola.org
Düsseldorf. Weil sie nicht auf Webvideos aus den USA und anderen Ländern zugreifen können, setzen immer mehr Nutzer auf VPN-Dienste. Der bei vielen Serienfans beliebte Anbieter "Hola" macht damit auf fragwürdige Weise Geschäft. Von Henning Bulka

"Um auf HBO GO zuzugreifen, müssen Sie sich innerhalb der fünzfig Staaten der USA befinden." Mit dieser Sperrtafel blockiert der US-Fernsehsender HBO den Zugang zu seinem Angebot für Nutzer aus anderen Ländern, auch aus Deutschland. Hintergrund sind häufig Lizenzvereinbarungen zwischen dem Anbieter und den Film- und Fernsehstudios. Auch die beliebte Plattform "Netflix" ist davon betroffen.

Viele deutsche Nutzer versuchen, diese Sperren zu umgehen, und setzen dabei auf VPN-Anbieter wie "Hola". VPN steht für "Virtual Private Network" und ermöglicht es, über einen anderen Computer, der beispielsweise in den USA steht, auf das dort verfügbare Netz zuzugreifen. Die eingerichtete Sperre, die sich an der IP-Adresse orientiert, wird so unwirksam. Das gesperrte Video wird sichtbar.

Vorsicht bei "Hola": VPN-Anbieter gibt Computer der Nutzer frei

Nutzer sollten dabei jedoch genau darauf achten, welchen Anbieter sie verwenden. Besondere Vorsicht ist dabei bei "Hola" geboten. Der Anbieter macht Nutzer über eine Erweiterung für den Browser zum Teil eines sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerks. Das bedeutet, man selbst kann über die Computer anderer Nutzer surfen – gleichzeitig wird jedoch auch der eigene Computer zur Benutzung durch andere freigegeben.

Eine schlimme Falle, warnen die Betreiber der Seite adios-hola.org: "Vielleicht erscheint Ihnen das nicht als schlimm. Doch stellen Sie sich einmal vor, jemand würde über Ihre Verbindung beispielsweise Kinderpornographie verbreiten. Für alle anderen würde es so aussehen, als wäre es Ihr Computer, der das getan hat, und Sie könnten nicht wirklich das Gegenteil beweisen."

Die Betreiber von adios-hola.org empfehlen allen Nutzern, "Hola" sofort zu deinstallieren und nicht mehr zu benutzen. Auch das Blog Torrentfreak berichtet über die Gefahren für die Nutzer. So seien die Computer von "Hola"-Nutzern für einen Cyberangriff auf ein Online-Forum verwendet worden.

"Hola"-Gründer: Funktionsweise des Dienstes ist kein Geheimnis

Auf Nachfrage ließ der Gründer von "Hola", Ofer Vilenski, gegenüber Torrentfreak mitteilen, man habe nie versucht, die Methoden zu verschleiern, wie das kostenlose Angebot zustande kommt. So lässt sich die Peer-to-Peer-Funktionsweise von "Hola" auch tatsächlich auf der Seite des Anbieters nachlesen.

Erst nach der Online-Berichterstattung wurde aber wohl das Banner auf der "Hola"-Seite eingebaut, das auf das Prinzip des Dienstes hinweist. Ebenfalls nachträglich ergänzt wurden von "Hola" außerdem die Informationen zur kommerziellen Vermarktung des Nutzer-Netzwerks.

Demnach ist "Hola" an sich zwar kostenlos. Gegen eine Gebühr können "vorsichtig ausgewählte Firmen" jedoch über einen Dienst mit dem Namen "Luminati" Zugang zum Nutzer-Netzwerk erhalten und darüber ihren Internet-Verkehr abwickeln. Nur gegen eine Gebühr von fünf Dollar im Monat können Nutzer dies verhindern.

Das bedeutet: Nur wenn Nutzer für "Hola" bezahlen, können sie ausschließen, dass ihr Internetzugang von anderen – möglicherweise missbräuchlich – verwendet wird. Denn "Hola"-Chef Vilenski gibt gegenüber Torrentfreak zu: In einem Fall wurde das "Hola"-Netzwerk bereits für einen Cyberangriff missbraucht. Der betreffende Nutzer sei zwar vorher überprüft worden, sei aber "durch das Netz gerutscht".

(RPO, HeBu)
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